Man sollte ja immer sachlich und nüchtern bleiben, auch beim Thema E-Autos in China, aber es war wirklich so etwas wie ein Feuerwerk der Innovationen, das der chinesische Autobauer Chery gezündet hat. Auf seiner Pressekonferenz am 18. Oktober, sehr selbstbewusst „Chery Global Innovation Conference 2024“ genannt, hat Chinas viertgrößter Produzent von Elektro- und Hybridfahrzeugen gleich mehrere Überraschungen auf die versammelte Fachpresse losgelassen.
Der chinesische Automobilhersteller Chery will "unhöflich" sein und dem Wettbewerb mit neuen NEV-Modellen und -Technologien "einheizen".
(Bild: Chery)
Chery kündigte erstmals an, eine Festkörperbatterie zu entwickeln. Sie werde E-Autos eine Reichweite von 1.500 Kilometern ermöglichen, sagte Gao Xinhua, Executive VP von Chery auf der Konferenz in Wuhu, Provinz Anhui. Und sie soll schon 2026 auf der Straße sein, dann ab 2027 in Serie produziert werden.Auf der PK wurde ein Prototyp gezeigt, der selbst dann noch weiter funktionierte, nachdem ihm eine Ecke abgesägt worden war. Festkörperbatterien gelten bei vielen Beobachtern als die „nächste Generation der Powerbatterien“, die wegen ihrer höheren Energiedichte und gleichzeitig verbesserten Sicherheit die jetzt in China vorwiegend genutzten Lithium-Ionen-Batterien ersetzen könnten.
Noch 2024: Festkörperbatterien mit Energiedichte von 400 Wh/kg
Technisch ist es aber alles andere als einfach, Festkörperbatterien zu entwickeln und bis zur Serienreife zu bringen. Toyota, dem weltweit die Technologieführerschaft nachgesagt worden ist, hat seinen Zeitplan für die Massenfertigung von “Solid State” auf 2027 zurückgestellt. Volkswagen und BMW dito. Und selbst CATL quält sich noch mit der Entwicklung von Festkörperbatterien.
Die Ankündigung von Chery muss also wohl noch mit einem Schuss Skepsis begrüsst werden. „Chery hat nicht viele spezifische Parameter enthüllt und wir sind nicht in der Lage, eine detaillierte Analyse durchzuführen,“ kommentierte das chinesische Tech-Portal „Autolab“. Immerhin hat Chery aber präzisiert, dass seine Festkörperbatterien dieses Jahr eine Energiedichte von 400 Wh/kg erreichen würden, die schon bis nächstes Jahr auf 600 Wh/kg steigen soll. Das ist viel.
Und es gibt halt auch Indizien, die dafür sprechen, dass hier nicht nur dick aufgetragen wird. Letztes Jahr hat der Vorstandsvorsitzende von Chery, Yin Tongyue, auf der jährlichen Innovations-Konferenz ebenfalls eine Reihe von Neuerungen angekündigt und dabei laut gerufen, dass Chery “unhöflich“ sein werde – was auf Chinesische „bu keqi“ bedeutet. Mit anderen Worten, man werde der Konkurrenz bei E-Autos und Hybridfahrzeugen so richtig einheizen.
Steigende Verkaufszahlen
Und so ist es dann gekommen. Nicht zuletzt aufgrund vieler Innovationen, die bei Chinas Autokäufern gut ankommen, sind die monatlichen Chery-Verkaufszahlen von „New Energy Vehicles“ (NEV), also Elektro- und Hybridfahrzeugen aller Art, von 30.000 auf 40.000 auf 50.000 und zuletzt im September auf fast 60.000 Stück gestiegen – nämlich 58.941, um exakt zu sein.
Das war ein Anstieg der Chery-Verkäufe im Segment E-Mobilität um mehr als 183 Prozent im Jahresvergleich. Im September war Chery damit auf Platz Vier der erfolgreichsten chinesischen NEV-Hersteller nach Stückzahlen aufgestiegen.
