Luftfahrt-Innovation Testflug: Erstes UFO hebt in China ab

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Im chinesischen Shenzen wurde ein vermeintliches UFO gesichtet. Es war aber ein so genanntes eVOTL. Diese vertikal startenden Fluggeräte werden derzeit weltweit von diversen Unternehmen entwickelt. Und es gibt schon verschiedene Anwendungsszenarien.

Der X3 von Aeroht hat Ende Oktober 2022 seinen Jungfernflug in China absolviert. Das sah noch sehr nach Auto aus. Nun ist ein eVOTL in UFO-Form der Firma Shenzhen UFO Technology Co. Ltd. auf Jungfernflug gegangen.(Bild:  Aeroht)
Der X3 von Aeroht hat Ende Oktober 2022 seinen Jungfernflug in China absolviert. Das sah noch sehr nach Auto aus. Nun ist ein eVOTL in UFO-Form der Firma Shenzhen UFO Technology Co. Ltd. auf Jungfernflug gegangen.
(Bild: Aeroht)

Ein UFO ist über Shenzhen gesichtet worden und diesmal war es echt. Der erste Testflug eines Prototypen der „Shenzhen UFO Technology Co. Ltd.“ ist am 3. Juni erfolgreich verlaufen, melden lokale Medien. Die fliegende Untertasse schwebte kurz über einem kleinen See, bevor sie unter den Rufen des Publikums in einer eleganten Kurve davonflog.

Wie das Amt für Wissenschaft und Technik der Provinz Guangdong in einem Bericht erklärt, handelt es sich um ein sogenanntes eVOTL, also ein „electric Vertical take-Off and Landing aircraft“, also ein elektrisch angetriebenes Fluggerät, dass ähnlich wie ein Hubschrauber senkrecht abheben und wieder landen kann.

Nur haben sich die Ingenieure von der renommierten Beihang University und der Polytechnical University diesmal für ein besonderes Design entschieden. Das UFO-ähnliche Fluggerät ist rund, mit sechs Löchern in der Scheibe. In der Mitte gibt es eine Panorama-Kapsel, von der aus der Pilot den Boden gut im Blick behalten kann.

Überschaubare Flugfähigkeiten

Zudem kann dieses eVOTL den Berichten zufolge im Wasser starten und landen und besitzt somit amphibische Fähigkeiten. Das war es dann aber auch schon mit den “Wow-Effekten”, denn der Rest der bekannt gewordenen Details ist nicht ganz so beeindruckend: So fliegt das Gerät mit 12 Propellern und erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 50 km/h bei einer maximale Flughöhe von 200 Metern. Genau 15 Minuten kann es fliegen, bevor es wieder aufgeladen werden muss.

Allerdings ist dies ja auch erst der erste Prototyp des chinesischen Unternehmens und der Zielmarkt sind nicht Käufer in fernen Galaxien, sondern die Touristik- und Werbebranche, wie GizmoChina berichtet. Dafür qualifiziere sich das Mini-UFO, in dem es „seinen Passagieren einen beispiellosen Panorama-Blick“ ermögliche, hieß es.

Man denke also vorerst an Dinge wie Sightseing, PR und Produkt-Promotionen. Was wie ein verspäteter Aprilscherz wirkt, ist also nur eine von vielen Manifestationen des eVOTL-Booms in China, der künftig tatsächlich das Zeug zu einer kleinen Revolution der E-Mobilität hat.

Eine ganze Reihe von Unternehmen in China investiert momentan ernsthaft in die Entwicklung von eVOTL. Aerofugia, eine Tochter des Autokonzerns Geely, hat im März einen erfolgreichen Testflug ihres Prototypen „AE200 X01“ durchgeführt.

Auch die Firma „Xpeng AeroHT“, eine Tochter des E-Auto-Startups Xpeng, hat dieses Jahr eine der begehrten Testlizenzen der chinesischen Flugaufsichtsbehörde ergattert und arbeitet an seinem „X2“, der nicht an ein UFO und Science-Fiction erinnert, sondern mit seinen wegklappbaren Flügeln eher an James-Bond-Filme.

Weltweit über 200-eVOTL-Firmen

Mehr als 200 Unternehmen arbeiten weltweit an eVOTL-Projekten. Die Entwürfe reichen von bemannten bis zu unbemannten, vom Einsitzer bis zum fliegenden Minibus für sechs Personen. Das chinesische Unternehmen Ehang hat eine bemannte Drohne namens EH216-S getestet. Archer Aviation produziert ein Fluggerät namens „Midnight“. Auch VW, Toyota, Daimler, Google, Tencent und Intel haben Ambitionen in diesem Bereich.

Nirgendwo gibt es derzeit soviele Testflüge wie in der Volksrepublik China, denn die Regierung in Peking gibt den Luftraum unterhalb von 1.000 Metern Flughöhe immer öfter für Testflüge frei. Man will der heimischen Industrie eine Startchance gegenüber der ausländischen Konkurrenz verschaffen.

Das Beratungsunternehmen Roland Berger sieht in einer Prognose für das Jahr 2025 bereits 3.000 fliegende Autos weltweit im Einsatz als Airport-Shuttles, Taxis oder für kurze Intercity-Flüge. Morgan Stanley glaubt, dass sich Weltmarkt für den neuen urbanen Lufttransport im Jahr 2024 Umsätze von einer Billion US-Dollar erreichen könnte.

In China, wo man nicht ein paar wenige, sondern gleich mehrere Hundert chronisch verstopfte Millionen-Städte mit einem vorwiegend aus Dauerstaus bestehendem Individualverkehr hat, meinen die Entwickler und Beamten die Sache mit den eVOTLs sehr ernst.

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