Suchen

Transport- und Logistiksektor: Klimawandel avanciert zum Top-Thema

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Während alle Sektoren ihre Treibhausgas-Emissionen von 1990 deutlich reduzieren konnten, steigen sie im Verkehrssektor. Ausgerechnet die Corona-Krise könnte nun aber eine Trendumkehr einleiten.

Firma zum Thema

Während DHL dieses Jahr aus dem Streetscooter-Geschäft aussteigt, blasen parallel die etablierten Hersteller zur E-Transporter-Offensive.
Während DHL dieses Jahr aus dem Streetscooter-Geschäft aussteigt, blasen parallel die etablierten Hersteller zur E-Transporter-Offensive.
(Bild: Opel)

Extreme Wetterereignisse beschädigen wichtige Infrastruktur, niedrige Pegelstände machen Wasserstraßen unpassierbar, regulatorische Vorgaben führen zu einer zunehmenden Bepreisung von CO2-Emissionen und alternative Antriebe wie Kraftstoffe geraten immer mehr in den Fokus: Der Klimawandel wirkt sich immer stärker auf die Geschäftsmodelle der Transport- und Logistikbranche aus.

Will Deutschland bis 2050 wie geplant klimaneutral werden, müssen alle ihren Beitrag leisten. Dafür wurden im Klimaschutzgesetz von 2019 jährliche Emissionsziele für jeden Sektor festgelegt. Danach müsste der Verkehrssektor seine Treibhausgas-Emissionen bis 2025 um 25 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 senken. Um dies zu erreichen, ist eine Trendwende nötig. Mit reinen Effizienzsteigerungen ohne Verkehrsverlagerung und den Übergang zu alternativen Antrieben und Kraftstoffen ist diese nicht zu bewältigen, wie aus einer PwC-Analyse hervorgeht.

Die Corona-Krise als Chance nutzen

Die Corona-Krise könnte neben den negativen Auswirkungen auch positive Aspekte zeigen, die zu einer Umkehr hin zu klimafreundlicheren Transporten führen können. Viele Unternehmen richten ihre Logistikprozesse derzeit neu aus. Regionale Wirtschaftskreisläufe gewinnen an Bedeutung, während globale Abhängigkeiten kritisch hinterfragt werden. Dabei zwingen auch regulatorische Entwicklungen die Unternehmen aus dem Transport- und Logistiksektor dazu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

So steigen etwa die Anforderungen zu einer umfassenden integrierten Berichterstattung. Wer an der Börse notiert ist, muss längst neben der etablierten finanziellen Berichterstattung ebenso über nichtfinanzielle Belange wie den Carbon Footprint berichten. In Zukunft werden zunehmend auch weitere Nachhaltigkeitsfaktoren sowie die Auskunft zu klimabezogenen Risiken und Chancen dazu kommen.

„Viele Logistiker versuchen die Auswirkung des eigenen Unternehmens auf den Klimawandel beispielsweise mit der Berechnung des Carbon-Footprints zu erfassen, aber der nächste Schritt, die physischen Auswirkungen der Erderwärmung und die Wirkung der Anstrengungen der Weltgemeinschaft, den Klimawandel zu begrenzen, für das eigene Unternehmen auszuloten, erfolgt nur bei wenigen“, resümiert Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC Deutschland. Dabei geht es nicht nur um das Erkennen von Risiken, sondern auch welche neuen Geschäftsmöglichkeiten sich daraus ergeben können.

„Unsere Analysen mit dem PwC Climate Excellence Tool zeigen, dass die im MSCI-Index gelisteten Logistikunternehmen ihren Gewinn (EBITDA) in einem Szenario, in dem die Erderwärmung erfolgreich im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens begrenzt wird, bei einer frühzeitigen Reaktion auf regulatorische Veränderungen, neue Technologien und sich verändernde Märkte bis 2025 um durchschnittlich 16 Prozent steigern. Unternehmen der Branche, welche sich nicht rechtzeitig auf die kommenden Veränderungen vorbereiten, büßen jedoch im gleichen Zeitraum bis zu 20 Prozent an Gewinn ein“, so Nicole Röttmer, PwC- Partnerin im Bereich Sustainability.

Physische Risiken beschreiben die direkten klimawandelbezogenen Gefahren wie Hitzewellen und Überflutungen, Transitionsrisiken sind beispielsweise erhöhte Betriebskosten in Folge einer CO2-Steuer auf Kraftstoffe, ein sich veränderndes Mobilitätsverhalten oder die steigenden Kapitalkosten, die durch die Umstellung auf alternative Antriebe anfallen.

Chancen würden sich hingegen zum Beispiel dadurch ergeben, dass Unternehmen in künftigen Wachstumsmärkten präsent sind oder sich frühzeitig strategisch günstig hinsichtlich potenziell relevanter Zukunftstechnologien positionieren. Und nicht zuletzt profitiert die Beziehung zum Kunden und anderen Stakeholdern von einer ganzheitlichen Klimastrategie: „Wer über sein Klimaengagement berichtet, der zeigt Transparenz und kann dadurch das Vertrauen der Kunden, Kapitalgeber und allgemein der Stakeholder erhöhen,“ ist Ingo Bauer überzeugt.

(ID:46949550)