Elektromobilität in China Sind Festkörperbatterien schon bald bezahlbar?

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

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Festkörperbatterien für Elektrofahrzeuge könnten schon bald so billig sein wie heute ihre halbflüssigen Vorläufer. Diese Prognose hat der Entwicklungschef des chinesischen Batterieherstellers Sunwoda in einem exklusiven Interview mit der China Daily aufgestellt.

In China könnten Festkörperbatterien für Elektrofahrzeuge  schon bald so kostengünstig sein wie heute ihre halbflüssigen Vorläufer. So denkt zumindest der chinesische Batteriehersteller Sunwoda.(Bild:  phonlamaiphoto - stock.adobe.com)
In China könnten Festkörperbatterien für Elektrofahrzeuge schon bald so kostengünstig sein wie heute ihre halbflüssigen Vorläufer. So denkt zumindest der chinesische Batteriehersteller Sunwoda.
(Bild: phonlamaiphoto - stock.adobe.com)

Sunwoda habe eine Festkörperbatterie mit einer Kapazität von 20 Ah und einer Energiedichte von mehr als 400 Wh/kg entwickelt, betonte Xu Zhongling, Vice President of Research and Development des Unternehmens, im Gespräch mit der Zeitung. Man baue gerade die Produktionslinien dafür und wolle bis spätestens 2026 mit der Serienfertigung beginnen, sagte Xu. Dank technischer Innovationen werde Sunwoda die Kosten dieser Festkörperbatterien auf Polymer-Basis auf zwei Yuan (rund 25 Cent) pro Wattstunde reduzieren können, ist der Entwicklungschef überzeugt. Das wäre dann in etwa so viel, wie heute eine Semi-Solid-State-Batterie kostet.

Höhere Reichweiten, sichere Technologie

Die neue Batteriegeneration ohne flüssige Elektrolyte hat nach Ansicht vieler Experten das Potenzial, der Adoption von Elektrofahrzeugen noch einmal einen deutlichen Anschub zu geben, weil sie aufgrund ihrer höheren Leistung bessere Reichweiten ermöglichen und damit den Autofahrern die Angst nehmen, irgendwo fern einer Ladesäule zum Stehen zu kommen. Festkörperbatterien gelten auch als sicherer als die heute üblichen Lithium-Phosphat-Akkus, weil sie so gut wie nicht entflammbar sind. Daher wird weltweit von Batterie- und Automobilherstellern fieberhaft an ihrer Entwicklung gearbeitet, um die letzten technischen Hürden bis zu ihrer kommerziellen Serienfertigung überwinden zu können.

Schlüsselfaktor Kosten

Die Kosten pro Batterie werden entscheidend dafür sein, ob sich die Festkörper-Technologie auf dem Markt durchsetzen wird. Japan und Südkorea hätten derzeit die Nase vorn, was ihre rein technische Entwicklung betrifft, gab der chinesische Manager in dem Interview mit der China Daily zu verstehen, doch bei der Reduzierung der Kosten könne niemand mit chinesischen Herstellern konkurrieren, ist der Sunwoda-Manager überzeugt. „China hat eine komplette Batterie-Lieferkette, ein robustes industrielles Ökosystem und Skalierungsvorteile,“ äußertesich Xu Zhongling gegenüber der China Daily. Wenn man dann noch die Unterstützung seitens der chinesischen Regierung und den Enthusiasmus chinesischer Investoren mit einbeziehe, dann habe „China Vorteile bei der Reduzierung der Kosten solcher Batterien“.

Mögliche Förderung?

Was die Förderung durch die Pekinger Zentralregierung betrifft, so hat diese gerade erst sechs Milliarden Yuan, also ca. 760 Millionen Euro an neuen Staatsgeldern speziell für die Entwicklung von Festkörperbatterien bereitgestellt, wie unser Schwestermedium Automobil Industrie berichtete. Damit folgt China unter anderem dem Vorbild Japans, wo die Regierung schon seit 2018 signifikante Summen für die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich Festkörperbatterien bereitstellt.

In China wird erwartet, dass genauso wie in Japan ein solches Signal seitens der Regierung auch von privaten Investoren aufgegriffen wird, deren Interesse an der neuen, aber in der Entwicklung teuren Technologie von noch entscheidender Bedeutung sein wird als die öffentlichen Gelder.

Skalierungseffekte erwartet

Die Kosten für neue Technologien werden oft als wichtigstes Gegenargument ins Feld geführt, weil grüne Technologien nicht nur Probleme lösen sollen, sondern auch für ihre Hersteller wirtschaftlich nachhaltig sein müssen. Sollte die aktuelle Prognose des Sunwoda-Entwicklers zutreffen, so könnten die Kosten für eine Powerbatterie mit einer Kapazität von 150 kWh schon 2026 auf rund 300.000 Yuan (etwa 38.100 Euro) reduziert werden können.

Selbst mit diesem Preis wären Festkörperbatterien vorerst nur für E-Autos im oberen Preissegment interessant, ähnlich wie für die Modelle mit Semi-Solid-State-Akkus, die heute auf dem Markt sind. Wie aber die bisherigen Erfahrungen mit der Solartechnologie und auch mit Elektrofahrzeugen zeigt, sorgen die aufgrund des großen Marktes in China einsetzenden Skalierungseffekte meist für einen Preisverfall, der noch schneller und deutlicher ausfällt, als anfangs angenommen wird.  (se)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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