BahntechnikDas Bahnnetz Bayerwald fährt zukünftig mit Akku
Von
Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed
4 min Lesedauer
Bis 2040 will Bayern seinen Schienenpersonenverkehr klimafreundlich machen. Dazu unterzeichneten der Freistaat und die Deutsche Bahn einen Planungsvertrag über den Aufbau der Ladeinfrastruktur für das „Akkunetz Bayerwald“.
Unterzeichneten am 28. März 2025 den Planungsvertrag für das Akkunetz Bayerwald: Heiko Büttner, Konzernbevollmächtigter der DB für Bayern (links), und Christian Bernreiter, Bayerischer Staatsminister für wohnen, Bau und Verkehr (rechts).
(Bild: Richard Oed)
Der Freistaat Bayern will bis 2040 nur noch lokal emissionsfreie Triebfahrzeuge einsetzen. Das ist eine große Aufgabe, weil von den rund 6700 Kilometern Bahnstrecke in Bayern lediglich gut 50 Prozent elektrifiziert sind. Insgesamt betreibt der Freistaat 92 dieselbetriebene Linien im Schienenpersonennahverkehr. Um diesem Ziel näher zu kommen, unterschrieben Christian Bernreiter, bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, und Heiko Büttner, DB-Konzernbevollmächtigter für den Freistaat Bayern, am 28. März 2025 in Bayerisch Eisenstein den Planungsvertrag für das Akkunetz Bayerwald, das den Einsatz von batterieelektrischen Triebzügen (BEMU) vorsieht. Der Vertrag regelt dabei die Planung von Lademöglichkeiten für Strecken von DB InfraGo, dem Infrastrukturbetreiber der Deutschen Bahn. Das sind die Linien Plattling – Zwiesel – Bayerisch Eisenstein (RB 35 / 71,6 Kilometer Länge), Zwiesel – Grafenau (RB 36 / 31,5 km) und Zwiesel – Bodenmais (RB 37 / 14,6 km). Ziel ist es, die Genehmigungsplanung für das Akkunetz Bayerwald bis 2031 abzuschließen.
Grundlage für die Entscheidung zugunsten von Akkuzügen ist ein Gutachten, das die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Aufgabenträger beim Kompetenzzentrum Hochleistungsbahnen der Technischen Universität Dresden für die Strecken im Bayerischen Wald in Auftrag gegeben hatte. In der Ende 2023 vorgelegten Studie kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass auf diesem Netz der Einsatz von Akkutriebzügen am sinnvollsten sei, da diese kostengünstiger seien als Wasserstofftriebzüge (HEMU) mit ihrer zusätzlichen Infrastruktur. Zudem sei der Aufwand beim Aufbau einer lokalen Ladeinfrastruktur geringer als bei einer Vollelektrifizierung.
Diese Strecken wird das Akkunetz Bayerwald ab 2034 umfassen. Der Planungsvertrag für die Länderbahn-Strecke Gotteszell – Viechtach wurde bereits im November 2024 unterschrieben.
(Bild: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr)
Dazu sind aber verschiedene Infrastrukturmaßnahmen notwendig, weil bisher nur der Bahnhof Plattling als Ausgangspunkt der Strecke nach Bayerisch Eisenstein über eine Oberleitung zum Nachladen der Triebzüge verfügt. Für eine vollständige Umstellung müssen jedoch weitere Lademöglichkeiten geschaffen werden, da die Reichweite der derzeit verfügbaren BEMUs nur zwischen 80 und 120 km beträgt. Bayern plant, die aktuell eingesetzten Dieseltriebwagen vom Typ RegioShuttle (RS) 1 zum Fahrplanwechsel im Dezember 2034 durch fabrikneue Akkutriebzüge zu ersetzen, weil zu diesem Zeitpunkt die Verträge mit dem jetzigen Betreiber des Netzes Bayerwald, der Länderbahn (DLB), auslaufen.
Bayern geht in Vorleistung
Um sicherzustellen, dass das Akkunetz Bayerwald bis dahin einsatzbereit ist, beginnt der Freistaat bereits jetzt mit der Planung: „Wir gehen finanziell in Vorleistung, damit alle Strecken des Netzes Bayerwald auf Akkuzüge umgestellt werden können“, so Staatsminister Christian Bernreiter. „Mit der Vertragsunterzeichnung kommen wir unserem Ziel, bis 2040 bayernweit nur noch emissionsfreie Fahrzeuge einzusetzen, deutlich näher.“ Und Heiko Büttner von der DB ergänzt: „Emissionsfreie Hybrid-Akku-Züge und die passende Schieneninfrastruktur mit Ladestationen und Oberleitungsinseln sorgen im ländlichen Raum dafür, dass Nahverkehr auf der Schiene noch zuverlässiger, umweltfreundlicher und attraktiver wird.“
Viel regionale und überregionale Politprominenz sowie Vertreter der Deutschen Bahn und des Bayernwerks haben sich zur Vertragsunterzeichnung in Bayerisch Eisenstein eingefunden.
