Bahntechnik DB Cargo präsentiert neue Lokgeneration für den Güterverkehr

Von Richard Oed * 4 min Lesedauer

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Mit den jetzt übergebenen ersten Lokomotiven der Baureihe 249 will die Güterverkehrsparte der Deutschen Bahn Fahrten von Diesellokomotiven unter Fahrdraht reduzieren und so umweltfreundlicher werden.

Die neue Zweikraftlok „Vectron Dual Mode light“ kann einfach zwischen elektrischem und Dieselbetrieb wechseln und spart dadurch Kraftstoff. (Bild:  Deutsche Bahn AG | Oliver Lang)
Die neue Zweikraftlok „Vectron Dual Mode light“ kann einfach zwischen elektrischem und Dieselbetrieb wechseln und spart dadurch Kraftstoff.
(Bild: Deutsche Bahn AG | Oliver Lang)

Eine neue Lokgeneration der DB Cargo feierte am 15. März 2024 im Rangierbahnhof Halle (Saale) ihre Premiere. Die von Siemens Mobility entwickelte und gefertigte Zweikraftlok des Typs „Vectron Dual Mode light“ soll die Flotte von DB Cargo unter der Baureihenbezeichnung 249 in Zukunft effizienter, leistungsfähiger und umweltfreundlicher machen. Die neuen Loks können sowohl als elektrische Lokomotive als auch als Diesellok eingesetzt werden. Somit sind sie gleichermaßen auf elektrifizierten und auf nicht elektrifizierten Strecken und Gleisanschlüssen verwendbar. Der Wechsel zwischen dem E-Betrieb und dem Dieselbetrieb ist einfach und kann selbst während der Fahrt erfolgen. Damit entfallen das bisherige zeit- und personalintensive Umspannen von Lokomotiven an den Systemschnittstellen beziehungsweise Fahrten von reinen Dieselloks unter Fahrdraht.

Der „Vectron Dual Mode light“ baut auf dem bereits 2018 vorgestellten „Vectron Dual Mode“ (Baureihe 248) von Siemens Mobility auf und ist speziell für die Einsatzanforderungen von DB Cargo optimiert. Dabei ist er mit einem Gesamtgewicht von 84 Tonnen mehrere Tonnen leichter, noch effizienter im Betrieb und kann durch seine Achslast von 21 Tonnen auch auf Nebenstrecken und Gleisanschlüssen mit geringerer Traglast eingesetzt werden. Dies nutzt vor allem dem Einzelwagenverkehr, der so schneller und effektiver abgewickelt werden kann.

Der Güternahverkehr wird umweltfreundlicher

„Diese neue Lokgeneration ist wichtig für die DB Cargo. Viele Kundinnen und Kunden werden davon profitieren und – für uns alle wichtig – die Umwelt ist die große Gewinnerin,“ betont Sigrid Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn und Vorstandsvorsitzende DB Cargo. Denn wird diese Lok mit grünem Strom und HVO (Hydrotreated Vegetable Oil / hydriertes Pflanzenöl) betrieben, kann DB Cargo seinen Kunden eine nahezu CO2-freie Lieferkette bieten, so Nikutta weiter. Und Michael Peter, CEO Siemens Mobility, ergänzt: „Auch dank vieler digitaler Technologien und Vorrüstungen an Bord, wie dem Rangieren per Fernsteuerung oder dem modernen ETCS-Zugsicherungssystem, ist unsere Lokomotive perfekt für die Zukunft im Einsatz bei DB Cargo gerüstet.“

Freuen sich über die ersten Zweikraftlokomotiven der neuen Generation: Michael Peter, CEO Siemens Mobility und Sigrid Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn und Vorstandsvorsitzende DB Cargo.(Bild:  Deutsche Bahn AG | Oliver Lang)
Freuen sich über die ersten Zweikraftlokomotiven der neuen Generation: Michael Peter, CEO Siemens Mobility und Sigrid Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn und Vorstandsvorsitzende DB Cargo.
(Bild: Deutsche Bahn AG | Oliver Lang)

Gedacht sind die neuen Loks für den leichten Güterzugdienst über längere Distanzen, für den Übergabeverkehr und für Zugbildungsaufgaben wie der Abholung von Güterwagen von den meist nicht elektrifizierten Werksanschlüssen der Industriekunden und den damit verbundenen Rangierbewegungen.

