Mikromobilität Volle Lager, hohe Rabatte – Fahrradbranche müht sich nach Corona-Boom

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Nach der Sonderkonjunktur in der Pandemie sind in der Fahrradbranche wieder rauere Zeiten eingekehrt. Rund um die Messe „Eurobike“ setzen die Hersteller auf einen alten Hoffnungsträger.

Im Corona-Jahr 2020 erzielte die Fahrradbranche noch einen Absatzrekord.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Im Corona-Jahr 2020 erzielte die Fahrradbranche noch einen Absatzrekord.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Volle Lager statt schier endlosem Kundenandrang, Rabatte statt Preiserhöhungen: Nach dem Corona-Boom findet sich die Fahrradbranche auf dem Boden der Realität wieder.

Wenn sich Händler und Hersteller bei der Branchenmesse „Eurobike“ (21. bis 25. Juni) in Frankfurt treffen, haben viele zwar ein schönes Geldpolster im Rücken, doch die Lage ist durchwachsen. Vorteil für Kunden: Die Zeit für den Fahrradkauf ist so günstig wie lange nicht.

„Der Corona-Boom ist vorbei“

„Der Corona-Boom, in dem die Leute kaufen, was sie kriegen können, ist vorbei“, sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV). Zudem belastet die hohe Inflation die Verbraucher. Das Segment der einfachen klassischen Räder bis circa 700 Euro habe es schwer, sagt Stork. „Die Lager sind voll, und erste Hersteller spüren das beim Umsatz und bei den Aufträgen.“

Noch in der Pandemie hatte die Fahrradbranche goldene Zeiten erlebt. Damals konnten sie sich vor Kunden kaum retten, die den Solo-Sport Radeln entdeckt hatten und Busse oder Bahnen mieden. Doch die Produktion kam nicht hinterher – viele Kunden mussten wegen Lieferproblemen lange warten.

Manche bekamen ihr Modell erst, als die sommerliche Radsaison fast vorbei war – bei deutlich höheren Preisen. Im Corona-Jahr 2020 erzielte die Branche einen Absatzrekord, der Umsatz sprang laut Statistischem Bundesamt um rund ein Drittel hoch.

Also bestellten Händler noch mehr Ware. 2022 stieg die Produktion laut ZIV auf den Höchstwert von 2,6 Millionen Rädern. Doch ab Herbst drehte sich der Markt. Hersteller lieferten plötzlich große Mengen Räder. „Teilweise kamen Lieferungen für 2022 und 2023 auf einmal“, sagt Stork.

Kunden können mit ordentlichen Rabatten rechnen

Das Ergebnis sind Bestände und Vorbestellungen bei den Händlern, die weit über dem Bedarf für dieses Jahr liegen. Mit Nachlässen sollen die Räder nun aus den Lagern. Pech für die Branche: Der nasse Frühling ließ die Geschäfte nur schleppend anlaufen.

„10 bis 15 Prozent Rabatt sind möglich“, sagte ZIV-Geschäftsführer Stork. In der Pandemie seien die Produktionskosten hochgeschossen. Nun normalisierten sie sich, Lieferkettenprobleme hätten sich zu „95 Prozent“ eingependelt. Räder würden aber nicht verramscht, meint er.

Jüngste Zahlen des Vergleichsportals „Idealo“ für den „Spiegel“ zeigen deutliche Nachlässe. Demnach sind im Mai die Durchschnittspreise für Mountainbikes im Onlinehandel um 16 Prozent zum Vorjahresmonat gesunken. Rennräder verbilligten sich um 7 Prozent, während E-Bikes gegen den Trend um 15 Prozent teurer wurden.

„Zahlreiche Fahrradhändler wird dieser Preiskampf die Existenz kosten“

Die Rabatte helfen zwar den Händlern beim Umsatz, belasten aber die Margen. Nicht alle Branchenfirmen kommen gut durch die neue Zeit. Beim Versandhändler „Bike 24“ etwa standen zuletzt rote Zahlen.

„Wir stehen vor einer starken Konsolidierung und Professionalisierung im Fahrradmarkt“, glaubt Robert Peschke, Geschäftsführer von Little John Bikes mit Sitz in Dresden. Um an Geld zu kommen, würden viele Händler „panisch“ die Preise senken, sagte er jüngst der „Wirtschaftswoche“.

„Selbst für aktuelle Fahrradmodelle gibt es zum Teil ruinöse 20 Prozent Rabatt und mehr“, sagt Peschke. „Zahlreiche Fahrradhändler wird dieser Preiskampf am Ende die Existenz kosten.“

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