E-Mobilität Hohe Strompreise belasten immer mehr E-Auto-Fahrer

Quelle: sp-x 6 min Lesedauer

E-Auto-Besitzer fuhren lange Zeit sehr entspannt durchs Leben. Auch wegen der niedrigen Energiekosten. Doch damit ist es nun für viele vorbei.

Vertragskunden laden bei Ionity deutlich günstiger als Gelegenheitskunden. (Bild:  Volkswagen)
Vertragskunden laden bei Ionity deutlich günstiger als Gelegenheitskunden.
(Bild: Volkswagen)

Lange galt der Umstieg aufs Elektroauto in Hinblick auf die Energiekosten als lukrativ. Die heimische Wallbox lieferte die Kilowattstunde für unter 30 Cent, weshalb bei sparsamen Modellen zum Teil sogar deutlich weniger als fünf Euro pro 100 Kilometer anfielen. Auch aufgrund zwischenzeitlich kräftig steigender Spritpreise galt der Wechsel vom schmutzigen Verbrenner zum sauberen Stromer als lohnendes Investment. Doch seit vergangenem Jahr hat sich in vielen Fällen der einstige finanzielle Vorteil ins Gegenteil verkehrt.

Vor allem für Laternenparker sind die Energiekosten der sauberen E-Mobilität explodiert. Auch Langstreckenfahrer wären aktuell oftmals besser dran, wenn sie mit Diesel statt mit Strom fahren würden. Noch gibt es Potenziale, mit einem E-Auto seine Energiekosten niedrig zu halten. Doch heben können sie längst nicht alle. Für viele, so steht zu befürchten, dürfte das E-Auto deshalb aus finanzieller Sicht zunehmend unattraktiv werden.

E-Autos nur noch selten im finanziellen Vorteil

Gut 10 Jahre ist es her, als die E-Mobilität mit neuen Modellen wie dem Tesla Model S oder BMW i3 allmählich Fahrt aufgenommen hat. Die Elektro-Ikone i3 zum Beispiel verursachte mit einem Verbrauch von rund 12 Kilowattstunden bei einem damaligen Preis von 25 Cent pro Kilowattstunde rund gut 3 Euro Energiekosten auf 100 Kilometer. Ein Benziner mit dem Leistungsniveau eines i3 verbrauchte um sieben Liter, was angesichts den damaligen Spritpreisen von 1,60 Euro pro Liter rund dreifach höhere Energiekosten verursachte. Autoexperten und Hersteller von E-Autos rechneten damals gerne vor, wie schnell sich die Mehrinvestition in ein elektrisch angetriebenes Modell amortisieren kann.

Doch mit dieser Schönrechnerei ist es nun vorbei. In den letzten 10 Jahren sind die Preise für Benzin lediglich geringfügig gestiegen. Zwischenzeitlich kletterten die Spritpreise vergangenes Jahr aufgrund der Ukraine-Krise zwar in schwindelerregende Höhen, doch Ende 2022 bewegten sich die Benzinpreise in Deutschland nur noch leicht über dem Jahresmittel von 2012.

Anders sieht es bei Preisen für Strom aus. Laut Verivox-Verbrauchspreisindex kostete die Kilowattstunde Ende 2012 im Bundesdurchschnitt noch 24,93 Cent. 10 Jahre später waren es 43 Cent, was einem Plus von 72 Prozent entspricht. In einigen Fällen, etwa beim Kölner Unternehmen Rheinenergie, wurde Anfang 2023 der Preis der Kilowattstunde in der Grundversorgung von 31 auf sogar 55 Cent angehoben, ein Plus von 77 Prozent. Allerdings auf einen Schlag.

Größere Batterien und Reichweiten

Verschärfend kommt hinzu, dass die Zahl verbrauchsintensiver E-Autos am Markt wächst. Ein Grund dafür sind zunehmend größere Batterien für größere Reichweiten. Das ist der Alltagstauglichkeit zwar zuträglich, doch viele BEV-Modelle entfernen sich damit vom Verbrauchsideal eines BMW i3. 20 kWh pro 100 Kilometer sind in der Praxis mittlerweile eher Regel denn Ausnahme. Ist man im Winter auf der Autobahn mit noch moderaten 120 km/h und aktivierter Klimaanlage unterwegs, sind auch 30 kWh pro 100 Kilometer keineswegs abwegig. Angesichts der gestiegenen Strompreise geht mit solchen Verbrauchswerten bereits mit Strom aus der heimischen Wallbox der einstige Kostenvorteil verloren.

Sogar richtig teuer kann es werden, wenn man unterwegs tanken muss. Das gilt vor allem an den mittlerweile entlang von Autobahnen zahlreich vorhandenen Schnellladesäulen. Der dort angebotene Gleichstrom ist seit jeher teurer als der Strom aus AC-Ladern oder der heimischen Wallbox. Hinzu kommt ein intransparenter Markt für Ladesäulen-Fahrstrom. Nicht jeder E-Auto-Fahrer hat für jede Konstellation den optimalen Roaming-Vertrag. In extremen Fällen kann es mittlerweile passieren, dass man bei exotischen Anbietern für eine Kilowattstunde sogar bis zu einem Euro zahlen muss, wie eine aktuelle Recherche über die App Ladefuchs zeigt.

Verschiedene Stromtarife für Ladesäulen

Doch auch bei großen Fahrstrom-Anbietern wie EnBW wurden die zuvor noch moderaten Preise Mitte Januar deutlich erhöht. Wer zum Laden die EnBW-App „Mobility+“ mit Basistarif nutzt, muss an nicht von EnBW betriebenen Ladesäulen statt 45 Cent nun für die Kilowattstunde 65 Cent zahlen. An den Autobahn-Schnellladern von Ionity bleibt es hingegen bei den ohnehin schon happigen 79 Cent. Ob nun 65, 79 oder 98 Cent – mit einem verbrauchsintensiveren E-Auto können auf langer Fahrt leichthin 20 Euro oder mehr Energiekosten pro 100 Kilometer anfallen. Das ist in etwa doppelt so viel, wie man derzeit für einen vergleichbaren modernen Diesel-Pkw zahlen muss.

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