Anfang Dezember erfasste im chinesischen Zhuzhou ein Robotaxi zwei Fußgänger, von denen einer so schwer verletzt wurde, dass er auf die Intensivstation musste. Ein vor allem für die Fußgänger tragischer Unfall, der ein Rückschlag für das autonome Fahren ist.
Anfang Dezember erfasste im chinesischen Zhuzhou ein Robotaxi des Mobilitätsdienstleisters Hello zwei Fußgänger.
(Bild: Hello)
Berichten auf Chinas sozialen Medien erfasste ein Robotaxi des chinesischen Mobilitätsdienstleisters Hello (vormals Hellobike) zwei Fußgänger. Einer davon wurde von dem Fahrzeug überrollt und musste von Passanten befreit werde, indem sie das Robotaxi gemeinsam anhoben. Das Unfallopfer sei bereits auf der Intensivstation eines örtlichen Krankenhauses, berichtete CarNewsChina.
Hello, dessen größter Anteilseigner die Alibaba Group ist, hatte erst im August die Lizenz für Testfahrten erhalten, die auf bestimmte Straßen in der Provinz Hunan beschränkt waren. Wie alle anderen Robotaxi-Firmen in China hatte es bis zum Samstag aber schon viele Kilometer unfallfrei operiert. Die Bilder vom Unfallopfer, dass nach seiner Befreiung am Straßenrand liegend auf den Krankenwagen wartete, werden aber die gesamte Industrie beschäftigen und möglicherweise strengere Sicherheitsauflagen zur Folge haben, vor allem in China.
Viele Testfahrten
Noch einen Tag vor dem tragischen Unfall hatte es so ausgesehen, als ginge es der Robotaxi-Industrie so gut wie nie zuvor. Selbst kleine Meilensteine wurden in der Fachpresse gefeiert, etwa ein Robotaxi von Didi Autonomous, dass rund um die Uhr fahren durfte. In einem Stadtteil von Guangzhou dürfe das „chinesische Uber“ seit Anfang dieses Monats testweise „24/7“ Passagiere befördern, ohne dass ein Fahrer im Auto sitzt, hatte das Unternehmen mitgeteilt.
Anfangs hatte es sich in diesem Fall um einen Shuttle-Service während einer Sport-Veranstaltung gehandelt, den „15. Nationalspielen“. Anschließend hatte chinesischen Medienberichten zufolge ein längerer Test im Stadtteil Huangpu der südchinesischen Metropole begonnen. Auf ihrer Route rollen die Robotaxis momentan auch an „Schulen, Einkaufszentren, Bürogebäuden und Wohnhäusern“ vorbei, heißt es.
Nur eine von vielen Nachrichten, die in den vergangenen Wochen und Monaten nahelegten, dass der Einsatz von Robotaxis in China eine neue, starke Dynamik entfaltet. Zum ersten Mal sah es so aus, als sei eine finanziell nachhaltige Kommerzialisierung dieses Geschäftsmodells langfristig möglich.
Didi war nicht der einzige Anbieter fahrerloser Taxidienste, der sich Hoffnungen auf einen Durchbruch machen durfte. Auch der größte Anbieter, Apollo Go von Baidu, hat schon mehr als 1.000 der autonom fahrenden Autos auf der Straße, die meisten davon in China. Bis 2027 will das Unternehmen weltweit 20.000 davon auf Straßen rollen zu lassen. Im vergangenen Jahr hat Apollo Go eigenen Angaben zufolge den Meilenstein von 14 Millionen Testfahrten insgesamt erreicht.
WeRide, ein Anbieter aus Guangzhou, hat in designierten Zonen der Stadt bis Anfang dieses Monats schon 1.700 Tage Erfahrung mit einem kommerziellen Robotaxi-Angebot sammeln können, berichtet Tech in Asia. Pony.ai, ein chinesisches Startup für autonome Fahrlösungen, hat im Stadtteil Nansha derselben Stadt eine Flotte von 100 Robotaxis im Einsatz, die 1.000 bezahlte Fahrten pro Tag erwirtschaften. Landesweit hat das Startup schon in mehr als 300 Städten mehr oder weniger autonom fahrende Robotaxis im Einsatz.
Hoher Druck lastet auf Industrie
Jede einzelne Fahrt zählt in diesem Wettbewerb. Zum einen sammeln die Anbieter wichtige Daten, die ähnlich wie einzelne Chat-Anfragen in Chatbots mit Hilfe von künstlicher Intelligenz für die weitere Verbesserung der Systeme genutzt werden. Robotaxis werden so schrittweise immer sicherer. Wovor gleichzeitig alle Angst hatten, war ein Unfall, wie er nun in Zhuzhou passiert ist.
