Bahntechnik Alstom baut neue S-Bahnen für das Rheinland

Von Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed 4 min Lesedauer

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Mit 90 neu konstruierten Fahrzeugen des Herstellers Alstom wird die S-Bahn im Raum Köln fit für die Zukunft. Die ab 2029 zu liefernden Triebzüge verfügen über flexibel ausführbare Innenräume und ermöglichen einen schnellen Fahrgastwechsel.

Bis zu 90 neukonstruierte Fahrzeuge sollen bei der S-Bahn Köln ab 2033 im Einsatz sein.(Bild:  Alstom | Advanced & Creative Design)
Bis zu 90 neukonstruierte Fahrzeuge sollen bei der S-Bahn Köln ab 2033 im Einsatz sein.
(Bild: Alstom | Advanced & Creative Design)

Bereits am 24. Juli 2024 haben die beiden Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV), go.Rheinland und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bekannt gegeben, dass Alstom aus einem mehrstufigen und europaweiten Vergabeverfahren über neue Fahrzeuge für das Kölner S-Bahn-Netz als Gewinner hervorgegangen ist. Vor einigen Wochen, am 20. November 2024, unterzeichneten die Projektpartner in Anwesenheit von Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, schließlich den Herstellervertrag über die neuen S-Bahn-Züge. Alstom liefert im Rahmen dieses Vertrags bis zu 90 Triebzüge, übernimmt während der 30-jährigen Laufzeit die Wartung und stellt die tägliche Verfügbarkeit sicher. Gleichzeitig gaben die Aufgabenträger die Umbenennung der „S-Bahn Köln“ in „S-Bahn Rheinland“ bekannt: „Wir denken die Mobilität der Menschen im Rheinland gesamthaft. Das soll sich auch in der Marke widerspiegeln,“ sagt der go.Rheinland-Geschäftsführer Marcel Winter. Die neue Marke wird bereits vor dem Einsatz der neuen Alstom-Züge schrittweise sichtbar.

Die Fahrzeuge des Alstom-Typs Adessia sind 150 und 170 Meter lang. Ihre Innenräume sind flexibel gestaltbar und je nach Einsatzzweck variabel anpassbar. Damit ist es möglich, die Triebwagen auf die Anforderungen der Reisenden auf der jeweiligen Einsatzstrecke abzustimmen. Obwohl die durchschnittliche Reisezeit in der S-Bahn Rheinland circa 25 Minuten pro Fahrt beträgt, setzt sich diese aber sowohl aus kurzen Fahrten in der Innenstadt als auch aus langen Reisen von bis zu einer Stunde in den ländlichen Raum zusammen. Um diesen Anforderungsspagat zu bewältigen, bieten die neuen Züge einen Mix aus unterschiedlichen Modulen.

Verschiedene Module schaffen Flexibilität

So ist neben dem klassischen Sitzmodul in Vis-à-Vis-Anordnung auch ein Vis-à-Vis-Flexmodul vorhanden, dessen Sitze bei Bedarf umschwenkbar oder einfahrbar sind. In den Zügen sind zudem Mehrzweck- und Rollstuhl-Module mit Klappsitzen und ein neues Komfortstehplatz-Modul vorhanden. Ebenfalls neu ist, dass bei den bestellten Triebwagen in jedem Endwagen ein WC eingebaut wird. Laut den Projektbeteiligten sind sie damit in Deutschland die Ersten mit Toiletten ausgestatteten hochflurigen S-Bahn-Züge.

Das Rollstuhl-Modul der neuen Züge.(Bild:  Alstom | Advanced & Creative Design)
Das Rollstuhl-Modul der neuen Züge.
(Bild: Alstom | Advanced & Creative Design)

Ferner verfügen die Züge über WLAN, Steckdosen und eine für Außentemperaturen von –25 bis 45 °C ausgelegte Klimaanlage. An jedem Einstieg gibt es einen Mehrzweckbereich mit einer großen Stellfläche für Kinderwagen und Fahrräder, in jedem Endwagen Rollstuhlbereiche. An den jeweils ersten und letzten beiden Einstiegen der Züge ist eine Spaltüberbrückung für einen niveaugleichen Einstieg eingebaut. Für Hörgeschädigte ist eine digitale Höranlage über Bluetooth vorhanden, die Außenscheiben sind mobilfunkdurchlässig. „Wir haben ein komplett neu konstruiertes Fahrzeug in Auftrag gegeben, das abgestimmt auf die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen in unserer Region ist. Damit heben wir die S-Bahn-Flotte auf ein neues Niveau und freuen uns schon heute auf den Einsatz der Alstom-Züge“, so go.Rheinland-Geschäftsführer Michael Vogel.

