Lichtdesign: Schau mir in die Augen, Kleiner

Autor / Redakteur: Maj-Britt Peters / Benjamin Kirchbeck

Audi will beim Lichtdesign eine neue Ära einläuten. Aber benötigt das autonom fahrende Auto von Morgen überhaupt noch Scheinwerfer?

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In Zukunft wird das Zusammenspiel aus Digitalisierung und Vernetzung auch beim Licht verstärkt eine Rolle spielen. Dabei bekommt das Licht eine soziale Komponente, indem es noch stärker kommunikativ eingebunden wird.
In Zukunft wird das Zusammenspiel aus Digitalisierung und Vernetzung auch beim Licht verstärkt eine Rolle spielen. Dabei bekommt das Licht eine soziale Komponente, indem es noch stärker kommunikativ eingebunden wird.
(Bild: Audi)

Noch ruht der Audi Aicon im neuen Designcenter von Audi. Er ist Mobilitätskonzept, Technikträger und Designstudie in einem, und er war einer der Stars auf der diesjährigen IAA. Kaum betreten Cesar Muntada und Viktor Hahn den Raum, beginnen die unzähligen Pixel unterhalb der Motorhaube zu strahlen.

Sie stehen im Raum und wachsen zu einer Pupille. Rhythmisch tanzen sie über die großen Flächen rund um die leuchtenden Audi-Ringe in der Front. Von innen nach außen, von oben nach unten. Es wirkt, als würde der Aicon sich freuen seine Lichtdesigner zu sehen.

Mit dem Aicon präsentiert Audi das Automobil von morgen. Der autonom fahrende Technikträger hat kein Lenkrad und keine Pedale. Und er verzichtet auf Scheinwerfer und Leuchteinheiten im herkömmlichen Sinne.

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Die Gestaltung des Lichts

Der Grund: Die Laser- und Radarsensorik sieht auch im Dunkeln genug, um seine Insassen sicher durch den Verkehr zu navigieren. „Das eröffnet uns Designern die Möglichkeit, das Thema Licht neu zu denken“, sagt Muntada, Leiter des Lichtdesigns bei Audi. Somit geht es beim Aicon nicht mehr nur um die Gestaltung der Lichtelemente und deren Formgebung, sondern auch um die Gestaltung des Lichts selbst. Ein Resultat: Der Audi der Zukunft begrüßt jeden seiner Insassen mit einer persönlichen Lichtsignatur – erst recht seine Lichtdesigner.

Digitales Licht als Basis für Vertrauen

Immer wieder bewegt sich das Licht fließend über die langgezogenen, digitalen Flächen an Front und Heck. Möglich machen das große digitale Lichtfelder, die frei animiert werden können. Sie bestehen aus hundert dreieckigen Pixel-Segmenten, die dem Audi AI-Symbol dreidimensional nachempfunden sind.

„Durch die Dreidimensionalität der Pixel machen wir die digitale Welt physisch erlebbar“, erklärt Muntada. Und das mit faszinierenden Reaktionen: „Auf der IAA hatten die Besucher das Bedürfnis, die Lichter zu berühren – zu gucken war ihnen nicht genug. Das war ein ganz besonderer Moment für uns Lichtdesigner.“

„Bei heutigen Serienmodellen ist das Licht ein Sicherheitsfaktor“, erklärt Muntada. „Doch bei einem autonom fahrenden Fahrzeug ist das Licht die Basis für Vertrauen.“ Wer heute an einer beliebigen Straßenkreuzung steht, kann via Blickkontakt mit dem Fahrer über die Verkehrssituation kommunizieren. Bei autonom fahrenden Autos wird es diesen Fahrer nicht mehr geben.

Doch mit wem nehmen wir dann Blickkontakt auf? Genau, mit dem Auto. Zukünftig ist die Hauptfunktion des Lichts also nicht mehr das Sehen, sondern die Kommunikation. Daher sind die Lichter des Aicon dem menschlichen Augen nachempfunden. „Der Aicon schaut einem direkt ins Gesicht“, sagt Muntada und streicht mit der Hand über das grün aufleuchtende Display am Singleframe.

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