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„Das Autofahren verändert sich mit Autobahntempo“

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Auch wenn Robo-Taxis noch in weiterer Ferne liegen mögen, lassen sich doch fünf Beispiele dafür aufzeigen, wie sich das Autofahren jetzt und in naher Zukunft verändert.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Wenn morgens Ihr Wecker läutet, greifen Sie als erstes zum Smartphone auf Ihrem Nachttisch und fordern die Fahrt zu Ihrer Arbeitsstelle an. Daraufhin macht sich ein Elektrofahrzeug, das sich an einer Ladestation in nur wenigen Kilometern Entfernung befindet, leise auf den Weg zu Ihrem Haus, geleitet von der Smart-City-Infrastruktur, die ihm den Weg durch das Heer fahrerloser Robo-Taxis bahnt.

Sobald das Fahrzeug vor Ihrer Haustür angelangt ist, schickt es eine Nachricht an Ihr Smartphone und zeigt am Seitenfenster Ihren Namen und Ihr Fahrtziel an, damit Sie die Bestätigung haben, dass das Fahrzeug auch tatsächlich für Sie bestimmt ist. Ihre bevorzugten Einstellungen kennt das Fahrzeug bereits von einer früheren Fahrt, sodass Temperatur, Sitzposition, Innenbeleuchtung und Musikauswahl auf Ihre Vorlieben abgestimmt sind. Alles ist somit für Ihre Fahrt zur Arbeit bereit. Sie sind nicht Eigentümer des Fahrzeugs, sondern mieten es lediglich, ganz wie bei einem Bike- oder e-Scooter-Sharing-System. Außerdem wartet es mit einem ausgefeilten, auf künstlicher Intelligenz basierenden System auf.

„Insgesamt ebnen uns die Elektronik und die Features, die wir heute in unsere Autos einbauen, den Weg in eine überaus reizvolle automobile Zukunft, so Heinz-Peter Beckemeyer, Director Automotive Systems von Texas Instrument.
„Insgesamt ebnen uns die Elektronik und die Features, die wir heute in unsere Autos einbauen, den Weg in eine überaus reizvolle automobile Zukunft, so Heinz-Peter Beckemeyer, Director Automotive Systems von Texas Instrument.
(Bild: TI)

Das gerade beschriebene Szenario hätte man lange als Science-Fiction abgetan, doch tatsächlich rückt seine Realisierung immer näher – gestützt auf fortschrittliche Sensoren, Prozessoren, Mikrocontroller, DLP-Technologie und weiteren Innovationen.

„Während uns die Technologie einer Welt näher bringt, in der Autofahrer zu Passagieren werden, vollzieht sich gleichzeitig ein Wandel zu einem stärker personalisierten, automatisierten und komfortableren Fahrerlebnis“, sagt Heinz-Peter Beckemeyer, Director Automotive Systems von Texas Instruments, und ergänzt: „Elektronische Systeme, die – häufig ohne Zutun des Fahrers – Bedingungen erfassen und an die verschiedenen Fahrzeugsystemen kommunizieren und außerdem Entscheidungen treffen, werden immer mehr zu Schlüsselkomponenten unserer Automobile.“

Die Personalisierung erreicht ein neues Niveau

Während sich das digitale Cockpit wandelt und eine Vielzahl von Bildschirmen in der Armaturentafel ebenso umfasst wie Head-up-Displays, die Informationen direkt in ihr Sichtfeld projizieren, werden sich die Displays auf Ihre Blickrichtung einstellen. Wenn Sie also ihren Blick nach rechts wenden, wird die Kartendarstellung des Navigationssystems auf dem rechten Bildschirm erscheinen, während es auf den linken Bildschirm verlagert wird, sobald sie nach links blicken.

Noch persönlicher wird es bei den Fahrerüberwachungssystemen, die Gesundheits-Indikatoren wie die Herzfrequenz oder den Blutzuckerspiegel überprüfen, um schnell und komfortabel Ihr Wohlbefinden zu checken. Vermehrte Konnektivität würde sogar Telemedizin im Auto ermöglichen: anstatt in ihrem eng getakteten Zeitplan mit Mühe eine Stunde für einen Arztbesuch unterzubringen, könnten Sie sich auf der Fahrt zur Arbeit mit einer Arztpraxis verbinden, wofür Ihr Auto per 5G die Daten mit Ihren Vitalzeichen überträgt.