Neu ist das Komfortstehmodul bei den Fahrzeugen von Alstom.(Bild:  Alstom | Advanced & Creative Design)
Neu ist das Komfortstehmodul bei den Fahrzeugen von Alstom.
(Bild: Alstom | Advanced & Creative Design)

Probebetrieb startet 2029

Derzeit planen die Projektbeteiligten, dass die ersten neuen Züge ab Mitte 2029 im Rahmen eines Probebetriebs auf den Strecken im Rheinland und im Ruhrgebiet eingesetzt werden. Ziel ist, alle Neufahrzeuge sukzessive bis zum Fahrplanjahr 2033, d. h. bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2032, auf die Schienen zu bringen. Alstom führt die Entwicklung und Fertigung der Triebzüge zu einem großen Teil an seinen deutschen Standorten durch. So ist Henningsdorf bei Berlin der zentrale Entwicklungsstandort für das Fahrzeug, die Zugsicherungssysteme werden in Berlin und Mannheim entwickelt. Für die Entwicklung und teilweise die Produktion ist der Standort Siegen verantwortlich und Bautzen übernimmt die Produktion der Fahrzeuge.

Die Wartung und Instandhaltung übernimmt Alstom für 30 Jahre in Werkstätten in der Region Köln. Dabei kommt auch eine vorausschauende Instandhaltung durch den Einsatz digitaler Technologien zum Einsatz, um die Fahrzeugverfügbarkeit zu erhöhen und Wartungskosten zu reduzieren. Die entsprechenden Prozesse sollen während der Laufzeit des Vertrags kontinuierlich angepasst werden.

„Alstom wird hier komfortable und innovative Züge mit einem starken Fokus auf die Barrierefreiheit auf die Schiene bringen. Es freut uns ganz besonders, dass go.Rheinland und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr uns nicht nur mit der Lieferung der Fahrzeuge, sondern auch mit der Wartung über deren gesamten Lebenszyklus betraut haben,“ so Müslüm Yakisan, Präsident der Region DACH bei Alstom.

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Das Anzeigemodul über den Türen ermöglicht auch farbige grafische Darstellungen.(Bild:  Alstom | Advanced & Creative Design)
Das Anzeigemodul über den Türen ermöglicht auch farbige grafische Darstellungen.
(Bild: Alstom | Advanced & Creative Design)

Fahrzeuge gehören den Aufgabenträgern

Der Wert des Auftrags beläuft sich auf einen einstelligen Milliardenbetrag. Finanziert werden die Züge mit Mitteln der Europäischen Investitionsbank (EIB), der NRW.BANK, der KfW IPEX-Bank sowie der BayernLB. go.Rheinland und der VRR bzw. deren Eigenbetriebe werden die Eigentümer der neuen S-Bahn-Fahrzeuge und diese – wie beim NRW-RRX-Modell – den oder dem betreibenden Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zur Verfügung stellen. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2032 ist dies DB Regio. Für die Zeit danach bereiten die Aufgabenträger ein neues Vergabeverfahren zur Erbringung der Betriebsleistungen vor. Dafür wird derzeit mit rund 14,2 Millionen Zugkilometern pro Jahr geplant, später sind 20,1 Millionen Zugkilometer vorgesehen. Dazu muss im Bahnknoten Köln aber an diversen Stellen noch die Infrastruktur angepasst werden.

Das Netz der S-Bahn Rheinland umfasst die Linien S 6 von Essen über Düsseldorf bis Köln-Worringen, die Linie S 11 von Düsseldorf Flughafen über Köln bis Bergisch Gladbach, die Linie S 12 von Horrem/Sindorf bis Au (Sieg), die Linie S 19 von Aachen/Düren bis Au (Sieg) sowie die Linie S 68 von Langenfeld über Düsseldorf nach Wuppertal-Vohwinkel. In Zukunft kommen noch die Linie S 10 von Köln-Nippes bis Köln-Dellbrück, die Linie S 13 von Troisdorf bis Bonn-Oberkassel und die Linie S 38 (vormals RB 38) von Bedburg über Horrem nach Köln Messe/Deutz hinzu. Bis zur vorgesehenen Auslieferung der neuen Züge werden außerdem die bestehenden Fahrzeuge modernisiert, wie dies teilweise schon bei den aus Hannover übernommenen S-Bahnen der Baureihe 424 durchgeführt wurde. (se)

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