Infotainment und Fahrerassistenz im Fokus Polestar 4: Lichtspiel mit den Planeten-Farben im SUV-Coupé

Von Dirk Kunde* 6 min Lesedauer

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Nach der 2 folgt bei Polestar die 4. Das sportliche SUV-Coupé kann ab sofort bestellt werden. Neuerungen sind der Verzicht auf die Heckscheibe sowie ein optionales Head-up-Display.

Auf die 2 folgt bei Polestar nicht die 3, sondern die 4. Doch was ist neu im Vergleich zum Polestar 2?(Bild:  Dirk Kunde)
Auf die 2 folgt bei Polestar nicht die 3, sondern die 4. Doch was ist neu im Vergleich zum Polestar 2?
(Bild: Dirk Kunde)

Der Polestar 4 (Bild 1) kann ab sofort online konfiguriert werden und soll ab August 2024 zu den Kunden kommen. Die Preise für das SUV-Coupé im D-Segment starten bei 61.900 Euro. Seit den ersten Auslieferungen der Limousine Polestar 2 im Sommer 2020 sind dann vier Jahre vergangen, bevor die Modellpalette der chinesischen Schweden wächst. Die Nummer 4 kommt vor der 3, da ist Polestar beim Zählen etwas durcheinandergeraten. Für den Polestar 3 war der Bestellstart im Oktober 2022 geplant. Das ging deutlich später los und als voraussichtlicher Liefertermin steht auf der Website nun September bis Oktober 2024. Somit sollte das SUV-Coupé früher bei den Kunden ankommen.

Sparmaßnahmen

Die Marke aus dem chinesischen Geely-Konzern kämpft, wie viele andere E-Auto-Hersteller, mit geringeren Absatzzahlen als erwartet. Mit 54.600 ausgelieferten Autos im Jahr 2023 blieben sie unter dem selbstgesteckten Ziel von 60.000. Als erste Reaktion tauscht Polestar zwei Vorstände aus. Der bisherige Finanzvorstand Johan Malmqvist wird übergangsweise durch Per Ansgar ersetzt, bis ein endgültiger CFO gefunden ist. Auch Vertriebsvorstand Mike Whittington muss seinen Posten räumen. Für ihn kommt Kristian Elvefors, der bislang Volvo in Großbritannien leitete. CEO Thomas Ingenlath darf weitermachen. Allerdings mit weniger Mitarbeitern. Weltweit werden bei Polestar 450 Arbeitsplätze eingespart, was 15 Prozent der Belegschaft entspricht.

Polestar 4: Lichtspiel mit den Planeten-Farben im SUV-Coupé
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In China bereits erhältlich

„Statt ein bestehendes SUV lediglich zu modifizieren und ihm eine kürzere Dachlinie zu geben, was zu Kompromissen bei der Kopffreiheit und dem Komfort im Fond führt, wurde der Polestar 4 von Grund auf als eine neue Art von SUV-Coupé konzipiert“, sagt Ingenlath zur Entwicklung. Mit 1,54 m Dachhöhe wirkt das Coupé sportlicher im Vergleich zum Polestar 3, der sieben Zentimeter höher als auch sechs Zentimeter länger ist (4,90 m).

Polestar nutzt hier die Sustainable Experience Architecture-Plattform (SEA) des Mutterkonzerns Geely. Der Polestar 4 läuft in China bereits vom Band. Im letzten Quartal 2023 wurden 880 Modelle an Kunden geliefert.

Keine Heckscheibe

Besonders auffällig beim Rundgang um das Fahrzeug ist die große Metallfläche, wo sonst eine Heckscheibe ist. Darüber erkennt man zwei Kameralinsen (Bild 2). Der Rückspiegel ist also ein Monitor, der laut Hersteller einen breiteren Blickwinkel als klassische Spiegel ermöglicht. „Zudem können wir mit dieser Lösung das Glasdach bis über die Köpfe der Passagiere auf der Rückbank ziehen“, betont Juan Pablo Bernal, Interior Design Manager bei Polestar. Die Glasfläche lässt sich von transparent auf undurchsichtig (opaque) schalten. Neu ist auch die zweigeteilte Verstellung der Rücksitzlehnen, was den Komfort auf langen Fahrten erhöht. Der Radstand von 2,99 Metern sorgt im Fonds für ausreichend Beinfreiheit. Hier nehmen die Passagiere über ein Touch-Display zwischen den Vordersitzen die Einstellungen für Klimatisierung und Medienwiedergabe vor.

