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Aufgedeckt Das Mondauto – mit elektrischem Allradantrieb und Navi

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Einen Blick ins normalerweise versteckte Innenleben technischer Geräte und Apparaturen wirft die Redaktion der ELEKTRONIKPRAXIS in der Rubrik „Aufgedeckt“. Dieses Mal: Das Mondauto

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Das Mondauto war ein reinrassiges Elektromobil mit Allradantrieb und Navigationssystem an Bord
Das Mondauto war ein reinrassiges Elektromobil mit Allradantrieb und Navigationssystem an Bord
(Bild: Bild: NASA)

Ein SUV der besonderen Art bewegte sich 1971 über die Mondoberfläche: Das Lunar Roving Vehicle – ein reinrassiges Elektroauto mit Allradantrieb, vier Radnabenmotoren, Joy-Stick-Steuerung und sogar einem bordeigenen Navigationssystem.

Mehr über das Innenleben technischer Systeme in unserer Bilderstrecke „Aufgedeckt“

Erste Auto-Spritztour auf dem Mond

„Eine Super-Methode zu reisen – wirklich großartig und ganz einfach zu fahren, wir haben keinerlei Probleme!“, schwärmte Apollo-15-Kommandant David Scott, als er zusammen mit James Irwin die erste Autofahrt auf dem Mond unternahm – an Bord eines allradgetriebenen Elektromobils mit Navigationssystem!

Ein Video von einer Spritztour auf dem Mond mit dem Lunar Rover während der Apollo-15-Mission finden Sie hier:

Bei dem Gefährt handelte es sich um das erste Mondauto. Es wurde am 31. Juli 1971 von der NASA-Weltraummission Apollo 15 auf dem Mond abgesetzt. Das Lunar Roving Vehicle (LRV) sollte den Bewegungsradius der Astronauten erweitern und den Transport von Gesteinsproben ermöglichen.

In unserer Bildergalerie finden Sie Fotos der Missionen Apollo 15, 16 und 17, die das Mondauto mitführten, sowie eine kurze Geschichte des Lunar Roving Vehicle:

Bildergalerie
Bildergalerie mit 51 Bildern

Die Entwicklung des Lunar Roving Vehicles dauerte 17 Monate

Die Entwicklung des LRV begann 1969 unter der Leitung des ungarischen Physikers Ferenc Pavlics im Forschungsinstitut von General Motors in Santa Barbara im Auftrag der Boeing Aerospace Corporation, dauerte lediglich 17 Monate und kostete 38 Mio. US-$.

Das Faltauto ist innerhalb von 20 Minuten aufgebaut

Das LRV befand sich zusammengeklappt in der Ladebucht der Landestufe und hatte so eine Größe von 0,90 m x 1,50 m x 1,70 m. Der Aufbau dauerte ungefähr 20 Minuten. Auseinandergeklappt hatte das Mondauto eine Länge von 3,1 m, eine Breite von ca. 1,80 m und einen Achsenabstand von 2,30 m. Es bestand hauptsächlich aus Aluminium und hatte eine Masse von 210 kg. Auf dem Mond konnten maximal 490 kg zugeladen werden, davon entfielen 353 kg auf die Astronauten und ihre Lebenserhaltungssysteme, 45,4 kg auf Kommunikationsausstattung, 54,5 kg auf wissenschaftliche Nutzlast und 27,2 kg auf Gesteinsproben. Vollbeladen betrug die Bodenfreiheit 36 cm.

Mit dabei: Ein detailliertes Handbuch für den Pannenfall

Geliefert wurde das Mondauto übrigens mit einem 342 Seiten dicken Handbuch. Es erklärt Aufbau und Funktionsweise des LRVs bis ins letzte Detail und gibt genaue Hinweise, was bei einer Panne zu beachten ist – klar, denn ein Pannenhilfefahrzeug des US-amerikanischen Automobilclubs würde doch etwas länger brauchen.

Das komplette LRV Operations Handbook finden Sie in unserer Bildergalerie

Fortschrittlicher Antrieb über vier Radnaben-E-Maschinen

Angetrieben wurde das LRV von je einem 180-Watt-Elektromotor pro Rad, der mit diesem über ein mit 80:1 übersetztes Getriebe verbunden war.

Drive by Wire mit Joystick-Steuerung

Der Fahrer steuerte das LRV über einen T-förmigen Joystick, der mittig positioniert und daher von beiden Sitzen erreichbar war. Zum Beschleunigen drückte der Fahrer den Controller nach vorn, zum Bremsen nach hinten. Gelenkt wurde mithilfe von je einem elektrischen Stellmotor mit 72 Watt pro Achse. Weil alle vier Räder lenkbar waren, konnten die Astronauten auf kleinstem Raum wenden.

Silberoxid-Zink-Batterien ermöglichen bis zu 92 km Reichweite

Für die Stromversorgung waren zwei nicht aufladbare Silberoxid-Zink-Batterien mit 36 Volt und einer Kapazität von 121 Ah zuständig; damit war eine Höchstgeschwindigkeit von 13 km/h möglich und es konnte eine Strecke von maximal 92 km zurückgelegt werden.

Navigation via Gyroskop und Kilometerzähler

Navigiert wurde mittels eines Gyroskops und eines Kilometerzählers. Der Computer berechnete aus deren Daten die aktuelle Position relativ zum Landemodul. Damit fanden die Astronauten den Weg zurück zum Lunar Module, auch wenn es außer Sicht war. Allerdings entfernten sich die Weltraum-Pioniere nie mehr als ein paar Kilometer von der Fähre.

Fernsehbilder werden im S-Band zur Erde gefunkt

Die Kommunikationsausrüstung sowie zwei Kameras, davon eine fernsteuerbare Fernsehkamera, waren an der Front des LRV befestigt. Das LRV hatte zwei Antennen. Die schirmförmige S-Band-Richtantenne für die Fernsehübertragung zur Erde musste von den Astronauten mittels einer optischen Visiereinrichtung manuell ausgerichtet werden. Deshalb bestand während der Fahrt nur eine Daten- und Sprechfunkverbindung. Die zweite, kleinere Antenne übertrug Sprach- und Datenverkehr von und zum Landemodul.

Exklusive Parkplätze für die drei Mond-SUVs

Die LRVs wurden übrigens bei allen drei Missionen ebenso wie andere Geräte auf dem Mond zurückgelassen. Wenn Sie einmal dort vorbeikommen sollten, können die Fahrzeuge leicht mithilfe des LRV Operations Handbooks selbst instandsetzen und ein paar Runden auf dem Mond drehen. Die Batterien des Apollo-15-Rovers etwa hatten am Ende der Mission noch genügend Restkapazität für 80 km ...

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