Bahntechnik Weltrekord: Wasserstoffzug fährt mit einer Tankfüllung 2.803 Kilometer

Von Richard Oed * 2 min Lesedauer

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Im Vergleich zu batteriebetriebenen Zügen besitzen Triebzüge mit Wasserstoffantrieb den Vorteil der größeren Reichweite. Stadler schickte seinen Flirt-H2 im Ende März auf Weltrekordfahrt.

Auf Weltrekordfahrt: Auf dem Testring in Pueblo, Colorado fuhr der von Stadler für die SBCTA gebaute Flirt-H2die bisher längste mit einer Tankfüllung gefahrene Distanz. (Bild:  Stadler)
Auf Weltrekordfahrt: Auf dem Testring in Pueblo, Colorado fuhr der von Stadler für die SBCTA gebaute Flirt-H2die bisher längste mit einer Tankfüllung gefahrene Distanz.
(Bild: Stadler)

Unter den aufmerksamen Augen des Guinness-Weltrekord-Teams hat der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler am Abend des 20. März 2024 seinen Flirt-H2-Wasserstoffzug auf Weltrekordreise geschickt. 46 Stunden später, um 17:23 Uhr (MST) des 22. März, beendete der Zug seine Reise nach 2.803 Kilometern. Damit war Zug und Firma ein Eintrag in der Datenbank der Guinness-Rekorde für die längste Strecke, die ein wasserstoffbetriebener Personenzug ohne Nachtanken oder Aufladung zurückgelegt hat, sicher. Die Weltrekordfahrt fand auf dem Testring des Transportation Technology Centers (TTC) von ENSCO in Pueblo, Colorado, statt. Auf diesem Ring hatte das Fahrzeug auch seine Typprüfung absolviert.

Eigenständiges Power-Pack

Stadler stellte den Flirt-H2 erstmals auf der InnoTrans 2022 in Berlin der Öffentlichkeit vor. Gebaut wurde der Zug im Auftrag der San Bernardino County Transportation Authority (SBCTA) aus Kalifornien, die schon Flirt-Dieseltriebzüge auf ihrem Redlands-Schienenkorridor im Einsatz hat. Der Wasserstoffzug mit der Achsfolge Bo´2´2´Bo´ besteht aus zwei elektrisch angetriebenen Endwagen mit einem separaten mittig angeordneten Power-Pack mit H2-Brennstoffzellen, Tank und Kühlung. Durch das eigenständige Power-Pack ist der Wasserstoffbereich vollständig von den Fahrgasträumen getrennt. Zwei auf den Dächern der Endwagen montierte Batterien speichern die von den Brennstoffzellen erzeugte Energie und versorgen so den Antrieb des Fahrzeugs. Ebenfalls möglich ist die Speicherung der Bremsenergie. Die maximale Leistung der Flirt-H2 liegt bei 700 kW. Der 51,5 m lange Triebzug mit 108 Sitzplätzen entwickelt dabei eine Zugkraft von 160 kN und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und für einen Betrieb bei Außentemperaturen von bis zu 49 °C ausgelegt. Das Konzept ermöglicht einen ganztägigen Einsatz ohne Nachtanken.

Durch den Einsatz eines PowerPacks beim Flirt-H2 kann die Wasserstofftechnik einfach von den Fahrgasträumen getrennt werden.(Bild:  Richard Oed)
Durch den Einsatz eines PowerPacks beim Flirt-H2 kann die Wasserstofftechnik einfach von den Fahrgasträumen getrennt werden.
(Bild: Richard Oed)

Ziel der Weltrekordfahrt war es auch, die Zuverlässigkeit und die Leistungsfähigkeit des Triebzugs unter Beweis zu stellen. Dr. Ansgar Brockmeyer, EVP of Marketing und Sales bei Stadler, freut sich daher: „Dieser Weltrekord bestätigt den idealen Einsatzbereich unserer Wasserstoffantriebslösung des meistverkauften elektrisch betriebenen Triebzugs, des FLIRT-H2.“ Das ist schon der zweite Guinness-Rekord für den Schweizer Hersteller: Bereits im Dezember 2021 stellte der Flirt Akku in Deutschland mit 224 km den Weltrekord für die längste Fahrt mit einem Batteriezug im reinen Batteriebetrieb auf.

Weitere Fahrzeuge bestellt

Neben dem Triebzug für die SBCTA orderte die Caltrans, die Verkehrsbehörde des Bundesstaates Kalifornien, 2023 vier Flirt-H2 und löste 2024 eine Option über zusätzliche sechs Fahrzeuge ein. Diese Züge werden eine höhere Fahrgastkapazität aufweisen, als diejenigen der SBCTA und aus vier Wagen und einem PowerPack im mittleren Segment bestehen.

In Europa haben die italienischen Bahnbetreiber Ferrovie della Calabria (FdC) und Azienda Regionale Sarda Trasporti (ARST) bereits im Juli 2023 fünfzehn Schmalspurtriebwagen bestellt, die mit Mitteln aus dem National Recovery and Resilience Plan (PNRR) der Europäischen Union finanziert werden. (se)

* Richard Oed ist freier Mitarbeiter der ELEKTRONIKPRAXIS.

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