Air Mobility Tragschrauber-Start-up will privates Fliegen massentauglich machen

Redakteur: Gary Huck

Schnell mit dem eigenen Flugzeug vom lokalen Flugplatz zum Termin fliegen: In manchen Ländern, zum Beispiel den USA, ist das gar nicht so unüblich. Mit Fraundorfer Aeronautics will ein Luftfahrt Start-up das auch in Deutschland normalisieren.

Firma zum Thema

Einfach am Berufsverkehr vorbeifliegen und entspannt ankommen. Das ist die Vision von Fraundorger Aeronautics für den Tensor 600X.
Einfach am Berufsverkehr vorbeifliegen und entspannt ankommen. Das ist die Vision von Fraundorger Aeronautics für den Tensor 600X.
(Bild: Fraundorfer Aeronautics)

Ein Privatflugzeug als persönliches Verkehrsmittel? In Deutschland gibt es dieses Konzept quasi nicht. Ein Privatflugzeug ist ein teures Hobby, aber keine Mobilitätslösung. Christoph Fraundorfer möchte das ändern. Der CEO von Fraundorfer Aeronautics will den Personenverkehr in die Luft heben. Dafür hat er den „Tensor 600X“ entwickelt. Der Tragschrauber, über den wir bereits letztes Jahr berichteten, wird auf der Flugmesse European Rotors in Köln (16. bis 18. November 2021) erstmals einem breiten Publikum vorgestellt.

Doch was kann der Tensor, was ein Flächenflugzeug nicht kann? Als Tragschrauber benötigt das Fluggerät eine kürzere Start- und Landefläche (90 m zum Start und 20 m zur Landung). Außerdem ist er sicherer. Bei Tragschraubern sorgt neben den Tragflächen ein Rotor, der nicht direkt angetrieben wird, sondern durch den Fahrtwind in Drehung versetzt wird, für zusätzlichen Auftrieb. Ein Strömungsabriss ist relativ unwahrscheinlich. Denn wenn der Tensor wegen abreißender Strömung plötzlich an Höhe verliert, wird ihn der Rotor abfangen.

Wegen der höheren Sicherheit ist das Fluggerät für eine niedrigere Mindestflughöhe und eine niedrigere Mindestsichtweite zertifiziert als Flächenflugzeuge. Das heißt, der Tensor könnte noch fliegen, wenn andere Maschinen aufgrund des Wetters am Boden bleiben müssten.

In vier Wochen zur Fluglizenz

Fraundorfer Aeronautics bietet auch Schulungen an. Man könne innerhalb von vier Wochen im Rahmen von Blockkursen eine Pilotenlizenz für den Tragschrauber erwerben. Die Wartung und die Flugvorbereitung übernimmt das Donauwörther Unternehmen ebenfalls.

Etwa 400 Start- und Landeplätze für den Tragschrauber gibt es in Deutschland.
Etwa 400 Start- und Landeplätze für den Tragschrauber gibt es in Deutschland.
(Bild: Fraundorfer Aeronautics)

In der aktuellen Version wird der zweisitzige „Tensor 600X“ durch einen 140 PS staken Verbrennungsmotor angetrieben. Die Reichweite liegt bei 600 km, die Maximalgeschwindigkeit bei 200 km/h. Laut Christoph Fraundorfer kann das Flugzeug einfach auf einen Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb umgerüstet werden. Diese alternativen Triebwerke gibt es jedoch noch nicht.

Das Basismodell 600X befindet sich aktuell im Zulassungsprozess. Parallel dazu arbeitet Fraundorfer Aeronautics an einer neuen Version des Tragschraubers. Der 800X soll leistungsfähiger sein und bei Logistik- und Versorgungsflügen zum Einsatz kommen. Die Zulassung ist bis Mitte der 2020er-Jahre geplant.

Mit seinem Produkt richtet sich das Donauwörther Unternehmen vor allem an Geschäftsreisende, die eine Alternative zum Auto, Zug oder Kurzstreckenflug suchen. Die Reichweite on 600 km, Geschwindigkeit bis zu 200 km/h und etwa 400 mögliche Start- und Landeplätze in Deutschland klingen erst einmal positiv. Aber es bleibt abzuwarten, ob die Versionen mit alternativen Antrieben ähnliche Flugwerte erreichen werden.

(ID:47819441)