(Bild: Richard Oed)
Für die im Besitz der Länderbahn befindliche, 25 Kilometer lange Strecke Gotteszell – Viechtach (RB 38) schloss Bayern bereits am 8. November 2024 einen Vertrag über eine Ladestation in Viechtach. Dort wird der Bahnhof mit einer Oberleitung überspannt, die aus dem Landesnetz gespeist wird. Von den dortigen Planungskosten in Höhe von 660.000 Euro übernimmt der Freistaat 90 Prozent, die DLB 10 Prozent. Bis Ende 2026 soll diese Planung abgeschlossen sein. Insgesamt investiert der Freistaat Bayern rund fünf Millionen Euro aus eigenen Mitteln in die Planungen für das Akkunetz. Für sämtliche Infrastrukturausbauten strebt der Freistaat eine Bundesförderung gemäß Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFK) an. Je nach Ausgang der Koalitionsverhandlungen in Berlin werden die Maßnahmen zur Elektrifizierung eventuell auch aus dem Klimatransformationsfonds bezahlt.
Oberleitungsinseln und Teilstrecken-Elektrifizierung
Der jetzt geschlossene Vertrag sieht auf der RB 35 die Elektrifizierung des fünf Kilometer langen Abschnitts zwischen Bettmannsäge und Zwiesel vor, einschließlich der Bahnhofsgleise in Zwiesel. Auf diesem Streckenabschnitt kann dann während der Fahrt und während des Aufenthalts in Zwiesel nachgeladen werden. Ebenfalls vorgesehen ist auf dieser Strecke die Elektrifizierung des Grenzbahnhofs Bayerisch Eisenstein durch die Tschechische Republik. Das geschieht im Zuge der auf tschechischer Seite geplanten Elektrifizierung des Abschnitts von Klatovy bis Bayerisch Eisenstein mit 25 kV / 50 Hz, deren Fertigstellung bis 2027 beabsichtigt ist. In Abstimmung mit den Aufgabenträgern in der Tschechischen Republik wird zudem geprüft, ob in Zukunft auch umsteigefreie Verbindungen von Plattling bis Klatovy und eventuell weiter nach Prag angeboten werden können. Derzeit müssen Reisende noch in Bayerisch Eisenstein die Züge wechseln.
Stand: 08.12.2025
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Auf der RB 36 ist zusammen mit DB Energie der Bau einer aus dem Landesnetz gespeisten Ladestation am Endpunkt in Grafenau geplant. Die RB 37 ist kurz genug, um mit einer Batterieladung von Zwiesel nach Grafenau und wieder zurückzufahren. Der Aufbau der gesamten Bahnstromversorgung erfolgt in enger Abstimmung mit der Bayernwerk AG als regionalem Stromversorger, aus dessen Energieversorgungsnetz sie gespeist wird.
Neue Züge werden beschafft
Die Ausschreibung für die Akkuzüge wird zurzeit vorbereitet, um rechtzeitig zur Umstellung im Dezember 2034 auch die benötigten Fahrzeuge zur Verfügung zu haben. Neben der Elektrifizierung und der Beschaffung der Züge sieht das Gutachten der TU Dresden einen Handlungsbedarf bei der Anhebung der Streckenklasse, also dem Maximalgewicht der Fahrzeuge, das die Strecke verträgt. Aktuelle Neubaufahrzeuge sind unabhängig von der Antriebstechnik deutlich schwerer als die bisher eingesetzten RS 1. Sie empfehlen eine Anhebung von der Streckenklasse „A“ (Radsatzlast maximal 16 Tonnen) auf die Streckenklasse „C2“ (Radsatzlast maximal 20 Tonnen), wie sie ebenfalls für die drei neu zu errichtenden Brücken vorgesehen ist.
Ab Dezember 2034 sollen statt der jetzt eingesetzten Dieseltriebzüge des Typs RS 1 neue Akkutriebzüge auf der Waldbahn fahren. Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein wird bis dann elektrifiziert sein.
(Bild: Richard Oed)
Dass neben der Dekarbonisierung des Bahnverkehrs der Aufbau des Akkunetzes für die Region auch anderweitig wichtig ist, betonten weitere Redner während der Vertragsunterzeichnung. So liegt dem Landrat des Landkreises Regen, Ronny Raith, die gute Beziehung zum Nachbarland Tschechien und deren Ausbau am Herzen: „Wie funktioniert Beziehung? Beziehung funktioniert durch Kontakte. Beziehung funktioniert durch Begegnung. Und je leichter man zusammenkommt, und da ist die Bahn eine Brücke, umso leichter ist es für alle Protagonisten, auch zusammenzuwachsen.“ Zudem betonte er, wie zuvor ebenfalls der Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein, Michael Herzog, die Bedeutung der Waldbahn für den örtlichen Tourismus. Beide sprachen daher von einem „Tag der Freude“ für die Region. (se)