Mobile Automation Fahrerloses Fahren erobert chinesischen Bergbau

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

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Beim autonomen Fahren denkt man an futuristische Pkw, die ohne menschlichen Fahrer auf der Autobahn unterwegs sind. Doch während diese Vision auf sich warten lässt, macht das fahrerlose Fahren in einer ganz anderen Sparte der Mobilität echte Fortschritte. In China sind unbemannte Fahrzeuge im Berg- und Tagebau seit diesem Jahr auf der Überholspur unterwegs.

Die Automatisierung nimmt nicht nur im Straßenverkehr zu. Doch während auf der Straße der Fahrer nach wie vor notwendig ist, kann man im Bergbau schon auf ihn verzichten. Zumindest im Reich der Mitte.(Bild:  frei lizenziert bei Pixabay)
Die Automatisierung nimmt nicht nur im Straßenverkehr zu. Doch während auf der Straße der Fahrer nach wie vor notwendig ist, kann man im Bergbau schon auf ihn verzichten. Zumindest im Reich der Mitte.
(Bild: frei lizenziert bei Pixabay)

Die chinesische Firma Eacon, die „Lösungen für unbemannte Minenfahrzeuge“ verkauft, konnte gerade eine Investitionsrunde mit 300 Millionen Yuan – entspricht rund 38,3 Millionen Euro – verkünden, berichtet das chinesische Autofachportal Gasgoo. Damit hat das Unternehmen innerhalb von sechs Monaten umgerechnet knapp 90 Millionen Euro eingesammelt, die es eigenen Angaben zufolge in die Forschung & Entwicklung stecken will. Der Grund, warum vor allem staatliche Investment-Fonds in China nun beginnen, viel Geld in diesen Sektor zu pumpen, ist einfach zu finden. Spätestens seit diesem Jahr hat in China eine Phase der beschleunigten Kommerzialisierung fahrerloser Transport-Technologien im Bergbau begonnen.

Arbeits- und Energiekosten sparen

Eacon ist einer der „vier kleinen Drachen“ der jungen chinesischen Industrie für das fahrerlose Fahren im Bergbau, neben Waytous, CiDi und iTage. Im Sommer vergangenen Jahres habe das Unternehmen den Meilenstein von 100 unbemannten Minenfahrzeugen erreicht, die mit seiner Plattform unterwegs sind, berichtet Gasgoo. Jetzt seien es schon mehr als 300. „Minen sind der einfachste Ort, wo das autonome Fahren implementiert werden kann,“ schreibt das Fachmedium Dongjian Xinyanshe. Vor allem in den großen, offenen Pits des Tagebaus in den Provinzen Xinjiang und Henan und in der Inneren Mongolei sind ohnehin kaum Menschen unterwegs, die Routen sind relativ fix und der Druck auf die Betreiber der Bergwerke, Arbeits- und Energiekosten zu sparen und Unfälle zu reduzieren ist groß.

Das Geschäftsmodell in China, das sich gerade herausbildet, ist interessant. Anders als im westlichen Ausland sind es in China nicht vorwiegend Autobauer, die komplette autonome Minenfahrzeuge bauen und vermarkten, sondern Anbieter von autonomer Fahrtechnik und dazu gehöriger Management-Plattformen wie die „vier kleinen Drachen“, die dann für das Deployment mit großen Herstellern von kommerziellen Nutzfahrzeugen sie Sany, Tongli Heavy Industries, Yutong oder Lingong kooperieren.

Autonomes Fahren in Chinas Bergbau. (Bild:  Asia Waypoint)
Autonomes Fahren in Chinas Bergbau.
(Bild: Asia Waypoint)

Förderungen vom Staat

Die chinesische Regierung fördert die Entwicklung des autonomen Fahrens und anderer Automatisierungen im Bergbau aktiv, indem sie schnell den nötigen gesetzlichen Rahmen schafft und in ihren Fünfjahresplänen Zielvorgaben für die Implementierung setzt. Schon 2020 hatten die oberste Zentralplanungsbehörde NDRC und die Nationale Energiebehörde in Peking die „Guiding Opinions on Accelerating the Development of Smart Coal Mines“ herausgegeben. Die vor allem großen Staatsbetrieben gehörenden Bergwerke des Landes haben an Tests teilgenommen und seit kurzem häufen sich auch die kommerziellen Bestellungen.

Die vier genannten Anbieter haben „in der jüngsten Vergangenheit erfolgreich Ausschreibungen für eine Anzahl von Bestellungen für rein elektrische, autonom fahrende Bergwerksfahrzeuge gewonnen“, schreibt Dongjian Xinyanshe. Sie hätten begonnen, den „heimischen Markt zu erschliessen“. Exporte seien der nächste logische Schritt.

Fahrerlose Fahrzeuge könnten im Tagebau pro Jahr Lohnkosten von mehr als 400.000 Yuan einsparen helfen, also umgerechnet rund 51.000 Euro. Außerdem sinke die Zahl von Unfällen, schreibt das chinesische Fachmedium. Letzteres ist ein wichtiges Argument für die chinesische Regierung, die immer wieder mit großen Bergwerksunfällen zu kämpfen hat.

Jetzt aber wird der Sektor konsequent modernisiert. Schon bis 2025 sollen den Zentralplanern in Peking zufolge als erstes die meisten großen Kohlebergwerke mit intelligenter, digitaler Logistik betrieben werden und sämtliche „Open-Pit“-Kohleminen sollen mit fahrerlosen Fahrzeugen ausgerüstet sein. Bis 2035 sollen dann auch alle anderen Typen von Kohlebergwerken in China mit „intelligenten Systemen“ ausgestattet werden. (se)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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