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Sackgassen der E-Mobilität: Wenn E-Auto-Projekte scheitern

Autor / Redakteur: Mario Hommen / Benjamin Kirchbeck

Die jüngere Geschichte der E-Mobilität kennt Erfolgsgeschichten vor allem auch Misserfolge. Tesla hat bewiesen, dass sich aus einer kleinen Idee wahrscheinlich ein globalerKonzern schmieden lässt. Doch einige scheitern lange bevor sie mit entsprechenden Autos auf den Markt kommen, während andere über Jahre ums Überleben kämpfen.

Auch mehrere große Player haben nach gewaltigen Investitionen in E-Auto-Projekte kurz nach dem Start und weit vorm Ziel wieder den Stecker gezogen.
Auch mehrere große Player haben nach gewaltigen Investitionen in E-Auto-Projekte kurz nach dem Start und weit vorm Ziel wieder den Stecker gezogen.
(Bild: Clipdealer)

Bereits 2004 tüftelte das junge Unternehmen Tesla an dem Konzept eines elektrischen Zweisitzers, der dann mit Hilfe von Lotus 2008 als Tesla Roadster tatsächlich Serienreife erlangte. Die damals aufkeimende Elektroauto-Szene hatte ihren ersten Star, von dem in vierjähriger Bauzeit gut 3.000 Exemplare entstanden. Ein Anfang war gemacht.

Auch anderorts, etwa in Monaco bei Venturi, arbeitete man an einem E-Roadster. Bereits 2002 wurde der Fetish vorgestellt, der ab 2004 „produziert“ wurde. Allerdings war der Zweisitzer um ein Vielfaches teurer als der nicht gerade billige Tesla Roadster. Wohl auch deshalb war eine Stückzahl von nur 25 Exemplaren geplant. Gleichzeitig verfolgte Venturi weitreichendere E-Auto-Pläne und stellte noch eine Reihe neuer Konzepte vor. Doch eine geplante Serienproduktion ist nie angelaufen. 2015 wurden die Pläne dann endgültig verworfen. Der Fetish wurde nur 10 Mal gebaut.

Ebenfalls ein frühes E-Auto entwickelte die 2005 in Kalifornien gegründete Firma Aptera Motors. Die Idee war der Bau eines besonders windschlüpfigen Niedrigenergie-Fahrzeugs mit fast schon erwachsenen Fahrleistungen und 160 Kilometer Reichweite. Ursprünglich wurde ein Stückpreis von 25.000 US-Dollar angepeilt, Anzahlungen hat Aptera in größerer Zahl entgegengenommen. 2011 folgte allerdings die Pleite. Auch hinter einem 2013 angekündigten Comeback steckte wohl nur wenig mehr als heiße Luft. Umso erstaunlicher erscheint die Neugründung von Aptera in 2019, der einige erfolgreiche Finanzierungsrunden folgten. Ob der Neustart dieses Mal gelingt, bleibt abzuwarten.

Ganz sicher keine Zukunft mehr hat das britische E-Projekt Lightning GT. 2008 sorgte das elegante Sportcoupé für Aufsehen. Der Stromer sollte in 4 Sekunden Tempo 100 erreichen, über 300 Kilometer schnell und weit fahren. Aus der für 2009 angekündigten Produktion wurde nichts. Später hat man den Start auf 2019 verschoben. Mittlerweile ist die Internetseite von Lightning nicht mehr erreichbar.

Ebenfalls 2008 wurde das Van-Projekt Joule von der in Südafrika beheimateten Firma Optimal Energy vorgestellt. 2010 sollte der erwachsen wirkende Fünfsitzer mit 400 Kilometer Reichweite auf den Markt kommen. Doch auch hier gab es Probleme mit der Finanzierung. Letztlich wurden die staatliche Förderung und 2012 auch die Entwicklung eingestellt. Insgesamt wurden nur 4 Joule gebaut.

Ab 2008 tatsächlich in Serie gebaut wurde der finnisch-norwegische Kleinstwagen Think City. Dabei handelte es sich um einen spartanischen Stadtwagen mit bescheidenen Fahrleistungen und 160 Kilometer Reichweite. Immerhin gut 2.500 Exemplare wurden verkauft, vornehmlich in Norwegen. Aufgrund finanzieller Probleme folgte im Sommer 2011 die endgültige Insolvenz. Einen erneuten Anlauf hat es nicht gegeben.

