LadeinfrastrukturWas muss schneller in Deutschland wachsen: Anzahl oder Leistung?
Von
Dirk Kunde
4 min Lesedauer
Wie gut ist die öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland? Auf Verbandsebene gibt es unterschiedliche Ansichten. Ist die Zahl der Ladesäule entscheidend oder ihre Ladeleistung?
EnBW ist nach Zahlen der größte Schnellladeanbieter in Deutschland.
(Bild: EnBW/Endre Dulic)
Die oberste Vertreterin der deutschen Autoindustrie schiebt Politik und Energiewirtschaft den schwarzen Peter beim Ausbau der Ladeinfrastruktur zu. Im "Spiegel" kritisiert VDA-Präsidentin Hildegard Müller die weiter auseinanderklaffende Schere zwischen angemeldeten E-Autos und öffentlichen Ladesäulen.
Bei 1,2 Millionen zugelassenen E-Autos teilten sich zu Jahresbeginn rechnerisch 14 Fahrzeuge einen öffentliche Ladepunkt. Inzwischen seien es 22 Fahrzeuge. Von dem Ziel bis 2030 eine Million Ladesäulen zu errichten sei die Bundesregierung weit entfernt. „Um das gesteckte Ziel zu erreichen, müsste die Ausbaugeschwindigkeit der vergangenen zwölf Monate etwa vervierfacht werden“, rechnet Müller vor.
Angriff auf die Energiewirtschaft
Rund 80 Prozent der öffentlichen Ladepunkte werden von Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betrieben. Neben Energieversorgern sind hier E-Autohersteller wie Nio und Tesla sowie Ladeanbieter wie Ionity und Fastned vertreten. Die Kritik zielt also in Richtung BDEW.
„Das Ziel von einer Million Ladepunkte bis 2030 ist technisch überholt, da es die enorm gewachsene Ladeleistung nicht berücksichtigt. Seit 2019 hat sich die Ladeleistung bei Fahrzeugen und Ladesäulen verdreifacht. Damit können E-Autos deutlich schneller laden und es können deutlich mehr Fahrzeuge an einer Ladesäule versorgt werden als früher. Wir können davon ausgehen, dass sich die Technologie in den kommenden Jahren noch weiterentwickeln wird. Damit wird deutlich, dass es vor allem auf die Leistung der Ladesäulen ankommt, und nicht nur auf ihre Anzahl“, kontert Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Ladeleistung steigt
Zum entscheidenden Punkt entwickelt sich die installierte Ladeleistung. Noch sind die meisten öffentlichen Ladepunkte mit einer Ladeleistung bis 22 kW Wechselstrom ausgestattet. Doch das ändert sich. Im vergangenen Jahr legten Schnellladepunkte über 150 kW Gleichstrom-Ladeleistung um 80 Prozent zu. Die installierte Ladeleistung stieg von 1,74 auf 2,47 Gigawatt Anfang des Jahres, so der BDEW.
Seit 2017 hat sich die Zahl der Ladepunkte in Deutschland fast verzehnfacht.
(Bild: Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur)
Will ein E-Auto 50 kWh nachladen, blockiert es eine AC-Säule mit 11 kW Ladeleistung rechnerisch viereinhalb Stunden. Beim Schnelllader mit 150 kW sind es 20 Minuten. Das hat Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Anzahl der benötigter Ladepunkte für den Hochlauf der Elektromobilität.
Auf der anderen Seite der Gleichung ist die Zahl der E-Autos nach wie vor eine unbekannte Variable. Die Regierungskoalition geht noch immer von 15 Millionen E-Autos im Jahr 2030 aus. Nach dem Elektromobilitätsmonitor des BDEW erreicht Deutschland mit einer „weiter so“-Politik gerade mal acht Millionen E-Autos bis 2030. Um das Ziel zu schaffen, müssten die Zulassungszahlen spürbar anziehen und 2025 bei 50 Prozent und 2030 bei 85 Prozent neu zugelassener E-Autos liegen.
