Unu-Interview „Wir wollten den Tesla auf zwei Rädern bauen“

Quelle: sp-x 4 min Lesedauer

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Nur aus wenigen Start-ups wird hinterher eine Firma. Beim Roller-Hersteller Unu könnte das klappen. Die ersten Rückschläge wurden verkraftet, wie der Gründer verrät.

Unu-Gründer Pascal Blum reflektiert die Highlights und Tiefschläge der letzten Jahre.(Bild:  Unu)
Unu-Gründer Pascal Blum reflektiert die Highlights und Tiefschläge der letzten Jahre.
(Bild: Unu)

2013 wurde in Berlin die Elektro-Roller Marke Unu gegründet. Rund 15.000 emissionsfreie Scooter der 50er-Klasse konnte das Start-up seither hierzulande absetzen. Laut Firmengründer Pascal Blum ist damit gut jeder fünfte E-Scooter in Deutschland ein Unu und seine Rollermarke Marktführer.

Der Erfolg machte die Berliner euphorisch. Doch es gab auch Rückschläge. Jungunternehmer Blum ist dennoch zuversichtlich, Unu für die nächsten 10 Jahre und die Verkehrswende gut aufgestellt zu haben.

Wenn Sie auf 10 Jahre Unu zurückblicken: Was waren Highlights?

Gut gelaufen ist, dass wir das Unternehmen aus der Uni heraus gegründet und ein tolles Produkt selber entwickelt haben, was relativ schnell Anklang gefunden hat. 2018 waren wir schon Marktführer in Deutschland. Das ist besser gelaufen als wir erwartet hatten. Wir haben dann auch große Partner wie Bosch an Bord genommen, die unseren Service machen.

Was waren Tiefschläge?

Die großen Schwierigkeiten sind um das Jahr 2020 entstanden. Wenn man jung ist und es läuft gut, überschätzt man sich schnell selbst. Wir hatten damals das Gefühl, wir können einen Tesla auf zwei Räder bauen und alles selbst entwickeln – vom gesamten Fahrzeug, Elektronik sowie Software in der Cloud und App.

Mit diesem Anspruch sind wir an das nächste Modell, den Scooter Pro, gegangen. Wir haben außerdem den Kunden zugehört, um deren Wunschfahrzeug zu entwickeln und waren der Meinung, das schnell und kostengünstig hinzubekommen. Am Schluss hat es 5 Mal mehr gekostet und zudem länger gedauert als gedacht.

Woran hing es?

Anfang 2020 sind wir endlich in die Produktion gekommen. Wir produzieren in Asien. Doch bereits nach zwei bis drei Wochen war bei unserer Lieferkette Schicht im Schacht. Am Ende waren es sieben Monate, in denen wir unseren Kunden kein Produkt liefern und keinen Umsatz machen konnten. Da sind wir ganz hart mit den Risiken von Lieferketten konfrontiert worden.

Dann hat sich außerdem die Chipkrise entwickelt. Der Roller hat unglaublich viele Chips. Wir waren natürlich die Letzten hinter den ganzen Großen, die welche bekamen. Dann kamen noch die Container-Krise und ein Batterie-Rückruf vom ersten Produkt. Nach all dem Glück in den Jahren zuvor hat uns 2020 das Karma eingeholt.

Wie haben Sie reagiert?

Wir mussten die Firma ganz anders aufstellen, um durch diese Krise zu kommen. Wir haben unsere Supply Chain umstrukturiert, wir haben viel früher auf Vorrat bestimmte Komponenten gekauft. Wir haben die Logistik umgebaut. Außerdem mussten wir uns als Firma umstellen und verkleinern, um eine Kostenstruktur zu haben, mit der wir weiterleben konnten. Eine schwierige Phase.

Rückblickend können wir viele positive Entwicklungen auf die Initiativen zurückführen, die wir als Gegenreaktion implementiert haben. Jetzt haben wir eine stabile Supply Chain, Planungssicherheit für unsere Komponenten bis ins nächste Jahr hinein und können jetzt diese Probleme stabil umschiffen. Zusätzlich haben wir unsere Produktstruktur überarbeitet und mit dem Move ein günstigeres Modell im Angebot.

In der jüngeren Vergangenheit konnte man Mobilitäts-Start-ups kommen und gehen sehen. Warum hat Unu einen längeren Atem?

Eine gute Frage. Wir sind zu der Feststellung gekommen, dass die große Veränderung in der Mobilität, weg vom Auto hin zu nachhaltigeren Antriebsformen, länger dauert. Das zweite Thema: Mobilität ist ein Hardware-Geschäft, das viel kapitalintensiver ist als eine App-Entwicklung.

Wir hatten den Vorteil, dass wir Schwierigkeiten früher als andere hatten und daraus früher gelernt und uns früher stabiler aufgestellt haben. Wir sehen jetzt, dass es zu einer Konsolidierung kommt. Aber der grundsätzliche Trend zu nachhaltigeren Entwicklungsformen und leichteren Fahrzeugen gewinnt tatsächlich jetzt an Fahrt.

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