Automatisiertes Fahren Autopilot-Systeme: Die Preise in China purzeln in den Keller

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

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Wird das autonome Fahren in China jetzt spottbillig? Möglich ist es, glaubt man den Ankündigungen des Herstellers DJI Automotive. Er hat gerade einen Autopiloten auf den Markt gebracht, dessen Hardware nur noch 7.000 Yuan kostet. Das sind gerade einmal etwas mehr als 900 Euro pro Auto.

Wird autonomes Fahren in China jetzt richtig günstig? Möglich ist es, so DJI Automotive. (Bild:  frei lizensiert bei Pixabay)
Wird autonomes Fahren in China jetzt richtig günstig? Möglich ist es, so DJI Automotive.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)

Bislang sind autonome und ADAS-Fahrfunktionen für relativ teure „Smart Cars“ reserviert, viele davon Vertreter der neuen Spezies „intelligentes E-Auto“. Doch auch die Fahrer von billigen Verbrenner-Kutschen, bombardiert mit der Werbung der Industrie, träumen zunehmend vom Autopiloten. Genau auf sie – und die Käufer günstiger E-Autos – hat DJI Automotive es jetzt abgesehen.

Kostengünstige Lösungen

Es ist so eine Art Ikea-Schrank unter den autonomen Fahr-Konfigurationen, den das Unternehmen gerade auf der Fachmesse China EV 100 Forum vorgestellt hat. Sein Basismodell 7V+32 TOPS könne jetzt ganz einfach auf 7V-100TOPS nachgerüstet werden, ohne dass neue, teurere Sensoren notwendig werden, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Mit Hardware-Kosten von etwa 7.000 Yuan, was umgerechnet rund 908 Euro entspricht, könnten Hersteller ihren Käufern jetzt Autopiloten auf der Autobahn und innerhalb großer Städte anbieten. Letztere innerstädtische Lösung, in China unter dem Kürzel NOA bekannt, erobert gerade den Markt.

Noch in diesem Jahr sollen 20 Automodelle verschiedener Hersteller in China mit dieser Chengxing-Plattform genannten Technik von DJI Automotive auf den Markt kommen, ließ Shen Shaojie, Leiter der Abteilung Automotive Systems, bei DJI Automotive auf der Fachmesse verlauten.

Eigene Algorithmen in Kombination mit aufgerüsteten Hardware-Funktionen

Diese Ankündigung war nicht unabhängig überprüfbar, ist aber vermutlich auch nicht nur reine Angeberei. Man wolle den Autopiloten und andere autonome Fahrfunktionen ins Segment der Automodelle mit Preisen zwischen 80.000 und 250.000 Yuan – also zwischen rund 10.400 und 32.400 Euro – etablieren, so Shen. „Unter den Zulieferern von Smart- Driving-Produkten in China und sogar weltweit ist DJI Automotive ein Unternehmen, das ernst genommen werden muss,“ kommentiert das Autofachportal Gasgoo. Die Firma mache rapide Fortschritte auf dem Weg zur “ultimativen Kosten-Effizienz“. Durch eigene Algorithmen und das Aufrüsten existierende Hardware-Konfigurationen können nun Autopilot- und andere L2-Funktionen „ohne Abhängigkeit von Hochpräzisions-Karten und Lidar” realisiert werden, heißt es bei DJI Automotive.

Neuer Autopilot im Tiguan L Pro

Angaben des Unternehmens zufolge soll der erste günstige Benziner auf dem chinesischen Markt, der mit dem neuen Autopiloten ausgerüstet ist, der Tiguan L Pro von SAIC Volkswagen werden. Das neue Modell solle in China schon bald auf den Markt kommen.

Neben günstigen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor rückt diese billige Hardware-Lösung das autonome Fahren auch in die Reichweite von Besitzern günstiger E-Autos. Bislang ist die Marktpenetration komplizierter Autopiloten im Segment unterhalb eines Kaufpreises von 250.000 Yuan, also 32.400 Euro, noch sehr gering.

Neuer Player

DJI ist weltweit vor allem als Hersteller von Drohnen bekannt. Aus Sicht des 2006 von dem Robotik-Bastler Frank Wang gegründeten Unternehmens in Shenzhen sind autonome Fahrzeuge aber eigentlich auch nichts anderes als Drohnen auf vier Rädern. 2019 gründete man DJI Auto und machte es 2022 im Zuge eines Spin-Offs zu einem eigenständigen Unternehmen, das jetzt von der Mutter Shenzhen Zhouyu Technology betrieben wird. In nur wenigen Jahren ist der Ableger der Drohnen-Firma jetzt zu einem der ganz großen Anbieter autonomer Fahrtechnologie in China geworden, macht unter anderem dem ebenfalls in diesem Segment aktiven Huawei Konkurrenz.

Ohne Schnickschnack, sondern günstig

Die Entwicklung hin zu bezahlbaren, so genannten No-Frills-Lösungen beim autonomen Fahren ist eine für China durchaus typische Geschichte. Chinesische Entwickler und Unternehmer mögen nicht immer die Ersten sein, die irgendwas erfinden, aber sie sind häufig die ersten, die aus neuen Erfindungen massentaugliche Produkte machen.

Das heißt allerdings nicht, dass man in der C-Suite des Unternehmens weniger stolz wäre als bei anderen Tech-Unternehmen. Bei der Vorstellung seines Autopiloten für 7.000 Yuan konnte es sich Shen Shaojie nicht verkneifen, über die Schwierigkeiten dieser Produktentwicklung zu sprechen.

Beim autonomen Fahren eine kostengünstige Lösung zu bauen sei ungefähr so wie der Versuch, einen „Wald aus der Schale einer Wassermelone zu schnitzen“, so der Manager. Man könne sich vorstellen, wie schwierig das sei.  (se)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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