Im ersten Halbjahr 2023 lag der Anteil reiner E-Autos bei 15,8 Prozent. Bei 48,8 Millionen Pkw haben wir aktuell ein Anteil von 2,5 Prozent. „Um das Ziel von 15 Millionen E-Pkw zu erreichen, braucht es eine 15 Millionen-E-Auto-Strategie, die gezielt mehr vollelektrische Fahrzeuge auf die Straße bringt. Hauptsorgenpunkte sind laut einer BDEW-Umfrage die langen Lieferzeiten und höheren Anschaffungskosten von relevanten E-Auto-Modellen. Hier muss die Politik ansetzen“, sagt Andreae.
Das Deutschlandnetz
Der Staat greift in den Ausbau der Ladeinfrastruktur ein und will bis zu 1.000 neue Ladestandorte fördern. Derzeit ist es ruhig um das so genannte Deutschlandnetz. „Wir gehen davon aus, dass wir die Zuschläge noch im Spätsommer erteilen und in diesem Jahr noch die ersten Standorte eröffnen werden können“, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage.
Für die 23 Regionallose mit mehr als 900 Standorten hat die NOW GmbH mehr als 100 Angebote erhalten. Für die NOW GmbH ist bereits jetzt absehbar, dass die Ausschreibung als Ideenwettbewerb ein Erfolg war. Darüber hinaus hat die Autobahn GmbH 200 Standorte in sechs Losen an bislang unbewirtschafteten Rastanlagen ausgeschrieben. Das Deutschlandnetz soll die bislang „weißen Flecken“ der Ladelandkarte schließen.
Die geografische Verteilung der öffentliche Ladepunkte lässt sich gut im Ladesäulenregister des BDEW als auch auf der Ladensäulenkarte der Bundesnetzagentur ablesen. Will man jedoch wissen, wer die größten Schnellladeanbieter im Land sind, macht es einem Markus Roth einfacher. Er visualisiert unter Schnellladepark.app das Stromtankstellenverzeichnis von Goingelectric. Hier liefern Nutzer die Daten.
Stand: 08.12.2025
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Das sind derzeit die Top-8 unter den Schnellladepunkt-Betreibern.
(Bild: schnellladepark.app)
In Roths Auswertung fließen nur Ladepunkt mit mindestens 50 kW Ladeleistung. Es gibt keine Garantie, dass alle Standorte erfasst sind, doch das monatliche Ranking bietet einen guten Vergleich der Top-Anbieter. Danach ist das Stuttgarter Energieunternehmen EnBW mit 3.374 CCS-Ladepunkten der größte Schnellladeanbieter vor dem US-E-Autohersteller Tesla mit 2.466. Auch den Zubau im Vormonat zeigt Roths Grafik an.
Überraschend ist, dass kleinere Versorgungsunternehmen wie die Pfalzwerke oder EWE Go mehr Ladepunkte anbieten, als Ionity, der Ladeanbieter der Autoindustrie. EWE Go ist ein Tochterunternehmen des Versorgers EWE aus Oldenburg. Sie kooperieren beispielsweise mit dem Schnellrestaurant Mc Donalds. Bis 2025 entstehen an 1.000 Mc Donalds-Standorten in Deutschland Ladesäulen mit dem gelben Schriftzug.
Top 8 Anbieter dominieren
Die Ladepunkten von Ionity verteilen sich auf 117 Standorte. 18 weitere Ladeparks befinden sich im Bau. Ionity wird mit seinem Firmensitz in München als deutsches Unternehmen wahrgenommen, doch befinden sich die meisten aktiven Standorte derzeit (141) in Frankreich. Insgesamt besteht das europäische Ladenetzwerk aus 5.606 HPC-Ladesäulen mit bis zu 350 kW Ladeleistung an 520 Standorten. 79 weitere Ladeparks sind derzeit im Bau.
Laut BDEW-Grafik zählen 16 Prozent der 85.170 öffentlichen Ladepunkte in Deutschland als Schnelllader. Das wären ca. 13.600 Schnellader. Die Top Acht-Anbieter aus der Schnelllade-App-Übersicht vereinen rund 10.500 Schnellladepunkte auf sich. Somit ruhen die Hoffnungen auf diesen Unternehmen, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur schneller verläuft als die E-Auto-Zulassungszahlen steigen.