Eine Hutablage gibt es nicht. Ist die Heckklappe geöffnet, lässt sich der Spalt zwischen Rücksitzlehne und Dach mit einem Deckel verschließen. So bleibt der beheizte Innenraum warm, wenn die Beladung des Kofferraums länger dauert. Den Monitor-Rückspiegel kann der Fahrer so einstellen, dass er zum klassischen Spiegel wird. Das ermöglicht einen Blick nach hinten zu Mitfahrenden, Kindern oder Haustieren.

Lichter der Planeten

Beim Infotainment-System setzt Polestar weiterhin auf Android Automotive OS sowie die Snapdragon Cockpit Plattform von Qualcomm. Der Fahrer sieht die wesentlichen Informationen hinter dem Lenkrad auf einem 10,2 Zoll großen Display. Optional wird ein Head-up Display angeboten. Hierbei ist die Projektionsfläche 14,7 Zoll groß und zeigt wesentliche Fahrzeug-, Navi- und Telefoninformationen. Mit dem Schneemodus wechselt die Textdarstellung von weiß auf gelb.

Im Vergleich zum Polestar 2 dreht der Hersteller den großen Bildschirm in der Mitte ins Querformat. Das 15,4 Zoll Display zeigt beim Start eine Straßenkarte sowie vier Kacheln mit weiteren Funktionen (Bild 3). Das lässt sich den persönlichen Vorlieben anpassen. Das gilt auch für das Ambient-Light (Bild 4). Die Farben sind nach Planeten sortiert. Saturn taucht das Innere in Grün, Uranus in Blau und die Sonne in Gelb. Auch den Mars (Rot) hat Polestar nicht ausgelassen, obwohl bei dem Planeten vermutlich jeder an das Besiedlungsvorhaben des Wettbewerber-Chefs Elon Musk denkt. Doch die Polestar-Designer scheinen Tesla gewogen zu sein. Bei der Sitzprobe im Polestar 4 entdeckt man einige Dinge, die man vom US-Hersteller kennt. Im Dachhimmel wird auf allen Plätzen auf Haltegriffe verzichtet. Ein kleines Häkchen für die Jacke gibt es im Türrahmen. Eine Plastikkarte dient neben Smartphone und Funkschlüssel als Türöffner. Das kleine Handschuhfach lässt sich nur über einen Menüpunkt auf dem Bildschirm öffnen.

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Hoher Recycling-Anteil

Die Mittelkonsole wird geöffnet und man kann nun auch in der unteren Ebene etwas ablegen. Oben gibt es eine Ladefläche für Smartphones sowie zwei Becherhalter. Unter der Armablage verbirgt sich weiterer Stauraum sowie zwei USB-C Anschlüsse.

Bei der Innenausstattung setzt Polestar seinen eingeschlagenen Weg zu mehr Recyclingmaterialien fort. Die Sitzbezüge bestehen komplett aus wiederverwertetem Polyester und werden passgenau gefertigt, sodass weniger Verschnitt anfällt, was Abfall reduziert. Die Bodenteppiche bestehen aus Econyl, einem Garn aus alten Fischernetzen. Die Türverkleidungen aus Naturfaser-Polypropylen benötigen weniger neuen Kunststoff und sind so bis zu 40 Prozent leichter. „Zudem nutzen wir in der Türinnenverkleidung fast ausschließlich ein Material. Das erleichtert am Lebensende das Zerlegen und Recyceln der Teile“, erklärt Henrik Svensson, Leiter des Polestar 4-Programms. Der Stoff der Türverkleidungen ist so gewebt, dass Ambient-Licht durchscheint und den Eindruck eines Sternenhimmels erzeugt. Der leuchtende Polarstern im Dachhimmel ist geblieben. Er ist nun keine Reflexion mehr wie in der Limousine, sondern leuchtet direkt im Glas.

