Die Fahrradbranche versucht, an den Corona-Boom anzuschließen. Welche Neuheiten sie bietet, zeigt sie auf der Eurobike in Frankfurt. Ohne E-Antrieb geht dort nicht mehr viel. Und es darf auch etwas kosten.
Die diesjährige Eurobike findet vom 21. bis 25. Juni in Frankfurt statt.
(Bild: Eurobike / Frank Baumhammel)
Teure Premium-Räder schon für die Kleinen, sportliche Mountainbikes und Gravelbikes sowie Lastenräder, die sich leichter im Alltag bewegen lassen: All das zählt zu den Neuheiten der diesjährigen Eurobike (21. bis 25. Juni) in Frankfurt. Auch ausgefeiltes Zubehör wie (fast) unknackbare Schlösser und Fahrradleuchten mit 72 Meter Reichweite sind dort zu finden.
Auf der Messe, die am Mittwoch zunächst für Fachbesucher öffnete, wird eines klar: Ohne Elektronik läuft nicht mehr viel am Fahrrad. Hersteller tüfteln an immer komfortableren Modellen und hoffen auf kaufkräftige Kundschaft. Hier kommen fünf Trends, die uns auf der Eurobike aufgefallen sind.
Schicke Räder für Kinder – Premium auch für die Kleinen
Für Kinderräder sind Kunden zunehmend bereit, viel Geld auszugeben. Eine schöne Optik, Formfluss und innen verlegte Kabel breiten sich auch bei Modellen für Kinder aus. Damit sollen sie genauso komfortabel fahren können wie Erwachsene.
In den oberen Klassen werden Preise von 600 bis 700 Euro erreicht, sagt Alexander Giebler vom Pressedienst-Fahrrad. Manche Hersteller gehen gar bis knapp 1.000 Euro. Ein Premium-Rad ist beispielsweise das „Supurb BO-20“, das Kindern ins Gelände verhelfen soll und eine kindgerechte Geometrie hat. Zur Ausstattung zählen hydraulische Scheibenbremsen mit Griffweiteneinstellung und interne Zugverlegung.
Auch die Ex-Rennradprofis Marcel Kittel und Tony Martin haben in den Markt investiert und mit Lion Bikes eine Marke für den Nachwuchs gestartet. Die Räder der Serie „Discover“ legen den Fokus auf nachhaltige Produktion und Sichtbarkeits-Features wie reflektierende Rahmen und in den Rahmen integrierte Rücklichter.
Lastenräder sind weiter im Trend und können dank Batterieantrieb in Städten ein Auto ersetzen. Nachteil: Oft sind sie groß, wuchtig und schwer. Hersteller machen sie nun leichter und kürzer, etwa beim zierlich wirkenden „Toolbike No O1“ des Schweizer Start-ups Monopole.
Das hat einen rechteckigen Stahlrahmen, ein integriertes X35-E-Bike-System von Mahle und einen modularen Gepäckträger. Mit 22 Kilogramm Eigengewicht und 150 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse vereine das Rad Größe und Gewicht eines E-Mountainbikes mit der Kapazität eines kompakten Lastenrads.
Auch der Hersteller Riese & Müller geht in diese Richtung: Der „Multitinker“ kombiniert den Stauraum eines Cargobikes mit der Wendigkeit eines kompakten E-Bikes. Auf dem langen Gepäckträger haben bis zu zwei Kinder Platz. Das Rad lässt sich laut Hersteller dank seines tiefen Schwerpunkts auch voll beladen problemlos fahren.
Sportliche Gravelbikes – ein Rad für alles
Elektrifizierte Gravelbikes sind stark im Kommen. Ein Rad für alles – Straße, Gelände, Arbeitsweg – das wollen Gravelbikes, eine Art Rennrad mit breiteren Profilreifen, generell sein. Auch ohne Motor.
Das „Colmaro Extreme“ des niederländischen Herstellers Koga etwa soll sich sowohl für mehrtägige Radtouren mit Gepäck („Bike-Packing“) als auch fürs Training auf der Straße eignen.
Das leichte Aluminium-Bike verspricht Schnelligkeit und Komfort mit Laufrädern von der bekannten Marke DT Swiss. Eine schnell zu lösende Halterung soll das Anbringen und Abladen von Gepäck erleichtern – damit dem sportlichen Fahren à la Rennrad nichts im Wege steht.
Leichte E-Mountainbikes – weniger ist mehr
E-Mountainbikes sind beliebt, doch in den vergangenen Jahren wurden sie immer schwerer: Kunden wünschten sich mehr Reichweite und Leistung, also größere Akkus. Bosch sieht nun den Trend, dass E-Bikes wieder leichter werden dürften, wie Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch E-Bike Systems sagt.
Mit der neuen „Performance Line SX“ wiege der Antrieb bei Bosch nur zwei Kilogramm, ebenso der passende Akku „Compact Tube 400“. „Das geringere Systemgewicht von insgesamt vier Kilo ist nicht nur beim Fahren relevant, sondern auch, wenn man das Rad mal tragen muss, in den Keller oder auf den Bahnsteig.“ Zielgruppe seien etwa E-Biker, die mit viel Gepäck in den Bergen unterwegs sind.
Ein E-Mountainbike, das sich anfühlt wie ein normales Geländerad, verspricht Scott mit dem „Lumen 900 E-Ride“. Es punktet mit schlichter Optik und geringem Gewicht von rund 16 Kilogramm. Das Rad sieht aus wie ein normales Mountainbike – bei Bedarf gibt aber die Batterie kräftigen Schub und verleiht dem Fahrer geräuschlose Beschleunigung. Dezent verbaut sind Dämpfer, Akku, Display und Kabel.
Stand: 08.12.2025
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High End und nachhaltig – ausgefeiltes Zubehör
Teure Räder sollten gut gesichert sein. Einen starken Schutz will das Schloss „Granit Super Extreme 2500“ von Abus bieten. Dabei kommt auf Bügel und Schlosskörper ein spezielles Material aus Wolframcarbid zum Einsatz – laut Hersteller ist das selbst mit einer Akkuflex kaum zu knacken.
Einen nachhaltigen Reifen hat Schwalbe entwickelt: Der „Green Marathon“ wird aus gebrauchten Altreifen hergestellt. Sie werden in Einzelteile zerlegt und der recycelte Industrieruß für die neuen Reifen verwendet.
Mehr Sichtbarkeit für Rennradfahrer verspricht der Scheinwerfer „Light Skin Naca Road“ von Schindelhauer. Dazu wurde die Projektionslinsentechnologie von Autoscheinwerfern übernommen, damit auch schnelle Radler weit sichtbar sind. Die Reichweite des Lichts soll bei 72 Metern liegen.