Motown-Comeback Die „Big Three“ laufen zu neuer Größe auf

Quelle: sp-x

Nachdem die alte US-Autowelt aus Detroit lange Jahre abgeschlagen wirkte und im Rennen gegen Tesla und Co als Verlierer dastand, meldet sich Motown jetzt zurück – und bläst mit Milliarden-Investitionen zur Aufholjagd.

Mit dem F-150 Lightning hat Ford einen echten Treffer gegen Tesla gelandet.
Mit dem F-150 Lightning hat Ford einen echten Treffer gegen Tesla gelandet.
(Bild: Ford)

Verfallene Fabriken, ausgebrannte Häuser, verlassene Straßenzüge und selbst in Downtown nach Ladenschluss verstörende Dunkelheit – wer noch vor fünf Jahren durch Detroit gelaufen ist, der hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Und so, wie es um die Stadt bestellt war, wurden auch jene Unternehmen bewertet, die Detroit einmal großgemacht haben. General Motors, Ford und der Verbund von Chrysler, Jeep und Ram – so richtig „Big“ erschienen die drei vermeintlich großen Autobauer nicht mehr.

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Und vor allem traute ihnen niemand mehr eine große Zukunft zu: Während mit Tesla und all den Start-ups an der US-Westküste das neue Herz der amerikanischen Autoindustrie immer lauter zu schlagen begann, wurde das alte Herz zusehends ruhiger und schwächer, die „Big Three“ schienen als Dinosaurier zum Aussterben verdammt und der Motown-Sound drohte aus den Hitparaden der Kfz-Zulassungen zu verschwinden.

Doch das Urteil war vorschnell und erweist sich offenbar als falsch – denn während die Innenstadt aufblüht und die Immobilienbranche so manche Brache zurückerobert, bereiten Ford, General Motors sowie der amerikanische Arm der Stellantis-Allianz ein mächtiges Comeback für Motown vor und holen sich mit Milliarden-Investitionen die Deutungshoheit über die Zukunft des Autos amerikanischer Machart zurück.

Ford bringt mit Mach-E Alternative zum Model X

Den Anfang hat dabei Ford gemacht. Schon der Mustang Mach-E war mehr als ein Schuss vor Teslas Bug. Er wird in den USA als einzige echte Alternative zum Model X akzeptiert. Mit dem F-150 Lightning haben sie gar vollends zum Befreiungsschlag angesetzt. Denn während der Tesla Cybertruck noch immer nicht auf der Straße ist, hat Ford mit der elektrischen Version des meistverkauften US-Autos einen maßgeblichen Schritt auf den Massenmarkt gemacht.

Dafür hat Konzernchef Jim Farley die Firma allerdings komplett umgekrempelt: So, wie seine Vorgänger vor über hundert Jahren mit dem Model T das Fließband eingeführt haben, hat er für den Lightning die ganze Firma gespalten, die alte Welt in „Ford Blue“ belassen und die neue im „Model E“ mit einem Fünfjahres-Budget von 50 Milliarden Dollar in die Zukunft geschickt.

Ford holt Experten von Apple und Tesla

In einer von überflüssigen Hierarchien befreiten Start-up-Kultur sollen dort bei Apple und Tesla abgeworbene Experten wie Alan Clark und Doug Field nicht weniger leisten als die Neuerfindung des iPhones, nur diesmal bitte auf Rädern: „Gute Autos wird es bei uns deshalb nicht mehr geben", sagt Model E-Entwicklungschef Darren Palmer, „wenn sie nicht die Welt aus den Angeln heben, dann bauen wir sie nicht.“ Und mit dem elektrischen Pick-up machen sie jetzt den Anfang.

„Läuft bei denen”, lobt Martin French, der US-Chef des Münchner Strategieberaters Berylls: „Mit dem Mach-E haben sie sich die volle Aufmerksamkeit der Generation E gesichert. Und jetzt, mit der E-Version des liebsten Lasters der Amerikaner, mit einem niedrigen Einstiegspreis und mit viel Lob von den gusseisernen Pick-up-Fans haben sie einen echten Treffer gegen Tesla gelandet,” lobt French. Nehme man noch die elektrischen Nutzfahrzeuge dazu und die neue Aufteilung der Firma, könne Jim Farley vergleichsweise gelassen ins Duell mit Elon Musk gehen, rühmt der Experte das Motown-Comeback.

GM will bis 2040 CO2-neutral sein

Auch der früher mal größte Autohersteller der Welt hat endlich die Zeichen der Zeit erkannt und sich der neuen Mobilität verschrieben: General Motors wird elektrisch, predigt Vorstandschefin Mary Barra bei jeder Gelegenheit und weil sie es offenbar ernst meint, hat sie dafür jetzt noch einmal das Budget aufgestockt und gleichzeitig das Tempo angezogen: Die GM-Chefin will die Transformation mit 27 Milliarden Dollar beschleunigen, den amerikanischen Riesen bis 2040 zum CO2-neutralen Unternehmen umbauen und sich schon 2035 vollends vom Verbrenner verabschieden.

Allein bis 2025 will sie dafür im Windschatten von Volumen-Modellen wie dem Cadillac Lyric oder dem Chevrolet Silverado und Aushängeschildern wie einer elektrischen Corvette oder dem Hummer EV vor allem auf ihrer sogenannten Ultium-Plattform weltweit 30 neue Elektroautos auf den Markt bringen und so endlich auch in Europa wieder einen Fuß auf den Boden bekommen.

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