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Die Rolle des Carsharings beim Ausbau der Elektromobilität

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Der Anteil an E-Autos in Hamburg liegt bei 33% – zumindest in der Flotte des Carsharing-Anbieters DriveNow. Doch wie wird die E-Mobilität wahrgenommen, mit der der Großteil erstmalig durch Carsharing in Berührung gekommen ist. Wo gibt es Herausforderungen und wie können Städte und Kommunen den bestehenden Problematiken begegnen?

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„Carsharing kann ein entscheidender Ansatz sein, um das Bewusstsein für die Potenziale der E-Mobilität und deren Akzeptanz in den Städten herzustellen bzw. zu stärken“, sagt DriveNow Geschäftsführer Sebastian Hofelich.
„Carsharing kann ein entscheidender Ansatz sein, um das Bewusstsein für die Potenziale der E-Mobilität und deren Akzeptanz in den Städten herzustellen bzw. zu stärken“, sagt DriveNow Geschäftsführer Sebastian Hofelich.
(Bild: DriveNow)

Das im Jahre 2008 formulierte Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, ist längst Makulatur. Gerade einmal rund 17.000 E-Mobile (Stand September 2018) wurden im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland zugelassen. Der Gesamtanteil, bezogen auf alle in Deutschland zugelassenen Automobile, beträgt damit weniger als ein Prozent.

Zwei Aspekte werden für den ausbleibenden Siegeszug immer wieder genannt: die mangelnde Reichweite der Autos sowie die schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur. Das Henne-Ei-Problem der Elektromobilität hemmt einen stärkeren Ausbau: Investoren halten sich aufgrund der niedrigen Zahl an E-Autos beim Ausbau von Ladesäulen zurück. Der Anreiz für den Kauf von Stromern wiederum ist gering, weil die Ladeinfrastruktur nur unzureichend ausgebaut ist. Was also tun?

Carsharing ist eine Möglichkeit, um die Bedeutung der Elektromobilität in Städten massiv zu erhöhen. Die Stromer sind für die vergleichsweise kurzen Fahrten in der Stadt optimal für Carsharing geeignet und schaffen für die Bewohner einen leichten Zugang zur Thematik. Die geringe Reichweite der Fahrzeuge stellt somit im Free-Floating-Carsharing kein Hauptproblem dar – zudem soll diese Herausforderung mit den nächsten Batterie-Generationen in den kommenden Jahren gelöst werden. Doch trotzdem bleiben die bestehenden Potenziale für einen schnelleren Ausbau der E-Mobilität im urbanen Umfeld oftmals ungenutzt. Woran liegt das?

An fehlendem Interesse liegt es nicht

Für viele Deutsche ist die Elektromobilität noch immer eine Antriebsform, mit der sie keine direkten Erfahrungswerte verbinden. Das liegt insbesondere an der geringen Verbreitung der E-Autos in Deutschland. Carsharing kann ein Ansatz sein, um das Bewusstsein für die Potenziale der E-Mobilität und das damit verbundene Fahrgefühl herzustellen bzw. zu stärken. Die Kundenumfrage belegt, dass die Nutzung von E-Autos mit einem positiven Bild verbunden ist.

82 Prozent der Befragten waren schon mindestens einmal mit einem E-Auto von DriveNow unterwegs. Davon wiederum sagten drei Viertel der Teilnehmer, dass sie mit DriveNow ihre erste elektrische Fahrt überhaupt gemacht hätten. Der Zuspruch ist dabei beträchtlich: 85 Prozent der befragten Kunden sind der Meinung, dass die Elektroautos bei DriveNow die Akzeptanz für elektrisches Fahren in der Stadt erhöhen.

