Autonomes Fahren in China Robotaxis ohne Fahrer erobern Pekings Ringstraßen

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Auf den Stadtautobahnen im Raum Peking dürfen ab sofort Robotaxis mit leerem Fahrersitz fahren. Man habe eine solche erweiterte Testlizenz für mehrere viel befahrene Strecken erhalten, gab das Unternehmen Pony.ai am 14. Januar bekannt.

In Chinas Haupstadt Peking können schon bald Robotaxis ohne Fahrer über die Ringstraßen rollen.(Bild:  frei lizensiert bei Pixabay)
In Chinas Haupstadt Peking können schon bald Robotaxis ohne Fahrer über die Ringstraßen rollen.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)

Unter anderem wird es nun bald autonom fahrende Taxis dieses Anbieters auf der Strecke vom Industriegebiet Yizhuang zum neuen Daxing-Flughafen und auf den Ringstraßen in der Nähe des Pekinger Südbahnhofs geben, sagten Unternehmenssprecher. Noch immer wird ein Aufpasser auf dem Beifahrersitz mitfahren müssen, der bei Bedarf eingreifen kann, aber am Steuer selbst wird erstmals niemand mehr sitzen müssen, wenn die auf den Modellen Toyota Sienna und Lexus RX basierenden Autos zu den viel genutzten Transport-Knotenpunkten Pekings unterwegs sind.

Die chinesische Hauptstadt setzt damit eine Genehmigungspolitik fort, die sie in den vergangenen Jahren schon zu einem der lokalen Vorreiter des autonomen Fahrens in der Volksrepublik gemacht hat. Seit 2020 gibt es hier bereits Testzonen auf einer Fläche von 600 Quadratkilometern für autonom und vernetzt fahrende Autos, unter anderem in dem blitzsauberen und modernen Stadtviertel Yizhuang, wo viele Technologieunternehmen angesiedelt sind. Nun werden in einem weiteren Meilenstein auch die Stadtautobahnen zu öffentlichen Robotaxi-Zonen mit leeren Fahrersitzen. Sie dürfen auf verschiedenen Straßenabschnitten zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten fahren, so dass sämtliche Szenarien vom Stoßverkehr am Morgen bis hin zum Nachtverkehr ausprobiert werden können.

Regelwerk für autonomes Fahren

Am 31. Dezember 2024 hat Peking darüber hinaus ein umfassendes Regelwerk veröffentlicht, die neuen „Beijing Autonomous Vehicle Regulations“, mit dem das autonome Fahren für Privatautos, städtische Busse, Taxen und städtische Nutzfahrzeuge ermöglicht und gefördert wird. Wenn die neuen Regeln am 1. April dieses Jahres in Kraft treten, werden Hersteller Testlizenzen auf Pekings Straßen in all diesen Segmenten beantragen können – von Autonomielevel 3 bis hin zum völlig fahrerlosen Fahren.

Wie an den verschiedenen Paragraphen des neuen Regelwerks klar erkennbar ist, will Peking nicht nur bei der Nutzung von autonomen Fahrzeugen im inner-chinesischen und globalen Vergleich ganz vorne mitspielen, sondern auch immer mehr Forschung und Entwicklung entsprechender Technologien in den Industriegebieten an seinem Stadtrand ansiedeln. Schon jetzt ist die chinesische Hauptstadt Standort für drei führenden chinesischen Unternehmen im Bereich autonomes Fahren. Neben Pony.ai, das im vergangenen November in den USA an die Börse gegangen ist, haben auch das Internet- und KI-Unternehmen Baidu und Neolix ihre Hauptquartiere in Peking.

Infrastruktur und Management des Straßenverkehrs

Neben Anreizen für Innovationen im Bereich autonomes Fahren und der Entwicklung der notwendigen Technologien werden in den neuen Regeln der chinesischen Hauptstadt auch die Planung und der Bau der nötigen urbanen Infrastruktur, das konkrete Management des Straßenverkehrs und Sicherheitsfragen behandelt. Versicherungsunternehmen werden ermutigt, passende Produkte für Nutzer zu entwickeln.

Auch die Stadt Wuhan hat zum Jahreswechsel neue Bestimmungen über das autonome und vernetzte Fahren veröffentlicht. Apollo Go, ein Tochterunternehmen von Baidu, hat dort bereits eine Flotte von knapp 1.000 Robotaxis im Einsatz. Die Hauptstadt der Provinz Hubei, in der es viele traditionelle Autohersteller gibt, will den Aufbau dieser neuen Zukunftstechnologie nicht Peking überlassen, sondern selbst zu einem führenden Standort für das autonome und vernetzte Fahren werden.

Gemeinsam können die neuen gesetzlichen Rahmen in Peking und Wuhan als Signale „für den Enthusiasmus Chinas bei der Promotion von Technologien für das autonome Fahren“ verstanden werden, sagte Zhang Li, ein Professor an der angesehenen University of Science and Law in Peking gegenüber Reportern.

Grundlage für Robotaxi-Testzonen

Und diese Signale werden in der gesamten Volksrepublik deutlich gehört. Mehr als 50 chinesische Städte haben bis jetzt schon lokale Regeln ausgearbeitet, mit denen sie die Grundlage für Testzonen von Robotaxis gelegt haben. Das neue Regelwerk in Peking geht jetzt allerdings darüber hinaus, indem es den Einsatz von autonom fahrenden Fahrzeugen aller Art nicht nur in Pilot-Gebieten, sondern in weiten Teilen der Stadt vorbereitet.

Es ist offensichtlich, dass derzeit gezielt und Schritt für Schritt die Phase der Kommerzialisierung für das autonome Fahren in China eingeleitet wird. Man dürfe erwarten, dass die Volksrepublik im Jahr 2030 der weltweit größte Markt für solche Fahrzeuge und entsprechende Mobilitäts-Dienstleistungen mit einem Gesamtwert von mehr als 500 Milliarden US-Dollar sein werde, schreibt die Beratungsagentur McKinsey.  (se)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:50297630)