Elektromobilität Akku tauschen statt laden in knapp sieben Minuten

Von Andreas Wehner

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Der chinesische Autobauer Nio bringt seine Fahrzeuge mit Wechsel-Akku. Nio-Fahrer können die leer gefahrene Batterie ihres Autos in sogenannten Power-Swap-Stations gegen einen frischen Akku tauschen. Wir haben das mal ausprobiert.

Nio-Fahrer können ihren leergefahrenen Akku an einer Power-Swap-Station tauschen.
Nio-Fahrer können ihren leergefahrenen Akku an einer Power-Swap-Station tauschen.
(Bild: Wehner - Vogel Communications Group)

Seit wenigen Wochen ist das erste Modell des chinesischen Elektroauto-Start-ups Nio in Deutschland erhältlich: die Limousine ET7. Das Auto gibt es entweder im Abo oder für 69.900 Euro zu kaufen. Im Preis ist jedoch die Batterie nicht drin. Die mietet man als Nio-Fahrer zusätzlich. Dafür kann man sie dann nicht nur laden, sondern an einer von Nios bislang drei deutschen Power-Swap-Stations auch wechseln lassen. Das ist bis voraussichtlich März 2023 noch kostenlos. Danach soll ein Tausch mit zehn Euro zu Buche schlagen – zuzüglich Strom.

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Wie das funktioniert, probieren wir auf einer Testfahrt mit dem ET7 aus. Wir steuern den Ladepark in Zusmarshausen an, lassen das Navigationssystem nach der Tauschstation suchen und wählen sie aus. Per Klick buchen wir den Tausch. Das Auto meldet uns, dass die Buchung funktioniert hat und dass wir bald dran sind.

Dann passiert: nichts. An der Station ist unser Wunsch offenbar nicht angekommen. Ein freundlicher Nio-Mitarbeiter bittet uns, den Buchungsvorgang zu wiederholen. Es gebe aber auch die Möglichkeit, den Tauschvorgang manuell zu starten. Nicht nötig, beim zweiten Mal klappt es. Aktuell ist an den Tauschstationen immer ein Nio-Mitarbeiter vor Ort. Perspektivisch soll aber alles vollautomatisch und ohne Personaleinsatz funktionieren.

Alles automatisch

Für den eigentlichen Tauschvorgang braucht es dann auch keine Hilfe mehr. Das Fahrzeug sagt einem, was zu tun ist. Wir positionieren uns in einer gekennzeichneten Fläche vor der Station und übergeben dann an das Auto. Das steuert selbsttätig rückwärts in die Station hinein, weist uns darauf hin, dass wir bitte die Türen nicht öffnen und weder bremsen noch Gas geben sollen – und schaltet sich ab.

Es dauert einen Moment, dann surrt es. Das Auto wird angehoben, es surrt wieder, dann ein Knacken, das Fahrzeug wird wieder abgesetzt. Jetzt ist die Batterie ausgebaut. Dazu hat das System automatisch die Schrauben gelöst, mit der die Batterie fixiert ist, den Stromspeicher nach unten herausgenommen, und zur Seite transportiert. Wie auf einem Fließband schiebt es die geladene Batterie nach. Das gleiche nochmal: Es surrt, das Auto wird angehoben, es surrt, knackt, das Auto wird abgesetzt.

Deutlich schneller als an der Ladesäule

Jetzt müssen wir noch warten, bis das Auto die neue Batterie gecheckt hat und wieder automatisch hochfährt. Die Ampel wird grün und wir müssen wieder selbst ran. Aus der Station raus fährt der Nio nicht automatisch. Knapp sieben Minuten hat das Ganze gedauert – inklusive Ein- und Ausfahren. Zum Vergleich: Lädt man den ET7 am Schnellader, dauert es beim 100-kWh-Akku 40 Minuten, um in von 10 auf 80 Prozent zu füllen. Bei der 75-kWh-Version ist eine halbe Stunde warten angesagt.

Der frische Akku aus der Power-Swap-Station ist zu 90 Prozent geladen. 100 Prozent würden den Akku zu sehr belasten – beim Laden, aber vor allem während der Lagerzeit. Innerhalb einer Stunde soll eine in der Station ausgebaute Batterie wieder einsatzfähig sein.

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