Obwohl in ersten Reaktionen auf Chinas sozialen Medien auch Kommentare zu lesen sind, dass „so etwas auch mit einem Menschen am Steuer hätte passieren können“, wird die Welle von Schlagzeilen rund um die Welt ganz sicher den Gegnern der neuen Technologie Auftrieb geben. Der Unfall passierte zu einem Zeitpunkt, an dem alle Anbieter ohnehin schon unter Druck standen, in den kommenden Jahren die kommerzielle Tragfähigkeit ihrer Robotaxi-Geschäfte zu beweisen. Nun werden sie zweifellos noch öfter als zuvor über die Sicherheit ihrer Systeme reden müssen. Für die junge Industrie bedeutet das Geschehnis also eine ernste Krise. Bislang hat nur Apollo Go in Wuhan das “Break Even“ erreicht, überall sonst wird derzeit noch massiv das Geld der Investoren und Unternehmen verbrannt.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Skalierung ist Gebot der Stunde
Skalierung, also der Einsatz immer neuer Robotaxis, wäre im Moment das Gebot der Stunde. Je mehr dieser Fahrzeuge gebaut und eingesetzt werden, desto weiter sinkt ihr Anschaffungspreis. Das gilt auch für die Hardware am Straßenrand, die für vernetzt fahrende Varianten an manchen Orten in China gerade schon installiert werden. Und je mehr Kilometer „gesammelt“ werden können, desto größer wird die Chance der Anbieter, weitere Genehmigungen im In- und Ausland zu bekommen. All das wird nun durch den Unfall zumindest vorübergehend in Frage gestellt.
Vergleichbar schwere Unfälle lassen die Prognose zu, dass der chinesische Gesetzgeber zwar reagieren und Bestimmungen verschärfen wird, nicht aber die gesamte Industrie auf Dauer beeinträchtigen wird. Der Unfall wird, wenn sich bisherige Reaktionsmuster wiederholen, zu einer Phase der Besinnung und Entschleunigung führen, die dann aber wieder in eine neue Wachstumsphase mündet.
Es gilt also noch mehr als vor dem Unfall darum, das Pokerspiel um das Robotaxi-Geschäft langfristig durchzuhalten. Wer nicht wie Volkswagen oder Ford damals im Jahr 2020 aufgeben muss, dem winken langfristig Gewinne.
Positive Prognosen
Gerade wurde in der Industrie einen deutlichen Aufwärtstrend in puncto Einnahmen deutlich. Die Bank Goldman Sachs hatte kürzlich eine Prognose veröffentlicht, der zufolge sich der Gesamtumsatz im chinesischen Robotaxi-Markt von derzeit rund 42 Millionen Euro auf rund 42 Milliarden Euro im Jahr 2035 verzehnfachen könnte. UBS ist noch optimistischer, sieht bis Ende der 2030er Jahre sogar einen Markt von rund 155 Milliarden Euro für Robotaxis in China voraus. Und allein in China ist die Nachfrage groß. Es gibt 139 Städte mit mehr als einer Million Einwohner.
Die chinesische Regierung hat in der neuen Industrie einen Wachstumstreiber für die heimische Wirtschaft erkannt und fördert sie mit der Vergabe von Lizenzen und der Bewilligung immer neuer Pilotzonen, auch wenn sie schon vor dem Unfall gleichzeitig damit begonnen hatte, die Auflagen für die Sicherheit im Straßenverkehr nach und nach zu verschärfen.
Temporäre Rückschläge waren bisher nur von einzelnen Akteuren auf dem chinesischen Markt zu bewältigen. Didi Autonomous, das in China den Markt für Uber-ähnliche Mitfahrdienste dominiert, hatte zwischen 2021 und 2022 vorübergehend Probleme mit den Aufsichtsbehörden, nachdem es entgegen dem Willen der Zentralplaner einen Börsengang in New York angestrebt hatte. Nicht nur war Didi anschließend eine Weile lang die Akquise neuer Kunden für seine Taxi-App verwehrt, auch um die Robotaxi-Pläne des Unternehmens war es vorübergehend auffällig ruhig geworden. Doch seit Anfang 2023, nachdem die Aufsichtsbehörden und die kommunistische Partei besänftigt werden konnten, läuft nun ein Comeback von Didi auch in den Segmenten autonomes Fahren und Robotaxis.
Technologisch hat der Konzern „Full-Stack“-Kapazitäten für das autonome Fahren der Stufe 4 aufgebaut. Die Investoren versorgen es weiter mit Geld, wie erst gerade wieder eine neue Finanzierungsrunde bewiesen hat. Außerdem ist Didi in der glücklichen Lage, viel Geld mit seiner Ride-Hailing-App „Didi Chuxing“ zu verdienen, die einen Anteil von etwa 70 Prozent am riesigen Markt für solche Fahrdienstleistungen in China hat.
Sicherheit verstärken
Andere Anbieter, etwa Startups wie Pony.ai, müssen sich ihren Kundenstamm für Robotaxi-Fahrten viel mühsamer aufbauen als Didi, dass die Robotaxis einfach in seiner App anbieten kann, die in China schon fast jeder Mensch ab dem Grundschulalter auf seinem Smartphone installiert hat. Es ist also nicht zu befürchten, dass Didi das Geld für weitere Entwicklungen ausgehen wird.
Es bleibt abzuwarten, wie groß und langfristig der Einfluss des Unfalls vom Wochenende auf den chinesischen Markt für Robotaxis sein wird. Den beiden Opfern muss gute Besserung gewünscht werden. Von den Herstellern muss ein noch stärkeres Bewusstsein für die Risiken fahrerloser Autos eingefordert werden. (se)