Bahntechnik Das Pfalznetz fährt ab 2025 batterieelektrisch

Von Richard Oed * 4 min Lesedauer

Um den Schienen-Regionalverkehr im südwestdeutschen Pfalznetz klimafreundlicher zu betreiben, kommen ab Dezember 2025 batterieelektrische Züge vom Typ FLIRT Akku zum Einsatz. Auf der InnoTrans 2024 stellte Stadler den ersten Zug vor.

2025 gehen die batterieelektrischen FLIRT Akku von Stadler im Pfalznetz in Betrieb. (Bild:  Richard Oed)
2025 gehen die batterieelektrischen FLIRT Akku von Stadler im Pfalznetz in Betrieb.
(Bild: Richard Oed)

Ende 2021 hat der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd die Deutsche Bahn (DB) mit der Beschaffung von 44 zweiteiligen batterieelektrischen Triebzügen vom Typ FLIRT Akku bei Stadler beauftragt. Auf der diesjährigen InnoTrans in Berlin präsentierte der Hersteller nun einen ersten Zug, im fahrplanmäßigen Betrieb werden sie ab Dezember 2025 von DB Regio eingesetzt. Sie sind speziell an die Anforderungen des Pfalznetzes angepasst und sollen schrittweise die bisher verwendeten Dieseltriebzüge mit dem Ziel ersetzen, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Rheinland-Pfalz klimafreundlich und CO₂-neutral zu betreiben. Dort sind bislang nur 46 Prozent der Strecken elektrifiziert und die Beschaffung von Akkutriebzügen ist kostengünstiger und auch schneller als die Umrüstung der übrigen Strecken. Als federführender Auftraggeber fungiert der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd, die weiteren Aufgabenträger sind die Länder Baden-Württemberg und das Saarland, das zwei der Züge erproben will.

Der FLIRT (Flinker, Leichter, Innovativer Regional-Triebzug) Akku fährt auf nicht elektrifizierten Strecken mit Batterie. Auf elektrifizierten Strecken bezieht er seine Energie wie ein klassischer elektrischer Triebwagen aus der Oberleitung, die auch zum Nachladen der Batterie während der Fahrt verwendet wird. Zusätzlich speist das Fahrzeug die beim Bremsen erzeugte Energie in seine Lithium-Ionen-Akkus zurück. Zudem werden im das Pfalznetz an den Endpunkten Oberleitungsinseln zum Laden aufgebaut. Die Reichweite im Batteriebetrieb beträgt mindestens 80 Kilometer, eine Betriebsreserve ist vorhanden. So stellte ein Prototyp des von Stadler in Berlin entwickelten und gebauten FLIRT Akku anlässlich einer Probefahrt bei Minusgraden und Schnee einen Weltrekord von 224 Kilometern auf. Die längste Strecke, die der FLIRT Akku in der Pfalz im reinen Batteriebetrieb befahren soll, ist circa 50 Kilometer lang.

Geräumig und hell ist der Innenraum des FLIRT Akku für das Pfalznetz.(Bild:  Richard Oed)
Geräumig und hell ist der Innenraum des FLIRT Akku für das Pfalznetz.
(Bild: Richard Oed)

Bei den Fahrzeugen für das Pfalznetz handelt es sich bereits um die zweite Fahrzeugflotte dieses Typs in Deutschland. Die erste, 55 Triebzüge umfassende und vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH) bestellte Flotte ging Ende 2023 in den Regelbetrieb. Weitere 14 Züge werden ab 2026 in Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz kommen.

Akkufahrzeuge sind Kompromiss

Für Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz ist die Einführung der neuen Triebzüge ein Mittelweg, „wo gezeigt werden kann, dass ein vollständiger Bereich wie das Pfalznetz elektrifiziert werden kann, ohne die vollen Kosten und die volle Zeitdauer zu benötigen, die eine volle Elektrifizierung eben braucht,“ so ihre Aussage während der Vorstellung des Fahrzeugs auf der InnoTrans.