Stauraum

Beim Stauraum in der Front muss man unter anderem aufgrund des Head-up-Display Abstriche machen. Hier stehen nur noch 15 Liter Volumen zur Verfügung. Dafür gibt es nun eine Plastiklappe, die die Inhalte vor Verschmutzungen schützt. Der Kofferraum fasst 526 Liter, mit umgeklappter Rücksitzlehne werden es 1.536 Liter. Eine Metallschiene auf der Kofferraumkante schützt die Verkleidung, wenn man schwere Dinge in den Kofferraum schiebt. Unter dem Kofferraumboden befindet sich noch ein Staufach und wer besonders hoch stapeln will, kann den Boden einige Zentimeter tiefer legen. Optional fährt unter dem Heck eine Anhängerkupplung mit bis zu 2.000 kg Zugkraft heraus.

Schnellladen bis 200 kW

Der Polestar wird mit einem Heckmotor oder zwei Motoren als Allradversion angeboten. Bei beiden Varianten setzt der Hersteller auf permanenterregte Synchronmotoren. Beim Allradantrieb wird der vordere Motor im Bedarfsfall über eine Kupplung von der Achse getrennt. Das verhindert Schleppverluste, wenn die Vorderräder nur rollen sollen. Beim Heckantrieb (RWD) hat man 200 kW Motorleistung, bei der Allradversion (AWD) sind es 400 kW (Bild 5). Als ehemalige Performance-Marke darf der Polestar 4 bis zu 200 km/h fahren. Anders als die Volvo-Modelle, die alle bei 180 km/h abgeregelt werden.

Der Hersteller nennt beide Motorversionen Long Range, was an der 100 kWh-Batterie liegt. Mit nutzbaren 94 kWh des 400 Volt-Systems von CATL soll das SUV-Coupé 580 km (AWD) bzw. 610 km weit kommen. Geladen wird der Akku mit bis zu 200 kW Gleichstrom am Schnelllader. Für 10 bis 80 Prozent benötigt man 30 Minuten. Mit Wechselstrom lässt sich das Auto optional mit 22 kW geladen, Standard sind 11 kW. „Der Polestar ist auf bidirektionales Laden vorbereitet“, so Henrik Svensson. Doch schaltet der Hersteller die Funktion erst frei, wenn entsprechende Wallboxen im Angebot sind. Polestar setzt beim bi-direktionalen Laden auf Wechselstrom. Auch die Vehicle-to-Load-Funktion, also die Energieabgabe über eine Steckdose im Fahrzeug, werde erst später aktiviert.

Weiterhin im Level 2 unterwegs

Bei den automatisierten Fahrfunktionen bleibt Polestar im Level 2 plus. Auch wenn die 2020 gezeigte Studie Precept bereits einen Lidar-Sensor im Dach zeigte. Vermutlich schätzt der Hersteller die Entwicklung zum autonomen Fahren als auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden als noch zu früh bzw. gering ein. Das Sensorset besteht aus zwölf Kameras, einem Radar- und zwölf Ultraschallsensoren. Gesteuert wird das ADAS-System von einem Mobileye EyeQ-Chipset mit Supervision-Funktion, also Hände in den Schoß, Augen auf die Straße.

Polestar überarbeitet auch seine App. Ein Cloud-to-Cloud-System soll weniger Daten auf dem Smartphone ablegen und so Zuverlässigkeit als auch Anzeigegeschwindigkeit verbessern. Zudem sollen weitere Funktionen folgen. Wer nur mit dem Smartphone als Schlüssel einen Polestar (Bild 6) fährt, kann beispielsweise seine Heckklappe damit nicht öffnen. Ist im Fahrzeug eine Ladebegrenzung auf 80 Prozent eingestellt, lässt sich das aus der Ferne nicht ändern.

Noch eine Neuerung sind versenkte Türgriffe, bei denen man im Winter oft Sorge hat, ob sie einfrieren. Aber den Winter-erprobten Schweden sollte man vermutlich etwas Vertrauen entgegenbringen. ( se)

* Dirk Kunde ist freier Journalist und schreibt als Elektromobilitäts-Experte u.a. für Next Mobility

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