Zwischen 2011 und 2013 wurde in ebenfalls niedriger vierstelliger Stückzahl der aus Frankreich stammende Mia Electric produziert. Der sympathische Microvan war einfach und pfiffig, der Absatz jedoch bescheiden, was 2013 in einer Pleite und nachfolgenden Abwicklung endete. Mittlerweile besitzt die Schweizer Firma Fox Automotive die Rechte an der Mia, die nach jüngsten Bekundungen 2020 wiederauferstehen soll.

Auch in jüngerer Vergangenheit gab es eine Reihe E-Auto-Projekte, die allerdings nie richtig in Fahrt gekommen sind oder in einer Sackgasse endeten. Dazu gehört etwa die Neugründung von Detroit Electric. Wie Tesla wollte man mit einer elektrifizierten Lotus Elise in den Markt starten und später das Angebot um E-Limousinen und E-SUV erweitern. Mittlerweile ist die Webseite nicht mehr erreichbar. Ein anderer Versuch der Wiederbelebung einer historischen Marke war der von Chinesen finanzierte Neustart von Borgward mit der Idee, elektrisch angetriebene SUV auch in Europa zu verkaufen. Doch auch aus diesem Projekt scheint die Luft raus zu sein.

Bereits Ende 2018 erteilte Tech-Gigant Apple seinem E-Auto-Projekt und damit mehreren Tausend daran beteiligten Angestellten eine Abfuhr. Im Oktober 2019 hat die für ihre Designer-Staubsauger bekannte Firma Dyson ihr erst 2017 angekündigtes E-Auto-Projekt gecancelt, da Firmengründer James Dyson keine kommerziellen Chancen für das Projekt sieht. Erst kürzlich hat die US-Firma Workhorse verraten, die Entwicklung des E-Pick-ups W-15 nicht mehr weiter voranzutreiben. Jüngster Aussteiger ist die Deutsche Post, die noch in diesem Jahr die Produktion des Lieferwagens Streetscooter einstellen will, in welche das Logistikunternehmen bislang eine dreistellige Millionensumme investiert hat.

Bei anderen E-Auto-Start-ups wird sich erst noch zeigen müssen, ob diese einen ausreichend langen Atem haben. Zu den Jungstars der Szene gehören etwa der Kleinstwagen Life der e.Go Mobile AG aus Aachen, der Solarzellen-Van Sion von Sono Motors aus München oder das Micro-Mobil One des schwedischen Start-ups Uniti. Unter anderem haben diese Unternehmen mit der Finanzierung ihre Projekte zu kämpfen, was immer wieder für Verzögerungen beim Marktstart gesorgt hat.

Doch nicht nur Außenseiter, Start-ups, Visionäre und Tüftler haben sich mit E-Projekten schwergetan, es gibt ebenso eine Reihe von etablierten Autoherstellern, die aufgrund strategischer Neuausrichtungen oder Finanznöte diese verworfen haben. In jüngerer Vergangenheit haben zum Beispiel Morgan und Aston Martin ihre E-Ambitionen auf Eis gelegt. Aber auch größere Hersteller wie Nissan-Ableger Infiniti hat seine bereits 2012 angekündigten E-Auto-Projekte bislang nicht verwirklicht. Ebenfalls schon früh in die E-Mobilität einsteigen wollte auch Audi. Dafür wurde 2009 die Submarke E-Tron ins Leben gerufen. Doch die ersten verheißungsvollen E-Tron-Konzepte wurden nie verwirklicht. Erst seit kurzem baut Audi batterieelektrische Autos. Auch General Motors, Mini, Fiat, Mercedes oder Volvo verfolgten zwischenzeitlich E-Auto-Projekt, die in Sackgassen endeten. Doch mittlerweile haben sich fast alle Volumenhersteller neu auf die E-Mobilität ausgerichtet. Und das aus gutem Grund, denn um Strafzahlungen an die EU aufgrund zu hoher CO2-Flotten-Emissionen zu vermeiden, sind eigentlich alle dazu verdammt, der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

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