Speziell für Einzelwagenverkehr ausgerüstet

Dafür verfügt die Baureihe über eine automatische Rangierkupplung vom Typ RK 900, Rangiertritte mit Geländern über den Puffern, Aufstiege mit breiter Standfläche und Haltestangen für das Rangierpersonal. Ebenso ist die Lok mit einer Funkfernsteuerung ausgerüstet. Für die Sicherheit beim Rangieren sorgen unter anderem pro Lokfront zwei Kameras zur Überwachung des Berner Raums. Dieser bezeichnet den zum Kuppeln notwendigen Arbeitsraum des Rangierers zwischen den Puffern. Ebenfalls vorhanden sind auch extra Halter für Hemmschuhe, die zum Sichern von Wagen gegen das Wegrollen benutzt werden.

Nicht geplant ist die Lok als Ersatz für im schweren Rangierdienst eingesetzte Lokomotiven. Hierfür hat die DB eigene Fahrzeuge bestellt, die in den nächsten Jahren zur Auslieferung kommen.

Der beim „Vectron Dual Mode light“ verwendete 12-Zylinder-Dieselmotor von Cummings vom Typ QST30-L leistet an der Kurbelwelle 950 kW (maximal 1.119 kW) bei 1900 U/min und entspricht der Abgasnorm Stufe IIIA. Um Gewicht zu sparen und die Lok nicht schwerer als 84 Tonnen werden zu lassen, fasst der Tank 1.500 Liter Kraftstoff, 1.000 Liter weniger als bei der Standardausführung des „Vectron Dual Mode“ (VDM). Dies dürfte aufgrund der niedrigeren Leistung und des geplanten Einsatzschemas ausreichend sein.

Gekuppelt mit dem Dieselmotor ist ein Generator von Hitziger Electric Power aus Österreich für den Antrieb der vier Drehstrom-Traktionsmotoren. Im elektrischen Betrieb unter dem deutschen Spannungssystem 15 kV / 16,7 Hz stehen im Betrieb als E-Lok eine Leistung von 2.210 kW am Rad zur Verfügung, im Dieselmodus dauernd 750 kW und kurzzeitig 926 kW. Die Höchstgeschwindigkeit der 19.975 mm langen Lok beträgt 120 km/h, die maximale Anfahrzugkraft 300 kN. Eine elektrische Bremse ist für beide Betriebsmodi vorhanden.

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Ausgerüstet ist der Vectron Dual Mode mit der Zugsicherung PZB (punktförmige Zugbeeinflussung), ist aber für den Einsatz von ETCS (European Train Control System) vorbereitet. Doppeltraktion ist über den WTB (Wired Train Bus) ÖBB mit typgleichen Fahrzeugen möglich.

Die Serienlieferung beginnt

Zunächst hat die DB 150 Loks aus einem im Dezember 2020 abgeschlossenen Rahmenvertrag über insgesamt 400 Lokomotiven dieses Typs bei Siemens Mobility abgerufen. Diese werden nun nach und nach ausgeliefert und sollen ältere Dieselloks ersetzen, die am Ende ihrer Lebensdauer angekommen sind. Mit dem Einsatz der neuen Zweikraftloks spart DB Cargo laut eigener Aussage jährlich um die 12 Millionen Liter Kraftstoff und 25.000 Tonnen CO2 ein.

Eingesetzt werden die jetzt übergebenen ersten sechs Loks rund um den modernsten Rangierbahnhof Europas in Halle (Saale) in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Sachsen. Dort profitieren die DB-Cargo-Kunden der ostdeutschen Wirtschaft als erste von der neuen Fahrzeuggeneration.

Ziel von DB Cargo ist es, bis 2030 etwa 70 Prozent der Diesellokomotiven mit innovativen Antrieben auszustatten. (se)

* Richard Oed ist freier Mitarbeiter der ELEKTRONIKPRAXIS.

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