Der Chef des chinesischen Autokonzerns Geely hat sich für eine stärkere Förderung von Lkw mit Methanol-Antrieb ausgesprochen. Der in China angesehene CEO ist auch in Deutschland als Großaktionär von Daimler bekannt. Er machte seinen Vorschlag für Methanol im Schwerverkehr auf der jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses, was eine neue Debatte über diese technologische Route in Chinas staatlichen Medien ausgelöst hat.
Die Winter in Nordchina sind in der Regel sehr kalt. Methanol hat einen Gefrierpunkt von minus 97,6 Grad Celsius und würde sich daher für den Einsatz in Nutzfahrzeugen eignen.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)
Wer die Energiewende vorantreiben und gleichzeitig Chinas Unabhängigkeit von Ölimporten verringern wolle, der müsse Methanol-Antriebe für Lkw als realistischen Weg ernst nehmen, argumentierte Li. Fahrzeuge mit diesem Antrieb seinen kostengünstig im Betrieb, umweltfreundlich und schnell zu betanken, so seine wichtigsten Punkte.
Obwohl in China seit vielen Jahren über Methanol-Antriebe debattiert wird, ist die Technologie auch hier bislang ein Nischenmarkt geblieben. Exakte Statistiken sind schwer zu finden, doch die Gesamtzahl der verkauften Lkw mit Methanol-Antrieb dürfte sich im niedrigen vierstelligen Bereich bewegen. Das sind noch weniger als Fahrzeuge mit Brennstoffzelle und deutlich weniger als Lkw aus dem Segment New Energy Vehicles mit elektrischen oder hybriden Antrieben. Von den letzteren sind im vergangenen Jahr in China mehr als 200.000 Einheiten neu zugelassen worden.
Diesel-Lkw nach wie vor führend auf Chinas Straßen
Schaut man sich alle Zahlen im Vergleich an, so bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass keine der umweltfreundlichen Alternativen bisher die Diesel-Brummis von Chinas Straßen verdrängen konnte. Die Marktdurchdringung von NEV-Nutzfahrzeugen im Gesamtmarkt lag in China 2025 bei 26,9 Prozent, berichtet der chinesische Herstellerverband CAAM. Allerdings zeigt die Quote neuerdings einen deutlichen Aufwärtstrend.
Die Befürworter des Einsatzes von Methanol als Kraftstoff verlangen nicht, dass diese Technologie andere alternative Antriebe ersetzen solle, sondern schlagen sie als einen dritten, ergänzenden Weg vor. In bestimmten Szenarien, zum Beispiel bei sehr langen Strecken oder in sehr kalten Nordregionen Chinas, hätte Methanol Vorteile, sagen sie. Geely-Chef Li Shufu hat auf der NVK-Sitzung in Peking, wo er als Abgeordneter fungiert, dem chinesischen Transportministerium konkret vorgeschlagen, insbesondere die Tankinfrastruktur für Methanol entlang großer Logistikkorridore auszubauen, berichtete das chinesische Branchenportal Zhongguo Qiche Bao. Es sollten „grüne Güterverkehrskorridore" geschaffen werden, forderte Li.
Fast zur selben Zeit erklärte die Nationale Energiebehörde in Peking bei einem eigens einberufenen Symposium grüne Kraftstoffe zur strategischen Priorität beim Ersatz von Erdöl. Grüne Kraftstoffe seien kürzlich in China erstmals auf die Ebene der nationalen Energiesicherheit gehoben worden, war dort zu erfahren.
Geely und Bosch entwickelten Methanol-Wasserstoff-Antriebssystem
Der Vorstoß des Geely-Chefs ist nicht uneigennützig. Geelys Nutzfahrzeug-Sparte Farizon Auto baut bereits Methanol-Lkw in Serie und hat gemeinsam mit Bosch ein Methanol-Wasserstoff-Antriebssystem entwickelt, das nach eigenen Aussagen einen thermischen Wirkungsgrad von 50,3 Prozent erreicht. Farizon-CEO Fan Xianjun hat kürzlich auf einem Forum des Thinktanks China EV100 in Peking konkrete Zahlen genannt, die für Lkw mit Methanol sprechen. Ein Liter Methanol erzeuge mehr als zwei kWh Strom, die effektiven Energiekosten lägen unter einem Yuan, was rund 0,12 Euro pro Kilowattstunde entspricht. Die Gesamtbetriebskosten eines Methanol-Lkw seien 32 bis 52 Prozent niedriger als bei einem Diesel-Lkw. Der Anschaffungspreis liege rund zehn Prozent unter dem eines batterieelektrischen Lkw, die Reichweite bei etwa 1.500 Kilometern, zitierte die China Daily aus der Rede des Farizon-Chefs auf dem Symposium.
