Gebrauchte E-Autos „Die meisten Händler konnten Fragen nicht beantworten oder haben falsch informiert“

Autor Yvonne Simon

Das Dresdner Start-up E-Autos.de hat im letzten Jahr einen auf Elektroautos spezialisierten Online-Marktplatz gelauncht. Gründer Ronny Blochwitz erklärt, was er mit der Börse vorhat.

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Gründer Ronny Blochwitz (2.v. li.) und das Team von E-Autos.de.
Gründer Ronny Blochwitz (2.v. li.) und das Team von E-Autos.de.
(Bild: E-Autos.de)

Vor gut drei Jahren wollte Ronny Blochwitz ein Elektro-Quad verkaufen. Der damalige Inhaber einer Marketingagentur erstellte Anzeigen bei den größten Fahrzeug-Marktplätzen – mit unerwarteten Schwierigkeiten. „Die Parameter waren nicht auf Elektrofahrzeuge ausgerichtet“, berichtet Blochwitz. Zu den Pflichtangaben habe zu dem Zeitpunkt beispielsweise der Verbrauch in Litern oder der Hubraum in Kubikzentimetern gehört. „Völlig sinnfrei für ein E-Auto.“

Blochwitz begann zu recherchieren, ob es nicht auch eine auf Elektroautos spezialisierte Plattform gibt. Er fand keine. Also gründete er gemeinsam mit einem Partner E-Autos.de – eine Online-Börse ausschließlich für rein batteriebetriebene Fahrzeuge, offen für Autohäuser und private Verkäufer. Nach längerer Entwicklungsphase ging die Plattform im Februar 2020 online.

Screenshot: Inserat von Schloz-Wöllenstein bei E-Autos.de.
Screenshot: Inserat von Schloz-Wöllenstein bei E-Autos.de.
(Bild: E-Autos.de)

Natürlich haben sich die großen Gebrauchtwagenbörsen mittlerweile längst an Elektroautos angepasst. „Aber wichtige Infos wie die Ladedauer werden immer noch nicht abgefragt“, sagt der Gründer. In den aktuell rund 300 Inseraten bei E-Autos.de sieht das anders aus, hier sind Details zum Laden auf einem Blick zu sehen, etwa die Fähigkeit zum Schnellladen und zur Energierückgewinnung oder die Ladedauer bei Wechsel- und Gleichstrom.

Inserate bleiben kostenlos

Die Fahrzeuge fließen von den Autohäusern automatisch auf die Plattform, die aktuell rund 40.000 Visits im Monat verzeichnet. Händler müssen sich einmal registrieren, dann holt das Dresdner Start-up zweimal täglich den Elektro-Bestand ab.

Das Start-up nimmt den Autohäusern dabei die Beratung ab. Noch können Interessenten den verkaufenden Händler zwar direkt kontaktieren. Ab April schaltet sich jedoch das Team von E-Autos.de dazwischen.

Blochwitz begründet: „Letztens hat uns ein wütender Kunde angerufen und an den Kopf geworfen, dass wir eine echt miese Plattform sind.“ Passiert war Folgendes: Der Anrufer war 100 Kilometer gefahren, um sein Wunschfahrzeug anzusehen. Doch der Händler habe ihm seine Fragen rund um das Auto und die Ladetechnik nicht beantworten können. Die negative Erfahrung fiel auf das Start-up zurück.

Händler sind froh, die Beratung los zu sein

Auch Blochwitz selbst hat bereits Lücken in der Beratung erlebt. Er hat vor der Gründung der Plattform ein Mystery Shopping im Handel durchgeführt und Detailfragen zu Technik und Förderungen gestellt, beispielsweise ob sich ein Modell über die heimische Photovoltaikanlage direkt aufladen lässt. „Die meisten Händler konnten die Fragen nicht beantworten oder haben uns falsch informiert“, so Blochwitz.

Künftig wenden sich die Kunden daher immer zuerst an E-Autos.de und werden per Videochat zum Fahrzeug, aber auch zum Ladebedarf und zu Förderungsmöglichkeiten beraten. Dabei will sich das Start-up auch um die Finanzierung kümmern. Erst dann geht der Lead an den Händler, der aber bis auf Weiteres im Inserat namentlich genannt bleibt. Für die Autohäuser gehe der Prozess in Ordnung, ist Blochwitz überzeugt. „Ich habe stichprobenartig 20 unserer Händler angerufen und mit ihnen das neue Konzept besprochen – 18 waren froh, die Beratung los zu sein und sehen den vorqualifizierten Kunden als Mehrwert.“

Batteriebewertung geplant

Ein weiterer Teil des Geschäftsmodells könnten künftig hervorgehobene „Superdeal“-Angebote sein, die das Autohaus bezahlt, sowie die Bewerbung der Fahrzeuge auf den Social-Media-Kanälen der Plattform. In Zukunft möchte der Marktplatz außerdem eine Batteriebewertung mit Ampelsystem in die Inserate einbinden. „Wir arbeiten gerade mit einem Start-up aus Österreich an einer Batteriediagnose“, berichtet Blochwitz. Der Prozess sieht vor, dass die Autohäuser einen Dongle leasen können, um den Status des Akkus zu bestimmen. Nicht geplant ist laut Blochwitz hingegen eine Preisbewertung.

Für Ladezubehör betreiben die Dresdner bereits seit 2019 einen Onlineshop, der das Start-up zum Großteil finanziert. „Wir hatten festgestellt, dass Ladekabel, mobile Ladestationen und Wallboxen über die Hersteller sehr teuer sind. Also haben wir alternative Lieferanten gesucht“, sagt Blochwitz. Der Shop sei schnell gewachsen. Dieses Jahr soll der Umsatz darüber siebenstellig werden. Wie viel das Geschäft aktuell einbringt, verrät der Gründer nicht. Nur soviel: Paypal habe dem Start-up neulich das Konto gesperrt, aufgrund der großen Zahl an Transaktionen. „Die dachten, wir würden betrügen“, so Blochwitz.

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