(Bild: DriveNow)

Das spiegelt sich auch im Nutzungsverhalten der Stromer wider: Zum jetzigen Stand (Oktober 2018) sind bereits über 300.000 DriveNow Kunden allein in Deutschland mit dem BMW i3 gefahren. Ein signifikanter Anteil an Kunden ist zudem konsequent nur mit dem Stromer unterwegs. In Hamburg beispielsweise, der Stadt in Deutschland mit der zwischenzeitlich größten Elektroflotte von DriveNow, hat sich die Zahl der Kunden, die über das Jahr hinweg ausschließlich elektrisch fahren, seit zwei Jahren mehr als verdoppelt. Über 3.600 DriveNow Mitglieder setzten 2017 in der Hansestadt ausschließlich auf Elektroantrieb. 2015 lag diese Zahl noch bei rund 650.

(Bild: DriveNow)

Bereits seit einigen Jahren lässt sich der positive Effekt von Carsharing auf die Akzeptanz von Elektromobilität belegen. 2016 stellte die WiMobil-Studie4 fest, dass viele Carsharing-Nutzer über über geteilte Mobilität zum ersten Mal in Kontakt mit Elektrofahrzeugen kommen. Überdurchschnittlich viele Personen, die bisher noch keine Erfahrungen mit E-Mobilität gemacht hatten, wurden durch Carsharing zu Wiederholungstätern: Insgesamt 75 Prozent der Erstnutzer wiederholten ihre Fahrt im Elektroauto.

E-Mobilität erfährt kaum Ablehnung

Die durchgeführte Kundenumfrage brachte zwar zu Tage, dass 18 Prozent der befragten DriveNow Kunden noch nie mit einem E-Fahrzeug unterwegs unterwegs waren. Dies geschah jedoch in den meisten Fällen durch „Zufall“ oder mangels „Verfügbarkeit“. Lediglich neun Prozent der Befragten gaben an, sie wollten kein E-Auto fahren, da sie sich unsicher damit fühlten. Nur fünf Prozent nannten die „geringe Reichweite“ von Elektrofahrzeugen als Grund, einen Verbrenner zu wählen.

Kunden ziehen Elektrofahrzeuge Verbrennern vor

Wie nehmen Menschen eine Fahrt mit einem Elektroauto wahr? Welche Gefühle löst das Fahrzeug bei ihnen aus? Welche Erfahrungen machen sie, wenn sie mit Stromern unterwegs sind? Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr als drei Viertel der Befragten (77 %) würden sich für eine Fahrt mit einem E-Fahrzeug von DriveNow entscheiden, wenn es gleich weit entfernt wäre wie ein Verbrenner. Darüber hinaus würden sich 70 Prozent der Umfrageteilnehmer auch dann ein E-Fahrzeug wählen, wenn es etwa einen dreiminütigen Fußweg weiter entfernt stünde als ein Verbrennerfahrzeug.

(Bild: DriveNow)

Der Städtevergleich zeigt darüber hinaus: In allen deutschen DriveNow Städten ist das Elektro-Fahrzeug bei den Kunden die bevorzugte Wahl, unabhängig davon, wie viele E-Autos zur Verfügung stehen.

(Bild: DriveNow)

Durchweg positive Erfahrungswerte

Der häufigste Grund für die Nutzung von E-Autos ist laut der DriveNow-Umfrage die Innovation E-Motor. Die Mehrheit (80%) der Befragten gab an, das E-Fahrzeug gegenüber eines Verbrenner-Fahrzeugs zu bevorzugen, da E-Fahrzeuge innovativ seien und sie gerne neue Dinge ausprobierten. Auch Umweltschutz spielt für viele Nutzer eine große Rolle: Knapp drei Viertel (72%) der Befragten gaben an, ein E-Fahrzeug bevorzugt zu nutzen, da es emissionsarm sei und damit die Umwelt schone. Als dritten Faktor nannten die Kunden in der Umfrage das besondere Fahrerlebnis als Entscheidungsgrund für ein Elektroauto.

