Bahntechnik Alstom liefert bis zu 374 neue U-Bahnen für Hamburg

Von Richard Oed * 4 min Lesedauer

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Neue halb- und vollautomatische Züge und ein modernes Zugbeeinflussungssystem sollen ab 2028 das U-Bahn-Netz in Hamburg leistungsfähiger machen. Dazu schlossen die Hamburger Hochbahn und der Bahntechnikhersteller Alstom einen Rahmenvertrag ab.

Auf der neuen U5 wird ab 2028 die vollautomatische Variante DT6-A der neuen Züge zum Einsatz kommen.(Bild:  Hamburger Hochbahn)
Auf der neuen U5 wird ab 2028 die vollautomatische Variante DT6-A der neuen Züge zum Einsatz kommen.
(Bild: Hamburger Hochbahn)

Am 10. Juli 2024 haben die Hamburger Hochbahn (HHA) und Alstom einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 374 voll- und halbautomatischen U-Bahn-Zügen des Typs DT6 für Hamburg abgeschlossen. Zusätzlich liefert Alstom für die 25 km lange Neubaustrecke der Linie U5 sein Computer Based Train Control System Urbalis (CBTC). Auf dieser Strecke werden die Fahrzeuge dann fahrerlos und vollautomatisch gemäß dem Automatisierungslevel 4 (Grade of Automation 4 / GoA 4) im 90-Sekunden-Takt unterwegs sein. Das System ermöglicht es auch, die Kommunikationstechnik, die Fahrgastinformationen und die Bahnsteigtüren zu steuern. Der Gesamtvertrag hat einen Wert von bis zu 2,8 Milliarden Euro und ist der bisher größte von der HHA vergebene Einzelauftrag. Mit den neuen Triebzügen ist die Hamburger U-Bahn in der Lage, bis 2050 die Zahl der Fahrzeuge, um bis zu 50 Prozent zu erhöhen.

Von den im Rahmenvertrag festgelegten maximal 374 zu liefernden Zügen des Typs DT6 sind 254 Garnituren für das Bestandsnetz als Untertyp DT6-F mit Fahrer vorgesehen. Sie sollen die zwischen 1988 und 2006 gebauten Triebwagen des Typs DT4 nach und nach ersetzen und auf Teilen des Netzes halbautomatisch eingesetzt werden. Der vollautomatische und fahrerlose Untertyp DT6-A umfasst 120 Fahrzeuge. Sie sind für den Betrieb auf der U5 bestimmt.

So soll nach Vorstellung der Designer der halbautomatische DT6-F aussehen. (Bild:  Alstom | Advanced & Creative Design)
So soll nach Vorstellung der Designer der halbautomatische DT6-F aussehen.
(Bild: Alstom | Advanced & Creative Design)

Beide Subtypen bauen auf der Metroplattform Metropolis von Alstom auf. Diese zeichnet sich laut Hersteller durch flexible Konfigurationen, einen niedrigen Geräuschpegel, eine hohe Recyclingfähigkeit und eine verbesserte Energieeffizienz aus.

Erste Fahrzeuge abgerufen

Der Erstabruf der HHA besteht aus 48 Triebzügen: 41 DT6-F und 7 DT6-A. Zusätzlich beinhaltet der Abruf die CBTC-Ausrüstung des ersten Abschnitts der U5 zwischen Bramfeld und City Nord/Borgweg und von fünf der insgesamt 23 neuen U-Bahn-Stationen. Alstom wird die Züge ab 2026 an seinem Standort Salzgitter produzieren. Für die Leit- und Sicherungstechnik ist Alstoms Standort Berlin zuständig. Der Auslieferungsbeginn ist für Anfang 2028 geplant, dann startet auch der Testbetrieb auf der Teilstrecke der U5, im Folgejahr der Fahrgastbetrieb.

Neue Wege beschritt die HHA beim Design der Fahrzeuge. Statt, wie noch beim Vorgänger DT5, den Auftrag schon vor der Klärung der technischen Anforderungen und vor der Festlegung des Designs zu vergeben, entwickelte die Hamburger Hochbahn das Konzept des DT6 selbst und machte dieses zur Grundlage der Ausschreibung. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass die Fahrgäste in die Entwicklung einbezogen werden konnten und auch das Wissen der HHA als Betreiber direkt einfließen konnte. Somit verfügt Alstom als Auftragnehmer über klare Vorgaben als Basis für die Konstruktion der Züge.

Der in verschiedene Bereiche aufgeteilte Fahrgastraum ist hell und freundlich. Die Türen sind auch im unteren Bereich verglast.(Bild:  Alstom | Advanced & Creative Design)
Der in verschiedene Bereiche aufgeteilte Fahrgastraum ist hell und freundlich. Die Türen sind auch im unteren Bereich verglast.
(Bild: Alstom | Advanced & Creative Design)

Wie bereits der Vorgängertyp wird der DT6 das klassische Hamburger Aussehen in Edelstahl mit roten und silbernen Elementen besitzen. Eine deutlich erkennbare Neuerung sind die Türen: Sie sind fast vollständig aus Glas und sollen laut Hochbahn das Fahrzeug transparenter erscheinen lassen. Die Triebzüge sind durchgängig begehbar und 40 Meter lang. Sie können allein oder im Verbund als 80- oder 120-Meter-Züge eingesetzt werden. Dann finden bis zu 850 Fahrgäste Platz, beim DT6-A durch den Wegfall der Führerstände sogar bis zu 900.

Kürzere Wagen für mehr Fahrgäste

Im Gegensatz zum dreiteiligen DT5 wird der DT6 über vier Wagen verfügen. Das zusätzliche Drehgestell bringt den Vorteil, dass die neuen Züge mehr Passagiere können und trotzdem die durch die alten Brücken und Viadukte auf maximal 10 Tonnen begrenzte Achslast nicht überschreiten. Weil die Einzelwagen auch kürzer sind, kann das Lichtraumprofil der Hamburger U-Bahn besser ausgenutzt werden. So sind die Wagen breiter, nämlich 2,73 Meter vs. 2,60 Meter beim DT5 und sie minimieren den Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante – speziell bei in Kurven gelegenen Bahnsteigen – und verbessern so die Barrierefreiheit.

Der neue Zug verfügt über 44 aufgabenspezifische Informationsdisplays, um den Reisenden die Orientierung zu erleichtern. So zeigen diese im Türbereich und in den Multifunktionsbereichen Fahrziel und die nächsten Haltestellen an, es gibt einen interaktiven Netzplan und eine Portalanzeige weist auf die Ausstiegsrichtung hin.

Insgesamt können sich die Fahrgäste auf „neue U-Bahnen mit modernen Fahrgastinformationssystemen, Klimaanlagen, USB-Ladestationen und Panoramafenstern freuen“, so Müslüm Yakisan, Präsident Region DACH bei Alstom. Und Robert Henrich, Vorstandsvorsitzender der Hochbahn ergänzt: „Die Fahrzeuge bieten nicht nur modernste Technik, sondern sind von der Hochbahn so entwickelt worden, dass sie das Optimum aus dem über 100 Jahre alten Netz mit engen Tunneln und historischen Brücken und Viadukten herausholen.“

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Eine wichtige Rolle spielte bei der Ausschreibung das Thema Nachhaltigkeit. So soll die Recyclingquote bei den Fahrzeugen bei mindestens 94 Prozent liegen.  (se)

* Richard Oed ist als freier Mitarbeiter für die ELEKTRONIKPRAXIS und Next Mobility tätig.

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