Software-definierte Fahrzeuge Fit für die Mobilität der Zukunft

Von Stefanie Eckardt 5 min Lesedauer

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Für einen französischen Automobilzulieferer ist der Pariser Autosalon 2024 Ehrensache. Für Valeo ging es allerdings nicht nur um die Ehre, sondern vor allem um die Demonstration neuer, aber auch bewährter Technologien. In der Veranstaltungsstätte Espace Clacquesin, einer historischen Destillerie unweit vom Messegelände Porte de Versailles, konnten Kunden, aber auch die Presse, Valeo-Technologien auf Herz und Nieren prüfen. Oder einfach Spaß beim Ausprobieren haben.

Neben der Elektromobilität stand vor allem das Software-definierte Fahrzeug im Mittelpunkt von Valeos Messeauftritt bei der Pariser Autoshow. In seiner Keynote auf dem im Rahmen des Mondial stattgefundenen Paris Automotive Summit unterstrich CEO Christophe Périllat Chancen, Risiken und Herausforderungen. Der Automobilzulieferer sieht sich jedoch gut aufgestellt.(Bild:  © Sebastien Borda - Couloir3.com - Tous droits réservés)
Neben der Elektromobilität stand vor allem das Software-definierte Fahrzeug im Mittelpunkt von Valeos Messeauftritt bei der Pariser Autoshow. In seiner Keynote auf dem im Rahmen des Mondial stattgefundenen Paris Automotive Summit unterstrich CEO Christophe Périllat Chancen, Risiken und Herausforderungen. Der Automobilzulieferer sieht sich jedoch gut aufgestellt.
(Bild: © Sebastien Borda - Couloir3.com - Tous droits réservés)

Auf dem Pariser Messegelände in Porte de Versailles konnten sich nicht nur Fachbesucher, Journalisten oder Privatinteressierte über neue und bewährte Technologien des Automobilzulieferers Valeo informieren. Auch der französische Staatspräsident stattete dem Unternehmen einen Besuch in Halle 6 ab und ließ sich dort einige Neuheiten erklären. Dazu zählte beispielsweise das Sicherheitssystem Pantomine, das auf dem Stand einige Lacher dank Bauarbeiter-Bekleidung oder Polizistenuniform verursachte. Bei Pantomine erhöht künstliche Intelligenz die Sicherheit für Verkehrsteilnehmer. Denn eine der größten Herausforderungen des automatisierten und später autonomen Fahrens ist die Entschlüsselung menschlichen Verhaltens. Selbstfahrende Autos müssen im städtischen Verkehrsumfeld sichere Entscheidungen treffen und das Vorwärtskommen auch dann erleichtert, wenn es Bauarbeiten gibt oder Verkehrskontrollen oder Radfahrer den Verkehrsweg queren. Hierfür hat Valeo Software-Lösungen im Portfolio, die Intelligenz ins Fahrzeug bringen und die Interaktion mit einem Bauarbeiter, der Polizei und Radfahrern in verschiedenen Grenzsituationen unterstützen.

Valeo: Fit für die Mobilität der Zukunft
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Darüber hinaus war das Frontpanel des neuen Zeekr zu sehen, das über eine erhöhte Markenidentität verfügt. Das wird durch das zentral beleuchtete Logos ermöglicht, das einen ADAS-Sensor integriert. Dank seiner Frontschürze, die mit einer 15 mm hohen Bifunktionsbeleuchtung von Valeo Thinbilite und zwei digitalen Panels mit mehr als 1.700 LEDs ausgestattet ist, integriert das Fahrzeug neue Elemente und bricht gleichzeitig mit dem traditionellen segmentierten Design des Fahrzeugs, das den Benutzern eine personalisierte und interaktive Beleuchtungserfahrung bietet. Auch die Innenraum-Ambientebeleuchtung für ein aufregendes Fahrerlebnis stammt aus dem Hause des französischen Zulieferers.

Elektromobilität

Auch zur Optimierung von Elektrofahrzeugen war mit einem intelligenten immersiven Batteriekühlsystem eine Lösung am Stand zu sehen. Dieses System kombiniert eine dielektrische Flüssigkeit mit einer intelligenten Hydraulikarchitektur, um die Gesamtleistung von Elektrofahrzeugen in Bezug auf Sicherheit, Effizienz, Ladegeschwindigkeit, Langlebigkeit und niedriger Umweltbelastung zu verbessern. Das Batteriekühlsystem verkürzt die Ladezeit, indem es die Zellen entsprechend kühlt oder vorwärmt. Des Weiteren reduziert es den durchschnittlichen Kompressorverbrauch über einen gesamten Fahrzyklus um 5 bis 8 Prozent m Vergleich zu einer Batterie. Die großen Strukturmodule, die die Flüssigkeit einbetten, bestehen aus Valeo OrganoSheet-Material, das einen robusten mechanischen Aufprallschutz bietet. Dieses Material ist laut Herstelleraussagen so leicht wie Aluminium, aber 50 Prozent weniger kohlenstoffintensiv.

