Umfrage Auto-Abos: Deutsche sind interessiert, aber nicht um jeden Preis

Redakteur: Tanja Schmitt

Schnell mal für ein paar Monate ein schickes Auto abonnieren: Das kann sich jeder dritte Deutsche durchaus vorstellen. Aber nur, wenn der Preis stimmt.

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Fleetpool mischt im Auto-Abo-Markt mit.
Fleetpool mischt im Auto-Abo-Markt mit.
(Bild: Fleetpool)

Man kann vieles abonnieren: Zeitschriften, Fitnessstudiobesuche – und eben auch Autos. Doch ein fahrbarer Untersatz ist dennoch etwas anderes als ein Magazin aus Papier. Die Beratungsagentur Oliver Wyman wollte wissen, ob und wie sehr die Deutschen generell an Auto-Abos interessiert sind, ob diese Art des flexiblen Besitzes überhaupt eine Zukunft hat. Das Fazit: Jeder dritte Befragte ist ernsthaft daran interessiert, jeder siebte kam sogar schon einmal in den Genuss eines solchen Abos.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben der flexiblen Rückgabemöglichkeit schätzen die Teilnehmer der Umfrage auch die unkomplizierte Onlineabwicklung. Für 40 Prozent der Deutschen ist die komplette Digitalisierung des Einkaufs ein wichtiges Argument

Die Preisfrage

Bei einem Aspekt hört die Begeisterung jedoch schnell auf: dem Preis. Allzu teuer darf das Ganze nämlich nicht werden, maximal 300 Euro pro Monat ist den meisten Befragten (70 Prozent) die Abo-Sache wert. Dafür sind sie bei den Ansprüchen kompromissbereit: Mehr als 80 Prozent wären auch mit einem Gebrauchtwagen zufrieden – bei niedrigeren Kosten. Für die Mehrheit wären auch zwei Fahrzeugwechsel im Jahr völlig in Ordnung.

Flexibler Besitz

Ein eigenes Auto zu kaufen, ist oft ein teures Unterfangen. 35 Prozent der Deutschen können sich deshalb durchaus vorstellen, eine monatliche Rate zu zahlen anstatt einen eigenen Pkw zu besitzen. Die Abonnenten bekommen ein Fahrzeug ihrer Wahl aus einem Pool und dürfen dieses in einer vorgegebenen Häufigkeit wechseln. Nebenkosten für Versicherung und Wartung fallen nicht an, lediglich den Kraftstoff zahlt man selbst. „Für die Hersteller entwickelt sich das Auto-Abo zu einem interessanten Absatzkanal“, sagt Joachim Deinlein, Mobilitätsexperte bei Oliver Wyman.

Vor allem die schnelle Rückgabe finden die Befragten gut. Für 75 Prozent ist eine Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten unattraktiv. „Es entspricht dem Zeitgeist, auch beim Auto lediglich eine kurzfristig auflösbare Bindung einzugehen“, sagt Deinlein.

Versuchsfeld Elektromobilität

Die Experimentierfreude zeigt sich auch beim Antrieb: Ein Viertel der Befragten in Deutschland würde gerne zu einem Elektro- oder Hybridmotor greifen. „Kunden nutzen Auto-Abos auch als Möglichkeit, neue Technologien im eigenen Alltag zu testen“, erläutert Steffen Rilling, Co-Autor der Umfrage.

Anbieter wie Fleetpool reagierten und hielten bereits mehr als zwölf Prozent Batterie- und Hybridfahrzeuge in ihrer Flotte, so Rilling. Auto-Abo-Modelle sollen dank ihres reibungslosen digitalen Bestell- und Austauschprozesses so gut funktionieren. „Sie repräsentieren damit die Zukunft des automobilen Onlinehandels“, sagt Deinlein. Für 40 Prozent der Deutschen ist die komplette Digitalisierung des Einkaufs ein wichtiges Argument. Auch klassische Leasinganbieter und Mietwagenfirmen stoßen mit guten Chancen in die Nische vor.

Auto-Abo im Ländervergleich

Nur in Frankreich liegt die Bereitschaft zum Auto-Abo mit 36 Prozent noch höher als in Deutschland (35 Prozent). In den USA (24 Prozent) und Italien (19 Prozent) ist das flexible Modell nicht ganz so beliebt. Dennoch: Im letzten Jahr waren in Deutschland noch 38 Prozent interessiert. 14 Prozent haben das Abo-Modell hierzulande nach eigenen Angaben schon genutzt. Unter den Interessierten deuteten immerhin 32 Prozent die Bereitschaft an, ihr gegenwärtiges Fahrzeug zugunsten eines Abo-Autos abzuschaffen. 17 Prozent könnten es sich als zusätzliches Fahrzeug vorstellen.

Die Befragung

Über die Befragung Oliver Wyman hat im Dezember 2020 2.000 Personen zu ihren Einstellungen zu Auto-Abos befragt, davon je 500 in Deutschland, den USA, Frankreich und Italien.

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