Zudem ist die Lösung in der Pfalz laut Fritz Brechtel vom Zweckverband nach oben kompatibel. So könnten bei Verfügbarkeit weiterer Geldmittel vom Bund zusätzliche Strecken elektrifiziert werden und dann gegebenenfalls die Batterien aus den Fahrzeugen ausgebaut und anderweitig, beispielsweise für stationäre Stromspeicher, verwendet werden. Jure Mikolčić, CEO der Stadler Division Deutschland, betonte dabei, dass nicht nur die Batteriezellen wiederverwendbar sind, sondern auch der gesamte Triebzug zu 90 Prozent recycelbar sind.

Fahrzeuge gehen erprobt in den Plandienst

Für den Betrieb ergeben sich durch den Einsatz des FLIRT Akku einige Besonderheiten. So sagte Harmen van Zijderveld, Vorstand von DB Regio, dass das Werkstattpersonal und die Triebfahrzeugführer entsprechend geschult werden müssen. Zudem sei die Umlaufplanung an die Reichweite der Triebzüge anzupassen. Dazu wurden Simulationen durchgeführt, die zu Veränderungen geführt hätten. Wirklich wichtig sei aber, „dass wir das, was gegebenenfalls noch nachzuarbeiten ist, nicht am Kunden erproben, sondern schon vorher erledigen,“ so van Zijderveld weiter.

Neben jeder Einstiegstür befindet sich ein Mehrzweckbereich, der barrierefrei zu erreichen ist.(Bild:  Milos Djuric | Stadler)
Neben jeder Einstiegstür befindet sich ein Mehrzweckbereich, der barrierefrei zu erreichen ist.
(Bild: Milos Djuric | Stadler)

Die 1320 kW starken und 140 km/h schnellen Fahrzeuge für das Pfalznetz bieten 172 Sitz- und 153 Stehplätze und verfügen über extra lange Wagenkästen, womit die Fahrzeuglänge 55,5 Meter beträgt. Zum Vergleich: Die ebenfalls zweiteiligen FLIRT Akku für NAH.SH sind mit 45,7 Metern fast 10 Meter kürzer und haben nur Platz für 216 Fahrgäste. Jede Fahrzeugseite besitzt für einen raschen Fahrgastwechsel drei Einstiegstüren mit Spaltüberbrückung, die Einstiegshöhe beträgt 600 mm, was einen stufenlosen Zugang zum Niederflurbereich des Triebzugs ermöglicht. Im Hochflurbereich beläuft sich die Fußbodenhöhe auf 1145 mm.

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Erstmals verfügen die Triebzüge über einen Loungebereich an einem der Fahrzeugenden.(Bild:  Milos Djuric | Stadler)
Erstmals verfügen die Triebzüge über einen Loungebereich an einem der Fahrzeugenden.
(Bild: Milos Djuric | Stadler)

Das Universal-WC entspricht der technischen Spezifikation über die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung und Menschen mit eingeschränkter Mobilität (TSI PRM). Die Fahrzeuge besitzen eine Klimaanlage, sind mit WLAN ausgestattet und bieten in jedem Einstiegsbereich Multifunktionsabteile. Zusätzlich gibt es im vorderen, angetriebenen Zugteil einen besonderen Loungebereich. Das gegenüber den herkömmlichen Dieselfahrzeugen bessere Beschleunigungsvermögen des batterieelektrischen Triebzugs (Battery Electric Multiple Unit / BEMU) trägt zu einer erhöhten Stabilität des Fahrplans bei. Aufgrund des wegfallenden Lärms des Dieselmotors ist der Innenraum für die Fahrgäste ruhiger, was zu einem verbesserten Reisekomfort beiträgt.  (se)

* Richard Oed ist als freier Mitarbeiter für Next Mobility und ELEKTRONIKPRAXIS tätig.

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