Ersatz für Tasten

Man muss nicht mehr nach der richtigen Taste suchen, um den Radiosender zu wechseln, denn dank der mmWave-Radartechnologie lassen sich die Funktionen im Fahrzeug per Gestensteuerung bedienen. Eine Handbewegung reicht, und schon wird das Licht eingeschaltet oder die Fenster werden abgedunkelt. Die Benutzerfreundlichkeit der Autos wird sich künftig durch eine Kombination aus Gestensteuerung und wenigen wichtigen, konfigurierbaren haptischen Funktionen verbessern.

„Eine Gestensteuerungs-Anwendung, die immer mehr an Verbreitung gewinnt, ist die Kick-to-Open-Funktion”, analysiert Beckemeyer. „Mithilfe von Sensoren lässt sich die Heckklappe ohne Berühren des Fahrzeugs öffnen, denn sofern man den Autoschlüssel dabeihat, reicht es, den Fuß unter den Stoßfänger zu schwenken – sehr praktisch, wenn man zum Auto zurückkommt und die Hände voll hat.”

Um Objekte vor dem Fahrzeug herumblicken

Tote Winkel werden bald der Vergangenheit angehören, denn Spiegel lassen sich durch kleine Digitalkameras ersetzen, die hochauflösende Bilder an die Armaturentafel streamen und dabei so konzipiert sind, dass ihre Leistungsfähigkeit weder durch Regen noch durch Schnee beeinträchtigt wird.

Im Zusammenwirken mit Radar oder Lidar vermitteln hochempfindliche Kameras eine erweiterte Sicht auf das Umfeld. Dabei werden die Geschwindigkeit und die Form von Objekten in der Umgebung der voraus- und hinterherfahrenden Autos erfasst, um gegebenenfalls über das Augmented-Reality-Display auf dem Bildschirm oder im Head-up-Display eine Warnung auszugeben.

Intelligenteres Fahren dank adaptiver Features

Kameras können uns helfen, intelligenter zu fahren, doch sie können auch die Fahrt selbst intelligenter gestalten. Sollte die Kamera beispielsweise ein Schlagloch vor dem Fahrzeug ausmachen, kann das Fahrzeug sein Federungssystem so anpassen, dass die Passagiere den Stoß nicht so stark spüren. Diese Technik ist in verschiedenen Fahrzeugen bereits verfügbar und wird über kurz oder lang einem breiteren Fahrzeugspektrum zugänglich werden.

In immer mehr Fahrzeugen halten zudem adaptive Scheinwerfer Einzug, die sich für entgegenkommende Fahrzeuge gezielt abdunkeln und intelligent auf ihre Umgebung reagieren. „Die Autos der Zukunft werden auch Buchstaben und Symbole auf die Straße projizieren können, wie zum Beispiel Warnsignale für Fußgänger“, so Beckemeyer weiter. „Zudem kann die DLP-Technik das Fahren bei schlechten Wetterbedingungen einfacher machen. Fährt man heute bei dichtem Schneefall mit Fernlicht, hat man als Fahrer den Eindruck, in eine weiße Wand hineinzufahren. Die adaptiven Scheinwerfer der Zukunft können sich hierauf einstellen und die Sicht auf die Fahrbahn verbessern.“

Gesteigerte Konnektivität befähigt Autos zu universeller Kommunikation

Autos, die mit der Cloud und per 5G-Technik verbunden sind, werden mit anderen Fahrzeugen, dem Smart Grid und dem vielfältigen Internet of Things kommunizieren. Beim Verlassen des Supermarkts können Sie über eine Spracherkennungs-Funktion, die mit Ihren Smart-Home-Geräten in Verbindung steht, per Sprachbefehl veranlassen, dass Ihr Ofen vorgeheizt wird, während Sie sich auf den Weg nach Hause machen. Das Auto kann außerdem online bleiben, nachdem Sie es in der Garage abgestellt haben, um automatisch Updates herunterzuladen.

Vernetzte Autos haben das Potenzial, die Kommunikation mit anderen Autos drastisch zu intensivieren, um so das Autofahren zu verbessern. Zum Beispiel könnte ein Auto, das wegen eines umgestürzten Baums eine Notbremsung durchführt, diese Information an andere Fahrzeuge übermitteln, die einige hundert Meter hinter ihm in dieselbe Richtung unterwegs sind. Ebenso könnte eine Gruppe Autos die Verkehrsdichte oder sich verschlechternde Wetterbedingungen an andere Fahrzeuge in der Nähe melden, damit diese das Gebiet umfahren können. Sensorbestückte Lichtmasten schließlich könnten Autofahrer auf freiwerdende Parkplätze hinweisen oder melden, wenn eine Brücke wieder geöffnet wird.

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