Chery werde auch dieses Jahr wieder „bu keqi“ sein, rief der Unternehmenschef diesmal dann erneut von der Bühne seiner eigenen Autoshow in der chinesischen Provinz. Chery gehört der Stadtregierung von Wuhu. Der gewiefte Industrie-Veteran Yin Tongyue hat sein Handwerk unter anderem bei FAW-Volkswagen gelernt. Bis zum Ende dieses Jahres wolle er pro Monat 100.000 NEV verkaufen, sagte er.
Ab in die Luft
Die zweite Hingucker auf Herrn Yins diesjähriger Innovations-Konferenz war die Vorstellung des ersten fliegenden Autos von Chery. Es ist zwar noch ein Prototyp, hat aber bereits einen erfolgreichen Testflug über 80 Kilometer hinter sich gebracht. Der futuristisch anmutende Zweisitzer kann senkrecht starten und landen und ist für zwei Passagiere konzipiert, die dem Unternehmen zufolge immer dann mit dem Gefährt abheben sollen, wenn mal wieder ein Stau nervt. Und das ist in China häufig der Fall.
Sobald es wieder gelandet ist, kann das fliegende Chery-Auto dann völlig autonom weiterfahren. Es hat weder ein Lenkrad noch ein Gaspedal. Die maximale Flughöhe beträgt weniger als ein Kilometer. Die maximale Fluggeschwindigkeit liegt bei 120 km/h. Derzeit kann das fliegende Chery-Auto bis zu 40 Minuten lang fliegen - aber Chery arbeitet ja bereits an den Festkörperbatterien der Zukunft.
Nachdem jetzt also Xpeng, GAC, SAIC, Geely und neuerdings auch Chery fliegende Autos vorgestellt haben, wird es damit in China langsam ernst. „Nach dem aktuellen Entwicklungstrend zu urteilen könnte die Kommerzialisierung von fliegenden Autos schneller kommen als die Öffentlichkeit erwartet, ähnlich wie bei den autonom fahrenden Fahrzeugen, auch wenn es Sicherheitsbedenken gibt,“ urteilt das Fachportal CarNewsChina nach der Chery-Konferenz in Wuhu.
Stand: 08.12.2025
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Batterieentwicklungen
Ach so, auf der Innovations-Konferenz hagelte es auch noch eine ganze Reihe anderer Produktvorstellungen. Chery stellte die nächste Generation seines Autopiloten vor, den „Zdrive C-Pilot 5.0“. Dazu ein neues, Cloud-gesteuertes „VLA Large Model“. Und gleich drei neue Batterietypen der eigens neu geschaffenen Marke „Kunpeng“: eine „quadratische Lithium-Eisenphosphat-Batterie”, eine „quadratische ternäre Batterie“ und eine „große zylindrische ternäre Batterie”.
Alle drei Batterie-Neuerungen ermöglichen mit dem 6C-Standard sehr schnelle Ladezeiten. Fünf Minuten Laden sollen für 400 Kilometer Reichweite genügen. Die Batterien sollen noch in diesem Jahr in den ersten NEV-Marken von Chery auf den Markt kommen (Omoda, iCar, Exeed).
Ganz sachlich und nüchtern darf also wohl festgehalten werden, dass die diesjährige Innovations-Konferenz von Chery ein gutes Beispiel dafür war, wie stark sich chinesische Autohersteller derzeit auf Innovationen stützen, um in dem scharfen Wettbewerb im größten Automarkt der Erde Alleinstellungsmerkmale zu erringen.
Aus europäischer Perspektive sollten all diese Innovationen, diese erstaunlich schnellen technologischen Iterationen bei Powerbatterien oder intelligenten Fahrlösungen oder fliegenden Autos aufmerksam beobachtet werden. Es ist keinesfalls nur der Preis, über den China gerade den Weltmarkt für Autos erobert. Chery ist schon jetzt Chinas größer Auto-Exporteur. Und China hat sowohl Japan als auch Deutschland bei den Export-Stückzahlen überholt und ist damit schon jetzt die größte Auto-Exportnation der Erde. (se)
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.