Elektromobilität Brennen E-Autos wirklich leichter?

Autor / Redakteur: Tanja Schmitt / Tanja Schmitt

Viele Menschen halten E-Autos für tickende Zeitbomben. Doch sind Stromer per se anfälliger für Brände als Benziner oder Diesel? Die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ ging der Sache auf den Grund.

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Ein brennender Tesla.
Ein brennender Tesla.
(Bild: Feuerwehr Landeck)

Brennende E-Autos sind für die Medien ein gefundenes Fressen – und schüren bei vielen Menschen Ängste. Und wenn dann noch Parkhausbetreiber – so geschehen im fränkischen Kulmbach – Stromern die Zufahrt verwehren, dient das ebenfalls als emotionaler Brandbeschleuniger. Viele sind sich dann sicher: E-Autos sind tickende Zeitbomben. Brennen Stromer tatsächlich häufiger als Verbrenner? Die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ ist der Sache auf den Grund gegangen.

Pro Jahr brennen in Deutschland etwa 15.000 Autos – und fast immer sind es Benziner oder Dieselfahrzeuge. Und die Stromer? „Aus den vorliegenden Verbandsstatistiken lässt sich derzeit keine besondere Schadenauffälligkeit für E-Autos ableiten“, teilte ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) der Zeitschrift mit. Zu diesem Schluss kommt auch Jürgen Weiß, Fachbereichsleiter für vorbeugenden Brandschutz des bayerischen Landesfeuerwehrverbands (LFV): „Die E-Auto-Brandlast an sich ist nicht höher als bei einem Benziner oder Diesel.“ Viele mag die Expertenmeinung überraschen – und womöglich auch ein klein wenig beruhigen.

Teilweise sind es jedoch auch die Hersteller selbst, die die Elektro-Skepsis buchstäblich befeuern. Immer wieder werden E-Autos wegen fehlerhafter Akkus und einer daraus resultierenden Brandgefahr zurückgerufen. Hyundai rief beispielsweise 82.000 Kona-Modelle zurück. Dennoch: Weltweit sind nur 14 Brände bekannt. Audi rief seinen E-Tron zurück, allerdings als reine Vorsorgemaßnahme. Es zeigte sich: Keiner der betroffenen 1.650 Fahrzeuge hatte ein Brandproblem.

Teslas brennen häufiger

In den Vereinigten Staaten ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Das Highway Loss Data Institute sammelt Daten zu Unfällen, Liegenbleibern und nicht unfallbedingte Vorkommnisse auf amerikanischen Fernstraßen. Die Forscher haben die Daten zwischen 2016 und 2018 ausgewertet. Hier fällt vor allem eine Automarke negativ auf: Tesla. Die Fahrzeuge der Kalifornier tauchen relativ häufig in der Statistik auf. Von 43.000 Tesla Model S fingen zehn von sich aus zu brennen an. Zum Vergleich: Von 58.000 Audi A6 brannte hingegen nur ein einziger. Oder Porsche: Von rund 45.000 Cayenne fingen nur zwei Feuer, beim Tesla X waren es schon zehn (bei knapp 36.000 Zulassungen). Die Auffälligkeit sollte jedoch nicht verallgemeinert werden, denn die Kalifornier nutzen andere Akkus als ihre deutschen Kollegen.

Stabile Hülle: Akkus sind gut geschützt

Damit es nicht brennt, ist eine stabile Hülle das A und O. Ein „mechanischer Schutz ist essenziell, vor allem für die Unterseite des Akkupacks. Hier ist inzwischen ein guter Standard erreicht“, betont Prof. Lutz Eckstein vom Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen. Metallplatten und Faserverbundwerkstoffe schützen die Batterie zuverlässig vor Beschädigungen. Dass das Gehäuse hält, was es verspricht, wurde bereits in diversen Crashtests bewiesen. Bislang ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Stromer dabei in Brand geraten ist.

Doch die Panzerung kann auch schnell zum Problem werden, nämlich, wenn die Feuerwehr nicht an die Batterie rankommt, um die Zellen zu kühlen. Dann könnte das eintreten, was alle fürchten: der sogenannte Thermal Runway, eine Art Super-Gau, bei dem eine brennende Zelle wie in einer Kettenreaktion andere Zellen zum Brennen bringt. Und dann passiert in der Regel Folgendes: Um ein Wiederaufflammen zu verhindern, bekommt das Fahrzeug einen Tauchgang in einem Wasserbad – und ist anschließend schrottreif.

Ironie der Geschichte: Der Garagenbrand in Kulmbach, der zum Einfahrverbot für E-Autos führte, wurde von Benziner ausgelöst, nicht von einem Stromer.

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