(Bild: DriveNow)

Das Umfrage-Ergebnis spiegelt sich auch in anderen Studien wider. So ermittelt das Deutsche Institut für Verkehrsforschung in einer Studie, dass sich Menschen E-Autos anschaffen, da sie sich für die Innovation der Fahrzeugtechnologie interessieren (88%) und die Reduzierung der Umweltbelastung für wichtig erachten (87%). Dieses Ergebnis zeigt auch die Bedeutung des Umweltschutzes im Zusammenhang mit elektrischem Carsharing. Diese Mobilitätsform hat sich mittlerweile nicht nur als flexible Variante zum eigenen PKW etabliert, um schnell von A nach B zu kommen, sondern – gerade im Zusammenhang mit einer Elektroflotte – als nachhaltige und innovative Mobilitätsalternative. Carsharing hat somit einen doppelten nachhaltigen Effekt: Es kann als flexible Variante in der Stadt die Benutzung privater PKW reduzieren und somit Emissionen senken. Sind Carsharing-Autos zudem zunehmend E-Fahrzeuge, trägt dies nochmals zur Verringerung des CO2-Ausstoßes im urbanen Raum bei.

Das schleppende Wachstum der Elektromobilität liegt also nicht an negativen Erfahrungswerten. Nutzen Kunden Elektroautos, sind sie schnell überzeugt. DriveNow versucht mit einem erweiterten Angebot an E-Autos dieses Bewusstsein zu schärfen und mehr und mehr Kunden elektrische und nachhaltige Mobilität näher zu bringen. Aus anfänglich 60 elektrischen ActiveE im Jahr 2013 wurden im Laufe der Jahre rund 1.000 BMW i3, was einer Flottensteigerung um das 25-fache entspricht. DriveNow weist somit aktuell einen Elektroanteil von 16 Prozent auf, in Hamburg liegt dieser sogar bei 33 Prozent, während der Anteil über alle zugelassenen Autos in Deutschland nicht einmal den Wert von einem Prozent erreicht.

Nur die Infrastruktur hinkt hinterher

Das Elektroauto ist ideal für den urbanen Raum geeignet. Dort werden vergleichsweise kurze Strecken zurückgelegt, was impliziert, dass es seltener zu Ladeengpässen kommt. Bei Reichweiten bis zu 160 Kilometern können die meisten Anwendungsfälle in diesem Umfeld abgedeckt werden. Bei der Kundenbefragung gaben lediglich fünf Prozent der Befragten, die noch nie mit einem E-Fahrzeug gefahren sind, an, dies läge daran, dass der i3 nicht für ihre Nutzungsfälle geeignet sei.

Gerade für Carsharing bringen lange Ladezeiten und eine schlechte Ladeinfrastruktur einen hohen operativen Aufwand mit sich. Doch während über 90 Prozent aller Tankvorgänge bereits durch Kunden erfolgen, haben laut der Kundenumfrage 65,5 Prozent der Befragten den i3 noch nie zum Laden angeschlossen. Die Ladeinfrastruktur ist dabei das größte Hemmnis: Unter den Befragten, die noch nie einen i3 geladen haben, gaben 60 Prozent an, sie würden dies tun, wenn sie dafür keinen Umweg fahren müssten bzw. wenn es mehr freie Ladesäulen gäbe (45%). Von den Befragten wiederum, die bereits Erfahrung mit dem Laden des i3 gemacht haben, würden 60 Prozent das Auto noch öfter laden, wenn die bestehenden Ladesäulen häufiger frei wären oder sie keinen Umweg zu diesen fahren müssten.

(Bild: DriveNow)

Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität werden für das Jahr 2020 allein in Deutschland 70.000 öffentliche Ladepunkte und 7.100 Schnellladesäulen benötigt. Bisher, so das Ergebnis einer aktuellen PwC-Studie, gibt es in Deutschland bislang erst 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte. Auch eine jüngste Erhebung von Horvath & Partners zeigt, dass die Ladensäuleninfrastruktur in Deutschland hinterherhinkt. Selbst mit der erhöhten durchschnittlichen Wachstumsdynamik der letzten beiden Jahre, würde man den Zielwert von 70.000 im Jahr 2020 mit gerade einmal 28.000 Ladestationen weit verfehlen.

