Bahntechnik Thüringen: Akkunetz ersetzt Dieselnetze

Von Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed 3 min Lesedauer

Aus dem „Dieselnetz Nordthüringen“ wird zusammen mit den Strecken des „Dieselnetzes Südthüringen“ und der Regionalbahnlinie Erfurt–Arnstadt–Saalfeld das mit batterieelektrischen Triebzügen betriebene Mittelthüringer Akku-Netz. Im Dezember 2028 gehen 19 neue Stadler FLIRT Akku an den Start.

Die neuen batterielektrischen Triebzüge sollen ab Dezember 2028 die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge ersetzen. (Bild:  Stadler)
Die neuen batterielektrischen Triebzüge sollen ab Dezember 2028 die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge ersetzen.
(Bild: Stadler)

Um die Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich zu senken, setzt der Freistaat Thüringen in Zukunft unter anderem auf batterieelektrische Triebzüge ( Battery Electric Multiple Units, BEMUs). Weil der aktuelle Verkehrsdurchführungsvertrag für das „Dieselnetz Nordthüringen“ mit DB Regio im Dezember 2025 ausläuft, schrieb das Land Thüringen als alleiniger Aufgabenträger im April 2024 den Betrieb für das neu geschaffene „Mittelthüringer Akku-Netz“ (MAN) europaweit aus. Das neu konzipierte Netz besteht aus dem ursprünglichen Dieselnetz Nordthüringen, den Strecken des Dieselnetzes Südthüringen und der Regionalbahnlinie (RB) zwischen Erfurt und Saalfeld über Arnstadt. Ziel ist es, den Anteil an Dieseltriebfahrzeugen im Thüringer Schienenpersonennahverkehr bis 2035 auf unter fünf Prozent zu senken.

Als Gewinner der Ausschreibung ging im Februar 2025 wiederum DB Regio hervor, die auch den Interimsbetrieb zwischen Ende 2025 und Ende 2028 durchführt. Der neue Vertrag läuft ab Dezember 2028 über 15 Jahre bis Dezember 2043 und umfasst ein jährliches Volumen von circa 3,6 Millionen Fahrplankilometern. Zudem sieht der Vertrag höhere Mindestsitzplatzkapazitäten vor. Hier reagiert der Freistaat Thüringen nach eigenen Angaben auf die positive Entwicklung der Fahrgastnachfrage, die vor allem das Deutschlandticket bewirkte. „Mit dem erstmaligen Einsatz von batterieelektrischen Fahrzeugen werden auf einen Schlag 13 Prozent des Thüringer Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) dekarbonisiert,“ betonte der thüringische Infrastrukturminister Steffen Schütz. „Das ist ein Meilenstein auf unserem Weg, die bisher in großer Zahl eingesetzten Dieseltriebwagen sukzessive zu ersetzen und den SPNV noch klimafreundlicher zu machen“, so Schütz weiter. Und Christine Singer, Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio Südost, ergänzt: „Der Gewinn der Vergabe ist für uns ein wichtiger Meilenstein, und gemeinsam mit unseren Partnern im öffentlichen Nahverkehr leisten wir einen aktiven Beitrag zur Mobilitätswende.“

Mehr und schnellere Züge

Das Mittelthüringer Akku-Netz umfasst die Linien von Erfurt nach Ilmenau, Saalfeld, Nordhausen und über Döllstädt nach Heilbad Heiligenstadt sowie die Strecken Fröttstädt – Friedrichroda und Gotha – Bad Langensalza. Auf den Linien Erfurt – Ilmenau und Erfurt – Saalfeld werden die Züge weiterhin im Bahnhof Arnstadt geflügelt. Außerdem sieht der neue Verkehrsvertrag eine Ausweitung des Fahrplanangebots durch ergänzende Fahrten frühmorgens oder spätabends vor. Durch neue Fahrplankonzepte und Infrastrukturmaßnahmen sind zudem Fahrzeitverkürzungen möglich, so beispielsweise zwischen Erfurt und Ilmenau sowie Erfurt und Nordhausen. Geplant ist auch der Einsatz von Sicherheitspersonal zusätzlich zum Zugbegleitpersonal, um dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis der Fahrgäste Rechnung zu tragen.

Aus den bisherigen Dieselnetzen Nordthüringen und Südthüringen und der RB-Linie Erfurt-Arnstadt-Saalfeld entsteht das neue Mittelthüringer Akku-Netz.(Bild:  TLBV)
Aus den bisherigen Dieselnetzen Nordthüringen und Südthüringen und der RB-Linie Erfurt-Arnstadt-Saalfeld entsteht das neue Mittelthüringer Akku-Netz.
(Bild: TLBV)

Für den Betrieb des MAN bestellte DB Regio am 17. April 2025 beim schweizerischen Schienenfahrzeughersteller Stadler 19 zweiteilige batterieelektrische Triebzüge des Typs FLIRT Akku. FLIRT steht für „Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug“. Diese können oberleitungslose Streckenabschnitte mit bis zu 80 Kilometer Länge mittels Batteriebetrieb überbrücken. Die Akkus werden bei Fahrten unter Oberleitung, beim Bremsen oder auch über Ladestationen nachgeladen. Dazu ist es nötig, im Mittelthüringer Akku-Netz die vorhandenen Oberleitungen in Fröttstädt, Gotha und Saalfeld teilweise zu ergänzen. Zudem entstehen in Ilmenau und Langensalza stationäre Nachladeinfrastrukturen. Diese Maßnahmen sind derzeit zusammen mit DB InfraGO als Infrastrukturbetreiber in Vorbereitung.

Viel Platz im Zug

Die neuen Triebzüge besitzen 148 Sitzplätze und 12 Anlehnhilfen und bieten so mehr Fahrgästen Platz als das bisher eingesetzte Zugmaterial. Zudem verfügen sie über klappsitzfreie Bereiche für Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen. Für einen schnellen Fahrgastwechsel sorgen barrierefreie Einstiege, und die Sitzabstände sind laut Minister Schütz großzügig bemessen. Dazu kommt eine Ausrüstung mit WLAN und Videoüberwachung. Eine großflächige elektronische Fahrgastinformation hält die Reisenden über den Fahrtverlauf und eventuelle Störungen auf dem Laufenden.

Erstmals gab der Freistaat Thüringen mit der Vergabe des MAN ein Innen- und Außendesign für die Fahrzeuge vor, das nach und nach auch auf die anderen Vergabenetze ausgeweitet wird. Damit soll das Mobilitätsangebot des Freistaats für die Fahrgäste besser erkennbar werden.

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Mit dem neuen Mittelthüringer Akku-Netz setzt in Deutschland nunmehr die vierte Region auf Akku-Triebzüge von Stadler. Das Netz in Schleswig-Holstein ging bereits Ende 2024 mit 55 Fahrzeugen in den Vollbetrieb, das Pfalznetz soll mit 44 Fahrzeugen Ende 2025 folgen und für das Netz Warnow II in Mecklenburg-Vorpommern sind ebenfalls 19 Triebzüge bestellt. (se)

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