In China finden sich immer mehr Projekte, die das Thema fliegende Autos oder Drohnen vorantreiben. Dabei sind neben Automobilherstellern auch Tech-Unternehmen sehr aktiv. Sie bekommen nun durch eine eigene Roadmap der dortigen Luftfahrtbehörde auch politischen Aufwind.
Auch Volkswagen hat sein eigenes Drohnen-Projekt in China. An diesem Markt wird nun politisch der Weg für die breitere Massenanwendung geebnet.
(Bild: Volkswagen AG)
Die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC steht dem Einsatz von „fliegenden Autos“ sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Behörde hat am Montag vergangener Woche (22. August) den Entwurf einer „Roadmap für die Entwicklung ziviler, unbemannter Luftfahrzeuge V1.0“ veröffentlicht. Derzeit wird eine öffentliche Anhörung dazu durchgeführt. Schon im Jahr 2025 könnten laut der Roadmap in Chinas Nahverkehr erste bemannte Passagierdrohnen unterwegs sein. Entsprechende Pilotprojekte zur Beförderung von Passagieren über kurze Strecken sollen spätestens in diesem Jahr durchgeführt werden, erklärt die chinesische Luftfahrtbehörde.
Für die Logistik-Industrie, für den Transport von Gütern innerhalb von Städten und später auch über längere Distanzen, will die CAAC den Einsatz von UAV (unmanned aerial vehicles oder unbemannte Luftfahrzeuge) ab sofort gezielt fördern. Die Luftfahrtbehörde nennt in ihrem jüngsten Dokument mehrere konkrete Ziele bis 2025, 2030 und 2035, mit denen die Entwicklung einer heimischen, chinesischen Drohnen-Industrie unterstützt werden soll. Dazu zählen unter anderem ein verbessertes regulatorisches Umfeld und die Ausweitung des für UAV freigegebenen zivilen Luftraumes in China.
Ähnlich wie bei anderen Hochtechnologien, etwa beim Autonomen Fahren oder bei der Künstlichen Intelligenz, hat Chinas Zentralregierung nun auch für die neue Zukunftsindustrie der „fliegenden Autos“ signalisiert, dass man in China die Entwicklung dieses neuen Marktes von Anfang dominieren möchte. Im Wortlaut der CAAC-Roadmap von CAAC liest sich das Ziel so: „Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der unbemannten Luftfahrt und damit auch das Recht des Landes zu stärken, bei den Regeln und Standards für die internationale Luftfahrt die Stimme zu erheben.“ Man hoffe, dass China so „zu einer globalen Großmacht in der zivilen Luftfahrt wird”, heißt es in dem Dokument.
300-Milliarden-US-Dollar-Markt
Diese industriepolitischen Ziele dürften Musik in den Ohren vieler Unternehmen sein, die seit einigen Jahren Passagierdrohnen entwickeln. Einem Bericht von Morgan Stanley zufolge könnte für „fliegende Autos“ bis 2030 ein globaler Markt mit einem Wert von 300 Milliarden US-Dollar entstehen. In China, wo nicht einige, sondern gleich Hunderte von Millionenstädten von Megastaus geplagt werden, gibt es besonders große Hoffnungen auf die Entstehung dieser neuen Milliarden-Industrie. Da ohne die Regierung in China aber nichts geht, hat die gerade veröffentlichte Roadmap eine besondere Signalwirkung.
Eines der chinesischen Unternehmen, das stark auf UAV setzt, ist das E-Auto-Startup Xpeng. Sein Mitgründer und CEO He Xiaopeng hat Mitte Juli ein Video veröffentlicht, in dem zum ersten mal ein Flug des von Xpeng entwickelten fliegenden Autos X1 zu sehen war. Das Tochterunternehmen „Xpeng Aeroht“ hat inzwischen auch schon das Nachfolgemodell X2 entwickelt. Es wird ausschließlich elektrisch angetrieben. Xpeng hat offiziell angekündigt, schon im Jahr 2024 erste fliegende Autos auf dem chinesischen Markt verkaufen zu wollen. Die Testproduktion wird in einer eigens für die Herstellung von Passagierdrohnen ausgelegten neuen Xpeng-Fabrik in Panyu in der südchinesischen Provinz Guangzhou stattfinden.
