Die Klimabilanz im Straßenverkehr verbessen – das gelingt am besten mit Elektromobilität, so die allgemeine Überzeugung. Doch nachhaltige Mobilität bedeutet mehr, als nur Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen: ohne Kreislaufwirtschaft wird es keine Klimaneutralität geben. Daher müssen Strategien zur CO2-Reduktion über die Nutzungsphase des Fahrzeugs hinausgehen, wie Automobilzulieferer Valeo verdeutlicht.
Der franzöische Automobilzulieferer Valeo zeigte europäischen Pressevertretern seinen Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung in Czechowice. Die "Circular Innovation Factory" für Elektromotoren und das Hochspannungs-Proto-Labor öffneten dem Besuch ihre Pforten.
Der Materialbedarf in der Automobilindustrie steigt stetig an – die Ressourcen leider nicht. Valeo arbeitet daher seit 40 Jahren in der Wiederaufbereitung mechanischer Produkte wie Lichtmaschinen und Kupplungen für Pkw und schwere Nutzfahrzeuge. Derzeit bereitet der französische Automobilzulieferer eine Million Produkte im Jahr wieder auf. Diese Kapazität soll bis 2030 verdoppelt werden. Damit will das Unternehmen sein Portfolio erweitern, um auf den zunehmenden Einsatz von Elektronik im Fahrzeug zu reagieren, der insbesondere durch Elektrifizierung und Fahrzeugautomatisierung getrieben wird. So brachte Valeo zusammen mit Stellantis zum Beispiel im vergangenen Jahr eine wiederaufbereitete Frontkamera auf den Markt. Die Wiederaufbereitung von Produkten mit hohem Elektronikanteil, wie Displays und Scheinwerfer wird zunehmend im Mittelpunkt stehen.
Über das Auto hinaus: Mikromobilität
Das Thema Kreislaufwirtschaft betreibt Valeo über den Pkw hinaus – denn gerade im urbanen Umfeld gibt es keine einheitliche Lösung, sondern mehrere Mobilitätsmodelle. Daher bietet der Zulieferer auch Lösungen für Fahrräder, Motorroller, Lastenräder und elektrische Rikschas an. Auf Grundlage dessen haben Valeo und Smovengo eine Partnerschaft geschlossen. Smovengo ist Betreiber der Vélib' Métropole, einem öffentlichen Fahrrad-Sharing-System in Paris und 64 Gemeinden. Inhalt der Kooperation ist die Aufbereitung von Motoren und Batterien der 8.000 elektrischen Vélib'-Fahrräder.
Valeo demonstriert Nachhaltigkeitsstrategie am Standort Czechowice
Für die Partnerschaft mit Smovengo werden zwei auf Remanufacturing spezialisierte Standorte des Zulieferers genutzt. Zum einen das 2023 im französischen Nevers gegründete „Circular Electronics Laboratory“ für Batterien, wo das Frontkamera-Projekt mit Stellantis umgesetzt wurde. Die zweite Einrichtung ist die „Circular Innovation Factory“ im polnischen Czechowice für Elektromotoren, die der Zulieferer Ende Mai im Rahmen der Kooperationsverkündung mit Smovengo für Pressevertreter öffnete. Czechowice ist Valeos Kompetenzzentrum für wiederaufbereitete Produkte wie Anlasser, Lichtmaschinen, Zweimassenschwungräder, Doppelkupplungen und Klimakompressoren. Es weitet seine Wiederaufbereitungsaktivitäten nun auf den Bereich der Mikromobilität aus mit den Motoren der Elektrofahrräder von Smovengo.
As good as new
„Seit über 20 Jahren verdeutlichen unsere Entscheidungen in Bezug auf Technologie, Governance sowie Umwelt- und Sozialmanagement unser Engagement für die ganzheitliche Bewältigung der Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung. Die Automobilindustrie ist für fast 20 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich, was die Dekarbonisierung zu einer der zentralen Herausforderungen unserer Zeit macht“, erklärte Christophe Périllat, CEO von Valeo bereits 2022. Er betonte: „Wir wollen das Problem umfassend angehen - es geht über die Fahrzeugnutzung hinaus und betrifft unser gesamtes Ökosystem – unsere Werke, Mitarbeiter, Lieferanten und Partner.“
Die Dekarbonisierung muss Hand in Hand gehen mit einer Kreislaufwirtschaft. Im Jahr 2023 startete Valeo das 4R-Programm, um die Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie und darüber hinaus umzusetzen. „Eine Dekarbonisierung ohne Kreislaufwirtschaft ist nicht nachhaltig“, erklärte Mino Yamamoto, Valeo Director Circular Economy, der Presse in. 4R steht dabei für Robust, Repair, Remanufacturing und Recycling.
„Das Akzeptieren wiederaufbereiteter Komponenten bedeutet vor allem auch ein Umdenken“, betonte Marlène Carrrias-Iked, Valeo Strategic Marketing, Digital & Innovation Vice President. In den Köpfen vieler Menschen herrscht noch das Vorurteil, dass wiederaufbereitete Produkte minderwertig Czechowice sind und nicht die Qualität eines neuen Produkts mitbringen. Der französische Zulieferer arbeitet daher daran, die Denkweise von Unternehmen und Fahrern durch Fakten und hochwertig aufbereitete Produkte zu ändern. Ein Prozess, der nicht allein zu bewältigen ist – Zusammenarbeit ist wie so oft der Schlüsselfaktor. Valeo holt daher Distributoren mit an Bord und will durch Workshops aufklären und überzeugen.
Wiederaufbereitung und Reparatur in Polen
Czechowice ist ein Multiproduktstandort, der sich auf die Produktion von Anlassern, Luftklappen und -ventilen, Abgasrückführung (AGR) und Hochspannungssystemen für Hybridfahrzeuge und für Stromer (Battery Electric Vehicles, BEVs) spezialisiert hat. Der Standort verfügt über zwei Produktionsstätten und ein eigenes Lager mit einer Fläche von ca. 83.000 m². Er beherbergt das Valeo Worldwide Remanufacturing Competence Center.
Stand: 08.12.2025
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Valeos Reman-Aktivitäten in Polen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Es befinden sich 1 Million Kerne auf Lager, die bisher 400 Remanufacturing-Projekte pro Jahr werden von 500 Mitarbeitenden absolviert. Im Durchschnitt erfolgt eine Komponentenwiederherstellung von 85 Prozent. Dabei handelt es nicht nur um Komponenten des Zulieferers – auch Bauteile anderer Hersteller werden hier wiederaufbereitet, sofern es sich um Originalprodukte handelt, die nicht völlig zerstört sind.
Hochspannung im Fokus
Das Antriebsprodukt-Portfolio von Valeo deckt alle Marktbedürfnisse in puncto dem elektrischer Antriebsstrang ab: Elektromotor, Wechselrichter, Reducer, Onboard-Charger und Stromrichter. Dazu kommt der E- Kompressor als Herzstück des Klima- und Kältemittelkreislaufs eines HEV oder BEV. Diese komplexen, teuren und materialintensiven Teile erfordern eine Alternative zur Ressourcenschonung. Um dieser neuen Herausforderung gerecht zu werden, hat Valeo im vergangenen Jahr ein spezielles Hochspannungs-Proto-Labor in Czechowice eröffnet. Es bündelt die Erstausrüstungs-Expertise mit Wiederaufbereitungs- und Reparaturprozessen. Mehrere Proofs of Concept wurden bereits veröffentlicht, und Valeo wird einen Vorschlag machen für E-Reman-Lösungen ab 2025 in Europa.