Alternative Antriebe für den Bahnverkehr Südostbayernbahn: Mit Wasserstoff ins Chemiedreieck

Von Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed 3 min Lesedauer

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Bis 2040 möchte der Freistaat Bayern seinen Schienenpersonennahverkehr klimaneutral umbauen. Dazu müssen insgesamt 92 Linien von Dieselbetrieb auf alternative Antriebe umgestellt werden. Ende 2026 gehen dazu zunächst im Linienstern Mühldorf moderne H2-Triebzüge an den Start.

So sollen die neuen Wasserstoffzüge für den Südosten Bayerns aussehen. Ende 2026 gehen sie in Betrieb.(Bild:  Siemens Mobility)
So sollen die neuen Wasserstoffzüge für den Südosten Bayerns aussehen. Ende 2026 gehen sie in Betrieb.
(Bild: Siemens Mobility)

Emissionsfrei unterwegs ist die Bahn ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 auf der nicht elektrifizierten Strecke zwischen Mühldorf in Oberbayern und Burghausen im Bayerischen Chemiedreieck. Dazu beschafft die DB RegioNetz Verkehrs GmbH bei Siemens Mobility drei Wasserstofftriebzüge des Typs Mireo Plus H. Zur Erzeugung des benötigten „grünen Wasserstoffs“ errichtet DB Energie in Mühldorf eine mit 100 Prozent Ökostrom betriebene Elektrolyseanlage und eine Wasserstofftankstelle. Außer der Lieferung der Züge, deren Fertigung im April 2025 startete, übernimmt Siemens im Rahmen eines gesonderten Vertrags den Service für das Wasserstoff-Energieversorgungssystem. Für Siemens Mobility ist das neben der Heidekrautbahn bei Berlin der nunmehr der zweite Serienauftrag für eine Mireo Plus H-Flotte in Deutschland. In Schwaben ist zudem versuchsweise ein Mireo Plus H auf dem Netz der Bayerischen Regiobahn unterwegs.

Zum Einsatz kommen die neuen Fahrzeuge auf der 32,3 Kilometer langen RB 42 zwischen Mühldorf in Oberbayern und Burghausen. Dort bietet der Betreiber Südostbayernbahn (SOB) von frühmorgens bis Mitternacht einen Stundentakt mit zusammen 20 Zugpaaren an. Insgesamt werden acht Stationen bedient, die Fahrzeit beträgt pro Richtung durchschnittlich 35 Minuten. Bisher sind auf der RB 42 nicht klimatisierte dieselhydraulische Triebzüge des Baureihe 628.4 unterwegs, die in den Jahren 1992 bis 1996 gebaut wurden.

Auf der Strecke Mühldorf – Tüßling – Burghausen sind bisher Triebzüge des Typs 628.4/928.4 aus den 1990er-Jahren unterwegs.(Bild:  Richard Oed)
Auf der Strecke Mühldorf – Tüßling – Burghausen sind bisher Triebzüge des Typs 628.4/928.4 aus den 1990er-Jahren unterwegs.
(Bild: Richard Oed)

Die neuen zweiteiligen Mireo Plus H sind als wasserstoffbetriebene elektrische Triebzüge (Hydrogen Electric Multiple Unit / HEMU) durch ihren elektrischen Antrieb nicht nur leiser als die bisher eingesetzten Fahrzeuge, sondern mit einer Anfahrbeschleunigung von bis zu 1,1 m/s2auch wesentlich spurtstärker. Sie verfügen über eine Antriebsleistung von 1,7 MW und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h.

Eine Tankfüllung reicht für rund 1.200 Kilometer

Beeinflusst von Auslastung, Fahrweise und Streckenprofil beträgt die Reichweite einer Tankfüllung bis zu 1.200 Kilometer. Sie ist damit um ein Vielfaches größer als die von batterieelektrischen Triebwagen (Battery Electric Multiple Units, BEMU), die mit einer Batterieladung zwischen 80 und 120 Kilometer weit kommen. Ein Tankvorgang dauert – abhängig von der Ausführung der Tankstelle – dank der Schnellbetankungsfunktion der Züge etwa 15 Minuten. Die aerodynamischen Wagenkästen sind als selbsttragende, geschweißte Leichtbaustruktur in Aluminium-Integralbauweise gefertigt und tragen so zum energiesparenden Betrieb bei.

Die Brennstoffzellen der zweiten Generation sind auf dem Dach montiert und werden über ebenfalls auf dem Dach angeordnete Wasserstofftanks versorgt und speisen ihre elektrische Energie in die unterflur aufgehängten Traktionsbatterien ein. Diese versorgen dann die vier Fahrmotoren (Achsfolge Bo´ 2´ Bo´). Die Leistungselektronik der Stromrichter und der Hilfsbetriebe-Umrichter ist in Siliziumkarbid-Technologie (SiC ) aufgebaut und trägt so auch zur Effizienz bei.

Für die Fahrgäste stehen pro Zug neun Fahrradstellplätze zur Verfügung, zudem sorgen hochfrequenzdurchlässige Scheiben für einen verbesserten Mobilfunkempfang. Das Niederflurdesign der Fahrzeuge erlaubt einen komfortablen Ein- und Ausstieg. Als Zugsicherungssystem ist das European Train Control System (ETCS) verbaut.

Es wird schon weiter geplant

Die Beschaffung der neuen Wasserstoffzüge war Bestandteil einer europaweiten Ausschreibung des Liniensterns Mühldorf, der alle nicht elektrifizierten Strecken in Südostbayern umfasst. Im September 2023 gewann die Südostbayernbahn (SOB) wieder den Betreibervertrag. Dieser läuft von Dezember 2024 bis Dezember 2035, mit einer Option auf Verlängerung um weitere drei Jahre. Muttergesellschaft der SOB ist die DB RegioNetz Verkehrs GmbH. Diese ist wiederum eine hundertprozentige Tochter von DB Regio und betreibt insgesamt fünf Regio-Netze in Deutschland. Bei diesen ist der jeweilige Betreiber sowohl für den Verkehr als auch für die Infrastruktur, die Werkstätten und den Vertrieb selbst verantwortlich. Die SOB ist dabei bezüglich der Streckenlänge mit 574 km und der geleisteten Zugkilometer mit 8,2 Millionen pro Jahr das größte dieser Netze.

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Für die Ausgestaltung des Verkehrs nach Ablauf des laufenden Betreibervertrags hat das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr im März 2025 bei der Koblenzer BPV Consult GmbH ein Gutachten zum möglichen Betrieb des Liniensterns mit alternativen Antrieben in Auftrag gegeben. Vorgesehen – und im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten – ist zudem die Elektrifizierung der wichtigsten Strecken rund um Mühldorf. Diese liegt allerdings in der Verantwortung des Bundes. (se)

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