Umfrage zum bidirektionalen Laden Wie groß ist das Interesse an Vehicle-to-Home-Nutzung?

Von Stefanie Eckardt 4 min Lesedauer

Wie groß ist das Interesse von Fahrern eines Elektroautos, das eigene Fahrzeug als Stromquelle zur Verfügung zu stellen? Damit hat sich eine Studie des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Kia befasst. Im Rahmen dessen wurden 518 Autofahrer aus ganz Deutschland befragt, die einen Stromer im Haushalt haben.

Der Kia EV9 ist eines der Fahrzeugmodelle, die die technischen Anforderungen für bidirektionales Laden erfüllen. Doch wie ist eigentlich das Interesse der Bevölkerung an dem Thema?(Bild:  Kia)
Der Kia EV9 ist eines der Fahrzeugmodelle, die die technischen Anforderungen für bidirektionales Laden erfüllen. Doch wie ist eigentlich das Interesse der Bevölkerung an dem Thema?
(Bild: Kia)

Erneuerbare Energien werden immer mehr ausgebaut. Damit einher geht eine steigende Nachfrage nach Energiespeichern. Eine Hilfe kann dabei die Einbindung der Akkus von Elektrofahrzeugen als Zwischenspeicher sein. Vorteil: Sie verfügen über eine deutlich höhere Kapazität als stationäre Batteriespeicher von Photovoltaikanlagen.

Fahrzeugangebot noch niedrig

Fahrzeuge, die die technischen Anforderungen an das bidirektionale (bidi) Laden beherrschen, sind bereits auf dem Markt, auch wenn es sich dabei noch um ein kleines Angebot handelt. Ein Fahrzeugmodell ist beispielsweise der Kia EV9. Prognosen zufolge soll das „Bidi“-Geschäft dennoch in diesem Jahr in Schwung kommen. Im Fokus stehen dabei die Einspeisung ins häusliche Stromnetz (Vehicle-to-Home, V2H) und die von den Rahmenbedingungen her anspruchsvollere Einbindung ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid, V2G). Das Interesse derjenigen, die einen Stromer fahren, ihr Fahrzeug als Stromquelle zur Verfügung zu stellen, ist groß. Das zeigte die Studie des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Kia. Von den 518 befragten E-Autofahrern sind 81 Prozent an einer V2H-Nutzung interessiert, wenn das Fahrzeug und die Wallbox die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Bei der V2G-Nutzung sind es 75 Prozent. Dabei stimmten nicht nur Bewohner von Einfamilien-, Doppel- oder Reihenhäusern dafür, sondern auch Menschen, die in einem Mehrfamilienhaus oder einer Wohnung.

Umfrage zum bidirektionalen Laden im Auftrag von Kia

Ladeinfrastruktur

Darüber hinaus wollte man in der Studie wissen, welche Lademöglichkeiten den Befragten in ihrer Wohnumgebung zur Verfügung stehen. 69 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie an ihrer Wohnadresse eine private Ladestation besitzen oder nutzen. Weitere 18 Prozent hätten die Möglichkeit, eine zu nutzen oder zu installieren. Ein ähnliches Bild, wenn auch mit etwas niedrigeren Werten, ergab sich bei der Photovoltaik (PV): Bei 58 Prozent der Befragten ist bereits eine PV-Anlage ins häusliche Stromnetz integriert, weitere 13 Prozent planen die Anschaffung. Mit 56 Prozent wohnt die Mehrheit der Elektroauto-Fahrer in einem Einfamilienhaus. 24 Prozent sind Doppel- oder Reihenhausbewohner und 21 Prozent leben in einem Mehrfamilienhaus oder einer Wohnung. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) fährt bereits seit zwei oder mehr Jahren ein E-Auto. 69 Prozent haben in ihrem Haushalt mindestens ein weiteres Fahrzeug, wobei es sich häufig wiederum um ein Elektroauto oder ein Plug-in-Hybrid handelt.

Vorteile bidirektionales Laden

Zum Klimaschutz beitragen ist ein erheblicher Vorteil. Darüber hinaus können Stromer-Besitzer Geld sparen oder verdienen. Die am einfachsten zu realisierende Form des Bidi-Ladens ist V2H, weil der Strom nicht ins öffentliche Netz eingespeist wird, sondern nur der häuslichen Versorgung dient. Um den Akku preisgünstig zu laden, lässt sich entweder die eigene PV-Anlage oder ein dynamischer Stromtarif nutzen, über den der Strom in Schwachlastzeiten günstig beziehen werden kann. In Spitzenlastzeiten wie abends oder frühmorgens steht dann der günstige Strom des Fahrzeugakkus für die häusliche Nutzung zur Verfügung. Während 81 Prozent aller Befragten Interesse an dieser Form des Bidi-Ladens zeigen, sind es bei den Einfamilienhausbewohnern 84 Prozent und bei den Doppel- oder Reihenhaus- sowie den Mehrfamilienhausbewohnern jeweils 77 Prozent. Besonders stark interessiert sind mit 88 Prozent die E-Fahrer, deren Fahrzeug über eine Vorstufe des Bidi-Ladens verfügt: die „Vehicle-to-Load“-Funktion (V2L), die den Anschluss von 220-Volt-Haushaltsgeräten zum Beispiel beim Camping ermöglicht. Signifikant überdurchschnittlich ist das Interesse auch bei denen, die eine private Ladestation nutzen (87 Prozent) oder eine PV-Anlage besitzen (86 Prozent).

Anpassungen notwendig

Im Vergleich zu V2H ermöglicht V2G neben der häuslichen Versorgung auch den Handel am Strommarkt, indem günstig eingekaufter Strom zu Spitzenlastzeiten gewinnbringend ins Netz eingespeist wird. Sobald die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für das komplexe Energiemanagement zwischen Fahrzeug, Ladestation und Stromnetz geschaffen sind, wird es hier neue Geschäftsmodelle geben. Das spielt vor allem eine Rolle, wenn die Fahrzeugbatterie zukünftig als Energiespeicher eingestuft ist. Denn während stationäre Batteriespeicher gesetzlich von bestimmten Kosten befreit sind, ist ein E-Auto rechtlich aktuell ausschließlich ein Pkw. Damit fallen Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte in beiden Richtungen des Bidi-Ladens an – und zwar beim Aufladen der Batterie sowie beim Einspeisen des Stroms ins Netz. Von verschiedenen Seiten wird daher gefordert, Elektroautos wie stationäre Speicher zu behandeln, um diese Form des Bidi-Ladens zu fördern.

Elektrofahrzeug ins Stromnetz einbinden

Damit ein Elektrofahrzeug ins häusliche oder öffentliche Netz eingebunden werden kann, sind zwei Voraussetzungen notwendig. Zum einen muss der Stromer in der Lage sein, Akkustrom nach außen abzugeben. Zum anderen muss das Fahrzeug mit der bidirektionalen Ladeeinrichtung kommunizieren können. Denn die Batterie arbeitet mit Gleichstrom (DC), während das öffentliche Netz mit Wechselstrom (AC) agiert. Beim Laden der Batterie wandelt ein integrierter Gleichrichter den AC- in DC-Strom um. Umgekehrt wird beim Einspeisen ins Stromnetz ein Wechselrichter benötigt, um den Akku-Gleichstrom in Wechselstrom umzuwandeln.

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Haus- und netzseitig erfordert das Einbinden von Fahrzeugakkus in die Stromversorgung ein intelligentes Energie- und Lastmanagement. Kia will zukünftig eine bidirektionale AC-Wallbox mit Lademanagement über Smartphone-App anbieten.

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