Auch Geely, ein weiterer Autohersteller, will 2024 mit der Massenproduktion von fliegenden Autos in China beginnen. Das Startup „Cartivator sky-Drive“ gibt den geplanten Start seiner kommerziellen Massenproduktion von fliegenden Autos in China mit der Zeitspanne „2023 bis 2025“ an. Auch der traditionelle chinesische Autobauer GAC entwickelt Passagierdrohnen.
Volkswagen hat Ende Juli in China ebenfalls den Prototypen einer Passagierdrohne vorgestellt. Auch wenn man bei VW noch nicht so weit ist wie die chinesische Konkurrenz, möchte man im Bereich „urbane Luftmobilität“ künftig doch mitspielen. Das Modell „V.MO“ falle in die Kategorie eVOTL, hieß es in der Presse-Erklärung der Wolfsburger in China. eVOTL ist eine englische Abkürzung für „electric Vertical Take-Off and Landing aircraft“ - also für elektrisch angetriebene Fluggeräte, die ähnlich einem Hubschrauber senkrecht starten und landen können.
Vier Passagiere mit Gepäck sollen mit der VW-Passagierdrohne bis zu 200 Kilometer mit einer einzigen Batterieladung herumfliegen können. Man wolle „wie ein fliegender Tiger” auf diesem neuen und dynamischen Mobilitätsmarkt eine Vorreiterrolle übernehmen“, sagte VW-CEO in China Stephan Wöllenstein bei der Vorstellung der Drohne. Selbst wird er das aber nicht mehr erleben, jedenfalls nicht als CEO, denn bei der Vermarktung von E-Autos in China hat VW in den letzten Jahren viele Beobachter eher an eine lahme Ente als an einen flinken Tiger erinnert und Wöllensteins Tage in China waren zum Zeitpunkt dieser Pressekonferenz im Juli bereits gezählt. Es wurde auch nicht bekannt, wann das Fluggerät von VW marktreif sein soll.
Stand: 08.12.2025
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Die chinesische Autozeitung Zhongguo Qichebao hat in einer Übersicht weltweit rund 200 Pilotprojekte für fliegende Autos gezählt. Dazu zählen sowohl Auto-OEM wie Toyota, Honda, Suzuki, Audi, Mercedes-Benz, Porsche, GM Hyundai, Stellantis und die schon genannten Autobauer in China, als auch andere Tech-Unternehmen wie Google, Intel oder Uber.
Schnittmengen zu Automotive-Technologien
Vorteilhaft für die Automobilunternehmen sind die vielen Überschneidungen zwischen den Technologien der E-Autos und dem autonomen Fahren und denen für Passagierdrohnen. In beiden Bereichen machen gerade chinesische Firmen enorme Fortschritte, begünstigt von dem großen Heimatmarkt und einer mehr als wohlmeinenden Regierung
„Der schnelle Fortschritt vieler Technologien aus dem Bereich der smarten E-Autos hat eine solide technische Basis für das fliegende Auto geschaffen,“ zitiert die Autozeitung Wei Dong, einen Ingenieur aus einem Labor der Xi´an University of Technology.
Beispiele sind die Entwicklung immer leistungsstärkerer und gleichzeitig leichterer Batterien oder auch die Entwicklung elektronischer Hochpräzisions-Karten für die Navigation bei Smart Cars. Beides könne genauso für das vernetzte oder autonome Fahren bei E-Autos wie für fliegende Passagierdrohnen eingesetzt werden, so der Experte.
Eine ganz entscheidende Rolle werden die Bürokraten in diesem Wettrennen spielen. Während zu erwarten ist, dass in Ländern wie Deutschland oder in der EU diese neue Industrie schon wieder in einem Dschungel aus Paragraphen erstickt wird, fördern sie die Beamten in China erkennbar.
Schon im Februar hatte die Luftfahrtbehörde CAAC dem chinesischen Unternehmen Ehang „spezielle Bedingungen“ für das Erlangen der nötigen Flug-Qualifikationen für eine seine Drohne namens EH216-S eingeräumt. Man wolle sich mit einem „akzeptablen Grad an Sicherheit“ zufrieden geben, gab CAAC damals bekannt.
Diese Sondergenehmigung für Ehang war weltweit das erste Mal, dass eine der begehrten Fluglizenzen für eine Passagierdrohne in greifbare Nähe rückte. Und nun hat CAAC mit seiner Roadmap nochmals klar gemacht, dass sie den Aufbau einer Drohnen-Industrie in China aktiv fördern will.
Über den Autor
Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.