(Bild: DriveNow)

Darüber hinaus müssen Standards geschaffen werden, um die unterschiedlichsten Systeme diverser Anbieter zu vereinheitlichen. Durch den bestehenden Flickenteppich an Bezahlmodellen, Anmeldemodalitäten und Mitgliedschaften, wird Carsharern und Fahrern privater Elektroautos erschwert, ihr Auto zu laden. Dieser Punkt wird insbesondere dann virulent, wenn längere Strecken zurückgelegt werden und das Auto beispielsweise in einer anderen Stadt geladen werden soll.

Für die Städte und Kommunen gilt daher: Sie sollten nicht nur die Zahl der Ladesäulen ausbauen. Sie sind auch gefordert, mit anderen Maßnahmen die Attraktivität für E-Mobilität zu fördern. Zum Beispiel mit der Ausweisung dedizierter E-Parkplätze oder Sanktionierungen, wenn Autos mit anderen Antriebsarten Ladesäulen unnötig blockieren. Carsharing-Anbieter wie DriveNow gehen momentan mit ihrer E-Flotte bewusst in Vorleistung, um den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur in den Städten weiter anzutreiben. Am Ende kann der Durchbruch der urbanen E-Mobilität aber nur gemeinsam mit den Städten und Kommunen gelingen.

Das Erfolgsbeispiel Hamburg

Die Zusammenarbeit zwischen DriveNow und der Stadt Hamburg zeigt, wie das möglich ist. Um urbaner Mobilität in der Elbmetropole zum Durchbruch zu verhelfen, haben die beiden Parteien ein Memorandum of Understanding abgeschlossen. Darin ist festgehalten, dass DriveNow den elektrischen Anteil seiner dortigen Flotte bis 2019 auf bis zu 550 E-Autos zu erhöhen plant. Im Gegenzug hat die Stadt Hamburg das Ziel formuliert, die Zahl der Ladepunkte bis 2019 schrittweise auf 1.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte auszubauen. Dazu kommen zusätzlich 150 Ladepunkte auf switch-Flächen – also Mobilitätsstationen, auf denen Servicestellen des Hamburger ÖPNV und Parkplätze für Carsharing-Autos und Leihfahrräder zu finden sind. Dort sollen auch weitere E-Parkplätze eingerichtet werden.

Schon heute ist ein Drittel der Hamburger DriveNow Flotte elektrisch – und hat damit einen doppelt so hohen Elektroanteil als der Durchschnitt der DriveNow Städte. Die Zahlen machen deutlich, dass die verbesserte Verfügbarkeit bei den Kunden ankommt: Seit der Erhöhung des elektrischen Flottenanteils von 70 auf 200 BMW i3 im Dezember 2017 ist die Zahl der gefahrenen Elektrokilometer um durchschnittlich 20 Prozent pro Monat gestiegen. Der BMW i3 ist das Auto, das die Kunden in Hamburg am liebsten fahren wollen, wie Filtereinstellungen in der DriveNow App belegen.

Fazit

Carsharing ermöglicht einen leichten Zugang zu E-Autos. Durch die innovativen Fahrzeuge und das nachhaltige Fahrerlebnis schafft Carsharing langfristige Akzeptanz und Begeisterung für Elektromobilität bei den Kunden. Mangelnde Ladesäuleninfrastruktur und eine fehlende Standardisierung der Systeme sind aber weiterhin noch große Herausforderung im E-Flottenbetrieb. Um der Elektromobilität flächendeckend zum Erfolg zu verhelfen, müssen Carsharing-Anbieter, Ladesäulenbetreiber sowie Städte und Kommunen zusammen arbeiten.

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