Bahntechnik Siemens-Wasserstoffzüge erstmals im Fahrgasteinsatz

Von Richard Oed * 3 min Lesedauer

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Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 sind bei der Bayerischen Regiobahn und der Niederbarnimer Eisenbahn neue, mit Wasserstoff betriebene Triebzüge im Einsatz. Ziel ist es, die CO₂-Emissionen zu senken.

Mit dem Mireo Plus H läutet die Niederbarnimer Eisenbahn eine neue Epoche auf der Heidekrautbahn ein.(Bild:  Christian Bedeschinski/NEB Betriebsgesellschaft mbH)
Mit dem Mireo Plus H läutet die Niederbarnimer Eisenbahn eine neue Epoche auf der Heidekrautbahn ein.
(Bild: Christian Bedeschinski/NEB Betriebsgesellschaft mbH)

Gleich zwei Bahngesellschaften haben zum Fahrplanwechsel 2024 den Fahrgastbetrieb mit wasserstoffbetriebenen Triebzügen vom Typ Mireo Plus H aus dem Hause Siemens Mobility aufgenommen. So stellte die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) zum 15. Dezember 2024 ihre Heidekrautbahn auf die mit grünem Wasserstoff betriebenen Triebzüge um. Insgesamt sieben Züge dieses Typs verkehren seitdem im Regelbetrieb auf der RB27 zwischen Berlin Gesundbrunnen und Berlin-Karow sowie Groß Schönebeck bzw. Schmachtenhagen. Nach der geplanten Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf werden sie dort ebenfalls eingesetzt. Den für die Fahrten benötigten Wasserstoff erzeugt dabei ein Hybridkraftwerk aus regionaler Wind- und Sonnenenergie. Die Fahrzeuge, Anlagen und die Tankstelle sind Teil des Projekts „Wasserstoffschiene Heidekrautbahn“, das vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr und dem Brandenburgischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie gefördert wird.

Die sieben Triebzüge mit einer Reichweite von bis zu 1.200 Kilometern sparen jährlich rund 1,1 Millionen Liter Diesel ein und reduzieren den CO₂-Ausstoß um circa 3.000 Tonnen. Bis zum Sommer 2025 nimmt die NEB im Netz Ostbrandenburg zusätzlich 31 batteriebetriebene Züge des Typs Mireo Plus B mit einer Reichweite von bis zu 120 Kilometern in Betrieb. Dadurch sinken die lokalen CO₂-Emissionen nochmals um etwa 11.500 Tonnen pro Jahr und es werden rund 4,4 Millionen Liter Diesel eingespart. Diese lokal emissionsfreien Fahrzeuge lösen schrittweise die bestehenden älteren Dieseltriebzüge ab. Next Mobility stellte den Siemens Mireo Plus B bereits ausführlich vor.

Optisch etwas schlichter, von der Technik her aber identisch mit den Zügen der NEB kommt der Wasserstoffzug für die bayerische Regiobahn daher.(Bild:  Richard Oed)
Optisch etwas schlichter, von der Technik her aber identisch mit den Zügen der NEB kommt der Wasserstoffzug für die bayerische Regiobahn daher.
(Bild: Richard Oed)

Tests auch in Bayern

In Bayern erprobt die Bayerische Regiobahn (BRB) seit dem 16. Dezember 2024 einen Mireo Plus H zunächst auf der RB77 zwischen Augsburg und Füssen im Netz Ostallgäu-Lechfeld. Später wird der Zug zusätzlich auf der RB67 zwischen Augsburg und Peißenberg im Netz Ammersee-Altmühltal auf Reisen sein. Der auf 30 Monate ausgelegte und vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr geförderte Versuch soll Aufschluss über die Zuverlässigkeit und die Machbarkeit von Wasserstoffzügen als Alternative für Strecken ohne Elektrifizierungsperspektive geben, die für Batteriezüge zu lang sind. Denn Bayern will, so Christian Bernreiter, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, „den Dieselbetrieb im bayerischen Schienenpersonennahverkehr bis 2040 beenden.“

