Wenn keine Ladesäule vorhanden ist, kommt in China der Laderoboter. Das ist der neue technologische Trend in der Welt der Elektromobilität, die sich nirgendwo so schnell entwickelt wie im Reich der Mitte. Schon 40 chinesische Hersteller bauen mobilen Ladegeräte, die über eine App auf dem Handy gerufen werden können, autonom fahren und dann automatisch das Kabel einstecken können.
Elektromobilität boomt in China. Da ist es nicht immer einfach eine freie Ladesäule zu finden. Doch ist die Ladesäule besetzt, wird wohl zukünftig der Laderoboter zum Einsatz kommen.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)
„E-Auto sucht Ladesäule“, das sei von gestern. „Ladesäule sucht nach E-Autos“ sei die Zukunft, erklärte ein Manager des chinesischen Startups DH Force kürzlich gegenüber Reportern der chinesischen Autozeitung Zhongguo Qiche Bao. Private Investoren lieben diese Idee, pumpen gerade viel Geld in entsprechende Unternehmen. Immer mehr Marktführer unter den jungen Unternehmen bereiten ihre Börsengänge vor, darunter beispielsweise Zhongmu Technology aus Shanghai.
Elektro- und Hybridfahrzeug-Boom
Der „Flashbot“-Laderoboter von Zhongmu Technology ist mit Fahrfunktionen nach SAE-Autonomie-Level 4 ausgestattet, kann also ohne Fahrer E-Autos mit leerer Batterie finden, die er mit einer Kapazität von 104 kWh relativ schnell wieder aufladen kann. Die kleinen Ladesäulen auf Rädern sollen eine Lücke füllen, die durch die rasante Adoption der E-Mobilität in China entstanden ist. Mehr als 24 Millionen E-Autos und Hybride sind bis Ende Juni dieses Jahres in China registriert worden, zeigen Statistiken.
In der ersten Hälfte dieses Jahres sind 4,9 Millionen weitere E-Autos und Hybride verkauft worden, was einem Wachstum von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Bis Ende dieses Jahres wird es also schon weit mehr als 30 Millionen sogenannte „New Energy Vehicles“ oder NEV geben, wie in China Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zusammenfassend genannt werden.
Ladenetz wächst rasant
Gleichzeitig ist China auch beim Ausbau des Ladenetzes weltweit führend. Bis Ende Juni dieses Jahres sind in der Volksrepublik schon mehr als 10,2 Millionen Ladesäulen errichtet worden, mehr als in irgendeinem anderen Land der Erde. Im ersten Halbjahr 2024 sind mehr als 1,6 Millionen neue Ladesäulen dazu gekommen, hat die „China Electric Vehicle Charging Infrastructur Promotion Alliance“, ein Industrieverband, ermittelt.
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist diesen Zahlen zufolge im Vergleich zum Vorjahr also um 14,2 Prozent gewachsen, was beachtlich schnell ist, aber halt immer noch viel langsamer als das Wachstum des Anteils von E-Autos und Hybriden in der gesamten Fahrzeugflotte des Landes.
Laderoboter als Lösung bei Ladesäulen-Engpässen
Noch immer kommt es daher an bestimmten Orten oder zu Stoßzeiten zu langen Wartezeiten vor den Ladesäulen. 70 Prozent aller chinesischen NEV-Fahrer haben sich in einer Umfrage unzufrieden über das gegenwärtige Ladenetz geäußert. Die kleinen, autonom fahrenden Laderoboter können das Angebot genau dort erweitern, wo es zu Engpässen kommt, sagen ihre Entwickler.
Viele der Startups, die Laderoboter entwickeln, haben die Parkplätze von Einkaufszentren oder großen Supermärkten im Visier. Die Laderoboter können dort von einer zentralen Ladestation aus mit Strom versorgt werden, dann in einem Radius von wenige Kilometern die Kunden versorgen. Ein Beispiel ist das Angebot des Start-Ups GGSN. Die Kunden des Einkaufszentrums „K11“ der New World Group im Bezirk Xintiandi im Zentrum von Shanghai finden die QR-Codes des Ladeunternehmens auf Schildern, nachdem sie ihr E-Auto auf dem Parkplatz abgestellt haben. Die Fahrer können diese Codes mit ihren Handys scannen und sich die kleinen Batterien auf Rädern so herbeirufen und dann auch über eine App auf dem Handy bargeldlos bezahlen. Die Roboter stecken automatisch das Kabel ein und machen alles weitere. Für Kunden, die technisch noch nicht so weit sind, kommen Mitarbeiter des Einkaufszentrums und schieben die Laderoboter von Hand zum E-Auto.
Potenzial für Autobahnraststätten
Die autonom fahrenden Geräte haben auch besonderes Potenzial auf Autobahnraststätten oder zur „Notversorgung“ von Stromern, denen unterwegs der Saft ausgegangen ist, sagen die Befürworter der neuen Technologie. Strecken von wenigen Kilometern können sie autonom selbst zurücklegen. Zu sehr abgelegenen Orten können sie auf der Ladefläche von Abschleppwagen transportiert werden. „Wir wollen mit unserem mobilen Service eine Lücke füllen”, erklärte Kevin Deng, der Gründer von GGSN, kürzlich auf einer Fachtagung in Hongkong. Die Fahrer von E-Autos müssten auf vielen Parkplätzen bald nicht mehr um die wenigen Ladesäulen kämpfen und das Laden werde so auch einfach viel schneller.
Wie so oft waren deutsche Ingenieure einst ganz vorne mit dabei, als diese neue Technologie entwickelt wurde. So ist schon vor vielen Jahren bei Volkswagen mit der Entwicklung von Laderobotern experimentiert worden. Doch wegen der hohen Kosten hat man sich bisher nicht an die Kommerzialisierung der Idee herangewagt.
Neue Ladeerfahrung made in China
Nicht so in China. Hier ist genügend Kapital und auch die nötige Risikobereitschaft vorhanden. Daher hat die chinesische Industrie momentan in diesem neuen, globalen Milliardenmarkt schon wieder eindeutig die Nase vorn. In der Stadt Hefei in der chinesischen Provinz Anhui sind bereits 400 mobile Laderoboter unterwegs. Die Roboter werden von NaaS Technology betrieben, der ersten auf der US-Techbörse NASDAQ notierten Ladefirma in China und sind von Gotion High-Tech entwickelt worden, dem chinesischen Batteriehersteller. Sie sind mit einem Roboterarm ausgestattet, der das Ladekabel selbstständig in die Steckdose eines E-Autos stecken kann. Wenn seine eigene Batterie leer ist, kann sich der Roboter ohne menschliche Hilfe wieder selbst aufladen. Bis zum Ende dieses Jahres sollen in Hefei bereits 1.000 Laderoboter herumflitzen, berichten chinesische Fachmedien. Wer wolle schon vor einer Ladesäule warten, fragt der Firmenchef Alex Wu, wenn ein Roboter „eine völlig neue Lade-Erfahrung“ bieten könne. (se)
Stand: 08.12.2025
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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.