Mikromobilität Zwei Stadt-Pedelecs im Vergleichstest

Quelle: sp-x 3 min Lesedauer

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Leichte E-Bikes für die Stadt kombinieren niedriges Gewicht mit müheloser Fortbewegung und umweltbewusstem Verhalten. Was kostet sowas und wie funktioniert es? Wir haben es ausprobiert.

E-Citybike mal zwei: das „Tenways CGO600 Pro“ in Avocado-Grün (l.) und das „Ampler Stout“ in Evergreen.(Bild:  sp-x / Rudolf Huber)
E-Citybike mal zwei: das „Tenways CGO600 Pro“ in Avocado-Grün (l.) und das „Ampler Stout“ in Evergreen.
(Bild: sp-x / Rudolf Huber)

Nicht allzu großer Akku, nicht allzu kräftiger Antrieb – und vor allem: ein möglichst niedriges Gewicht. Diese Eigenschaften sollten E-Bikes mitbringen, die vornehmlich im Alltag in der Stadt genutzt werden. So wie die beiden Testkandidaten „Tenways CGO600 Pro“ und „Ampler Stout“.

Sie bringen es inklusive Batterie auf jeweils knapp 18 Kilo, das ist für Pedelecs ein guter Wert. Grundsätzlicher Unterschied: Der Tenways-Stromspender im Unterrohr ist zum Laden herausnehmbar, der des Ampler fest montiert. Heißt: Das Stout muss in einem Stück zur Steckdose – das ist nicht immer machbar und oft zumindest unpraktisch.

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Drei Unterstützungsstufen für 70 Kilometer Reichweite

Die Akkus haben eine Kapazität von 360 Wattstunden (Tenways) und 336 Wattstunden. Das reicht nach den Erfahrungen bei den Testfahrten für rund 70 bis 80 Kilometer, wenn man willens ist, auch eine Portion eigene Kraft in die Fortbewegung zu investieren.

Beide Kandidaten machen einem das leicht, weil ihre Hinterrad-Nabenmotoren kaum Widerstand gegen den menschlichen Input leisten. Sowohl ganz ohne E-Unterstützung als auch jenseits der Abriegelung bei 25 km/h.

Der Antrieb des Tenways, ein M070 des Herstellers Mivice, macht seine Sache auf rundum überzeugende Weise gut. Er wird vom Drehmomentsensor feinfühlig gesteuert und schiebt schon in der ersten von drei Power-Stufen sehr ordentlich an, in der dritten wird es gefühlt fast schon dynamisch. Das ist auch gut so, denn Tenways bietet das Citybike nur mit Singlespeed-Antrieb an.

Schalten ist nicht, wer also etwa an einer Steigung starten muss, freut sich über die deutlich spürbare Unterstützung, die über die zwei Tasten der Mini-Remote links am Lenker variiert wird. Sehr angenehm: der leise, saubere und wartungsarme Gates-Riemenantrieb statt der üblichen Kette.

Ampler belässt es bei zwei Unterstützungsstufen

Das Ampler Stout aus Estland setzt auf ein anderes Antriebskonzept. Sein hauseigener, ebenfalls gesetzeskonformer 250 Watt starker Motor wird mit einer 9-Gang-Kettenschaltung kombiniert. Das lässt theoretisch in jeden Fahrzustand mehr Variationsmöglichkeiten zu.

Allerdings eingeschränkt durch die Tatsache, dass es Ampler bei zwei Unterstützungsstufen belässt – und der E-Motor nicht zu den kräftigsten unter der Sonne zählt. Bei Steigungen heißt es als fleißig mitarbeiten, was allerdings durch die passende Gang-Abstufung erleichtert wird.

Bei der Bedienung setzen die Esten auf Purismus: Dem Stout ist auf den ersten Blick definitiv nicht anzusehen, dass es Strom im Unterrohr hat. Der leicht geschwungene Lenker ist frei von jeglichem zusätzlichen Schalter oder Display. Letzteres hat Ampler ins Oberrohr installiert. Ein Knopf unter selbigem reicht für die Bedienung: Lange drücken – eingeschaltet.

Noch mal drücken – Stufe 1, dann Stufe 2, dann keine Unterstützung. Bei der Betätigung des Knopfes leuchtet das Display kurz auf und signalisiert recht zuverlässig die verbliebene Reichweite. Nicht so ganz sinnvoll ist der Hinweis des Herstellers, dass das Knopfdrücken aus Sicherheitsgründen nur im Stehen erfolgen darf – das ist zwar sicher plausibel, aber völlig praxisfremd.

Drei vs. zwei Rahmengrößen

Bei Verarbeitung und Design liegen die Pedelecs ziemlich auf einem Niveau. Beide wirken auch beim genauen Hinsehen hochwertig, die Schweißnähte sind zum Teil komplett verschliffen, die Kabel weitgehend in den Rahmen verlegt.

Das Tenways setzt auf eine bewusst cleane, moderne Optik und unterstreicht die im Fall des Testrads mit einer sauberen Lackierung in Avocado-Grün. Die Stout-Lackierung heißt Evergreen, der Rahmen wirkt auf sympathische Weise leicht nostalgisch, das gebogene Rücklicht ist richtig elegant.

Die Sitzposition ist bei beiden Zweirädern recht komfortabel, Griffe, Hebel und Pedale machen einen soliden Eindruck. Vorteil Tenways: Der Vorbau des CGO600 Pro ist verstellbar, es gibt drei Rahmengrößen für 1,65 bis über zwei Meter große Nutzer. Die zwei Formate des Stout sollen für 1,70 bis zwei Meter große Menschen passen.

Kein klarer Gewinner

Smarte Funktionen per App unterstützen beide Räder, Schutzbleche und Seitenständer sind ebenfalls jeweils serienmäßig dran. Ein Gepäckträger kostet beim Ampler Pedelec 60 Euro, bei dem Modell von Tenways 59 Euro extra. Beim Basispreis liegen die City-Pedelecs ziemlich weit auseinander.

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Tenways verlangt nämlich angesichts des Gesamtpakets günstige 1.800 Euro, Ampler ambitionierte 2.890 Euro. Welches also nehmen? Ideal wäre, so das Test-Fazit, eine Kombination aus den beiden Rädern: die elektrischen Komponenten und deren Bedienung vom CGO600 Pro und die 9-Gangschaltung vom Stout.

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