Bereits am 23. September 2024 stellte die BRB zusammen mit Vertretern der Bayerischen Staatsregierung, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG als Aufgabenträger, von Siemens Mobility als Projektbeteiligtem und von DB Energie als Wasserstofflieferant das Fahrzeug im Betriebswerk Augsburg vor. Christian Bernreiter, Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie Arnold Schuchmann, Geschäftsführer der BRB, tauften den Zug im Rahmen der Veranstaltung dabei mit Lech- und Wertachwasser auf den Namen „Freistaat Bayern“.

Sichtlich Spaß hatten Christian Bernreiter, Bayerischer Verkehrsminister, Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer BRB, und Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium bei der Zugtaufe mit Wasser aus Lech und Wertach.(Bild:  Richard Oed)
Sichtlich Spaß hatten Christian Bernreiter, Bayerischer Verkehrsminister, Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer BRB, und Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium bei der Zugtaufe mit Wasser aus Lech und Wertach.
(Bild: Richard Oed)

Betankt wird der Zug in Augsburg über eine mobile Wasserstofftankstelle von DB Energie. Diese erzeugt den grünen Wasserstoff in ihrem Tübinger Innovationshub aus regenerativen Energien und liefert ihn per Lkw zur Tankstelle nach Augsburg. Damit beginnt auch der Test für eine verlässliche Wasserstoffversorgung im fahrplanmäßigen Einsatz.

Die mobile Wasserstofftankstelle (vorne) betreibt DB Energie im Auftrag der BRB. Hergestellt wird der Wasserstoff in Tübingen und angeliefert mittels eines Speichertrailers (hinten).(Bild:  Richard Oed)
Die mobile Wasserstofftankstelle (vorne) betreibt DB Energie im Auftrag der BRB. Hergestellt wird der Wasserstoff in Tübingen und angeliefert mittels eines Speichertrailers (hinten).
(Bild: Richard Oed)

Reichweite bis 1.200 km

Der zweiteilige Mireo Plus H mit der Achsfolge Bo´ 2´ Bo´ besitzt eine Reichweite von bis zu 1.200 km und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Die Leistung des 46,56 Meter langen Triebzugs beträgt 1.700 kW, die Anfahrbeschleunigung bis zu 1,1 m/s2. Die Achslast ist geringer als 20 Tonnen. Zum Einsatz kommen Brennstoffzellen der zweiten Generation der Firma Ballard und Lithiumtitanat-Batterien der Firma Saft mit einer hohen Lade- und Entladeleistung. Durch die Verwendung von Silizium-Karbid-Leistungshalbleitern sind die Fahrzeuge sehr energieeffizient. Die Züge der NEB verfügen über 134 Sitzplätze und eine Einstiegshöhe von 800 mm. Damit unterscheiden sie sich von dem bei der BRB eingesetzten Zug, der 120 Fahrgästen Platz bietet und eine Einstiegshöhe von 610 mm aufweist. Unterschiedlich ist auch die Innenausstattung der Triebzüge, die an die Einsatzbedingungen angepasst ist.

Blick in den Mehrzweckbereich des Wasserstoffzugs für die Heidekrautbahn, der speziell für den Transport vieler Fahrräder ausgelegt ist.(Bild:  Richard Oed)
Blick in den Mehrzweckbereich des Wasserstoffzugs für die Heidekrautbahn, der speziell für den Transport vieler Fahrräder ausgelegt ist.
(Bild: Richard Oed)

Alle besitzen drei Einstiegstüren pro Seite für einen schnellen Fahrgastwechsel. Weiterhin sind große Fahrgastinformationssysteme, WLAN und ein Sicherheitsüberwachungssystem vorhanden. (se)

* Richard Oed ist freier Mitarbeiter bei Next Mobility und ELEKTRONIKPRAXIS

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