Spiel und Spaß für klein und groß

Um seine Technologien auch während einer Fahrt zu demonstrieren, lud Valeo in sein Mobility House, das sich In der Veranstaltungsstätte Espace Clacquesin, einer historischen Destillerie unweit des Messegeländes Porte de Versailles, befand. Im Mittelpunkt stand mit Valeo Race ein neues Fahrerlebnis für Groß und Klein. Valeo Racer ist ein Extended-Reality-Spielerlebnis für Passagiere, die auf ihrem per WLAN verbundenen Smartphone oder Tablet spielen können. Besonderheit: Das neue Spiel verbindet die reale Umgebung des Fahrzeugs mit 3D-Elementen. Die selbstentwickelte Software nutzt für das Spiel die Fahrerassistenzsysteme – Kameras und Radare – des Fahrzeugs sowie die bereits an Bord befindlichen Wahrnehmungs- und künstlichen Intelligenzalgorithmen, um die reale Umgebung des Autos in das Spiel einzubinden. Dabei gilt es Belohnungen einzusammeln, die im Anschluss in einem realen Shop eingelöst werden könnten. Wem auf dem Rücksitz schnell übel wird und sich denkt „leider nicht für mich“, wird eines Besseren belehrt. Durch die Echtzeitumgebung des Fahrzeugs wird man nicht nur abgelenkt, sondern diese sorgt auch dafür, dass die Augen und Gleichgewichtsorgan das Gleiche wahrnehmen.

Für ein sichereres und komfortableres Fahrerlebnis präsentieren der Zulieferer und Here eine neue Version des Valeo Smart-Safety-360-Systems, das eine Navigation on Pilot-Funktion integriert. Diese basiert auf einem vollständigen Karten-, Navigations- und Serviceerlebnis für vernetzte Fahrzeuge mit einer schlüsselfertigen oder anpassbaren Software-as-a-Service-Lösung – bereitgestellt von Here. Mit dem System lassen sich verschiedene Sicherheits- und Parkassistenzfunktionen mit begrenzten Auswirkungen auf die Architektur und damit auf die Kosten des Fahrzeugs bereitzustellen. Die intelligente Frontkamera steht im Mittelpunkt der Architektur und kann mit bis zu 6 Kameras, 5 Radargeräten, 12 Ultraschallsensoren, einem ADAS-Domänencontroller und der zugehörigen Software verbunden werden. Dieser skalierbare Ansatz ermöglicht es Autoherstellern, Kosten und Effizienz zu optimieren, indem sie einzelne Steuergeräte entfernen, da die verschiedenen Arten von Sicherheits- und ADAS-Sensoren in die Frontkamera-basierte Architektur integriert werden.

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Software-definierte Fahrzeuge

„Ein Software-definiertes Fahrzeug ist das Versprechen, dass zukünftige Fahrzeuge aktualisiert und diese Updates kommerzialisiert werden können – über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Der Nutzer kann Funktionen nach seinen Anforderungen hinzufügen oder entfernen, wie bei seinem Smartphone“, erklärte Christophe Périllat, CEO von Valeo in seiner Keynote auf dem Pariser Automotive Summit im Rahmen des Mondial de l’Auto. Software-definierte Fahrzeuge (SDVs) würden daher neue Geschäftsmodelle eröffnen, weil Automobilhersteller in der Lage sein werden, „wiederkehrende Umsätze weit über den Verkauf des Fahrzeugs hinaus durch Abonnementmodelle ähnlich wie Netflix oder Spotify wahrzunehmen. Nach Video-on-Demand werden wir nun auch Feature-on-Demand in den Fahrzeugen haben.“

Er betonte dabei, dass ein heutiges Fahrzeug bereits 200 Millionen Codezeilen beinhaltet. Damit man von einem Software-definierten Fahrzeug sprechen kann, muss man allerdings nicht nur die Fahrzeugarchitektur grundlegend verändern. „Die Umstellung auf SDVs muss kollektiv erfolgen und ein ganzes Ökosystem voraussetzen, das Akteure umfasst, die weit über die Automobilindustrie hinausgehen.“ Périllat unterstreichte in seiner Keynote: „Es erfordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Akteuren mit komplementären Fähigkeiten, von Betriebssystemen über Middleware und Anwendungen bis hin zu Cloud und Cybersicherheit, um nur einige zu nennen. Es erfordert auch den Übergang von einer sehr top-down-Hierarchie der OEMs und Zulieferer hin zu einem viel stärker vernetzten und partnerschaftlichen Arbeitsmodell. Die Schlüsselwörter lauten Co-Development und Open Innovation.“

Der Zulieferer sieht sich gut aufgestellt und plant „ein wichtiger Akteur beim Software-definierten Fahrzeug zu werden. Valeo kooperiert in puncto SDV beispielsweise seit letztem Jahr mit Renault. Beide Unternehmen wollen gemeinsam die Entwicklung der E/E-Architektur vorantreiben. Valeo liefert dem Autobauer Hochleistungsrechner sowie Software für On-Board-Anwendungen. Eine weitere Partnerschaft rund um das SDV besteht mit BMW. Für die Neue Klasse stellen die Franzosen ADAS-Domänencontroller, Sensoren sowie Software zum Parken und Rangieren zur Verfügung. (se)

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