Vorteile nutzen
In der Tat gibt es eine Reihe starker Argumente, die Methanol zumindest als parallel eingesetzte Route für die Reduzierung von Emissionen und Umweltgiften entlang chinesischer Landstraßen und Autobahnen sprechen. Methanol hat einen Gefrierpunkt von minus 97,6 Grad Celsius, friert also praktisch nie ein. Für die eisigen Winter in Nordchina, wo Batterien an ihre Grenzen stoßen, ist das ein entscheidendes Argument. Tanken dauert drei bis fünf Minuten.
Auch der Ausbau der Infrastruktur könne schneller gehen als bei Wasserstoff oder beim Batterietausch. Chinas 120.000 bestehende Tankstellen ließen sich mit relativ geringem Aufwand um Methanol-Zapfsäulen erweitern. Ein zusätzlicher Tank koste lediglich 50.000 bis 100.000 Yuan, also rund 6.200 bis 12.500 Euro, erklärte Fan. Zum Vergleich: Eine Wasserstoff-Tankstelle schlägt mit rund zwölf Millionen Yuan – 1,5 Millionen Euro – zu Buche, eine einzelne Batterietausch-Station mit acht Millionen Yuan, also mit rund einer Million Euro.
China ist größter Produzent und Verbraucher von Methanol
In der Provinz Shanxi, einem Kohlerevier im Norden Chinas, ist eines der vielen Pilotprojekte zu beobachten, die in den vergangenen Jahren in China durchgeführt worden sind. Der Kreis Lingshi in der Stadt Jinzhong startete 2022 ein solches Projekt für Methanol-Lkw im Bergbautransport. Entlang der Nationalstraße 108 gibt es dort fünf Methanol-Tankstellen mit einer Gesamtkapazität von 274 Tonnen. Bis Februar 2026 hatten 23 Unternehmen in dem Kreis Verträge über 116 Methanol-Lkw unterschrieben, berichtete die örtliche Tageszeitung Shanxi Shichang Daobao.
Stand: 08.12.2025
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China ist der weltweit größte Produzent und Verbraucher von Methanol und kontrolliert über 60 Prozent der globalen Kapazität. Das langfristige Ziel der Zentralregierung ist der flächendeckende Einsatz von „grünem Methanol", das aus Wasserstoff und abgeschiedenem CO2 hergestellt wird.
Momentan sind die Produktionskosten von umweltfreundlichem Methanol allerdings noch recht hoch. Ohne einen weiteren Anschub seitens der Regierung wird der Vorschlag von Li Shufu wohl eher verhallen. Der größte Freund der Methanol-Befürworter ist derzeit möglicherweise der US-Präsident Donald Trump und sein Krieg gegen den Iran. Das Thema „Energiesicherheit“ steht auch in den Kreisen der chinesischen Partei- und Staatsführung derzeit wieder ganz oben auf der To-do-Liste.
Bekannt geworden ist das auf dem oben bereits erwähnten Symposium der Energiebehörde. „Zum ersten Mal sind grüne Kraftstoffe auf eine strategische Ebene gehoben worden, die mit der nationalen Energiesicherheit und der Entwicklung neuer Produktivkräfte verknüpft ist. Das ist ein grundlegender Wandel,“ zitierte die Zhongguao Qiche Bao den als Experten geltenden Professor Yao Chunde. Methanol sei gerade zu einem „unverzichtbaren Bestandteil des nationalen Energiesystems“ ernannt worden, sagte der Professor. Das sind gute Nachrichten für Unternehmen wie Geely und Bosch, die gemeinsam in diese Technologie investiert haben. (se)