Elektromobilität, Halbleiter und KI „Es braucht Reformen statt Regulierungen – und weniger Mikromanagement“

Von Stefanie Eckardt Stefanie Eckardt 5 min Lesedauer

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Agieren statt reagieren: In der Jahresauftaktpressekonferenz des Verbands der Automobilindustrie forderte VDA-Präsidentin Hildegard Müller von der Politik mehr Mut zu Reformen und zu Strategien, die den Standort Deutschland international wettbewerbsfähig machen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte in der Jahresauftaktpressekonferenz Reformen statt Regulierungen.(Bild:  Stefanie Eckardt | Screenshot VDA-Pressekonferenz)
VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte in der Jahresauftaktpressekonferenz Reformen statt Regulierungen.
(Bild: Stefanie Eckardt | Screenshot VDA-Pressekonferenz)

Durch den Dauer-Krisenmodus der letzten Jahre bewegt sich die Politik nicht nur in defensivem und reagierendem Verhalten, sondern offenbart damit auch schwerwiegende Mängel: „Die Ampel schafft es nicht, selbstbestimmte und vorausschauende Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Noch weniger schafft sie es, den Eindruck zu vermitteln, eine Strategie und ein klares Zielbild zu haben. Überregulierung und Bürokratie lähmen Wachstum und Innovationskraft. Das führt zu einem zunehmenden Vertrauensverlust – bei Industrie und Bevölkerung“, erklärt Hildegard Müller in der Jahresauftaktpressekonferenz des VDA.

„Agieren statt reagieren muss die Devise heißen: Mut zu Reformen – hin zu einer Strategie, die Orientierung gibt und die Kernaufgaben wieder in den Mittelpunkt stellt“, fordert Müller und ergänzt: „Dazu gehört vor allem, den Standort wieder international wettbewerbsfähig aufzustellen, Handels- und Rohstoffabkommen sowie Energiepartnerschaften abzuschließen, die Entbürokratisierung voranzutreiben und durch Technologieoffenheit Innovationskraft zu erzeugen. Entwicklungen müssen regelmäßig gemessen und evaluiert werden, um.eventuell nachzusteuern, damit die Zielerreichung sichergestellt wird. Die Politik muss wieder agieren und Herausforderungen im Vorhinein antizipieren: proaktiv handeln statt nachträglich reagieren. Nur so können wir die Kraft und die Ressourcen managen und Resilienz gegen Krisen entwickeln.“

„Es braucht Reformen statt Regulierung – und weniger Mikromanagement“
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Transformation nur mit starkem Standort erfolgreich

Damit der Standort Deutschland nicht zur Achillesferse einer erfolgreichen Transformation wird, solle das Land wieder zum Motor Europas werden. „Ich will, dass wir die Innovationen und Technologien entwickeln und exportieren, die weltweit klimaneutrales Wachstum ermöglichen. Das Problem: Das, was dafür von zentraler Bedeutung ist, ist zu unserer größten Schwachstelle geworden. Ein wettbewerbsfähiger, attraktiver, weltweit begehrter Standort ist die Grundlage für Wachstum und Wohlstand. Im zurückliegenden Jahr sind wir in vielen wichtigen Punkten nicht entscheidend weitergekommen: nicht in puncto wettbewerbsfähige Energiepreise, nicht beim Thema wettbewerbsfähiges Steuersystem, nicht beim Thema Bürokratieabbau. Rohstoff- und Energiepartnerschaften wurden kaum geschlossen, bei Freihandelsabkommen geht es praktisch nicht voran“, so Müller. Die Folgen sind schwerwiegend: „Verliert Deutschland, verliert Europa weiter an Wirtschaftskraft, an Anziehungskraft, dann verlieren wir an Relevanz – in einer Welt, in der Europa und seine Wirtschaftskraft mehr denn je zum Gestalten und Eintreten für unsere Werte gefordert ist“, bringt es die VDA-Präsidentin auf den Punkt.

Investitionen stärken Zukunftstechnologien

Aus diesem Grund fordert sie einen Paradigmenwechsel: „Reformen statt Regulierung. Pragmatismus statt Mikromanagement. Regulierung wirkt bremsend, wenn nicht nur Ziele, sondern auch die Instrumente politisch festgelegt werden. Ich bin überzeugt: Spielraum für die Wirtschaft schafft und sichert die Grundlage, ambitionierte Ziele tatsächlich zu realisieren. So können wir die Transformation meistern und dabei gleichzeitig eine führende Wirtschaftsnation bleiben. Wir brauchen eine moderne Mischung aus marktorientierter Wirtschaftspolitik und gestaltender Industriepolitik – gerade mit Blick auf internationale Entwicklungen. Subventionen können etwa zur Förderung von Zukunftstechnologien oder zur Stärkung der Resilienz als unterstützende Maßnahmen notwendig sein – Stichwort Halbleiter oder Batteriefabriken. Gleichzeitig gilt: Symptombekämpfung statt langfristiger strategischer Behebung der Ursachen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit ist keine langfristige Transformationsstrategie.“

Daten und künstliche Intelligenz im Fokus

In Hinblick auf den Data Act sowie den AI Act darf Deutschland nicht anderen Nationen das Feld überlassen, denn hierzulande liege ein großes Potenzial: „Unsere Hersteller und Zulieferer bringen alle Voraussetzungen mit, um hier weltweit die Standards und Maßstäbe zu setzen. Entscheidend ist auch hier, die richtige Balance zwischen notwendiger Regulierung und Chancennutzung zu finden. Deswegen müssen wir erstens unsere Stärken nutzen und ausbauen: gute Qualifizierung – gerade auch in den Unternehmen, eine hoch entwickelte Industrielandschaft, unser hohes Maß an internationaler Erfahrung und Vernetzung. Das ist für Innovationen in diesem Bereich eine gute Basis. Zweitens muss sichergestellt werden, dass die fehlende oder nicht ausreichend leistungsfähige digitale Infrastruktur nicht zum limitierenden Faktor für unsere Fortschritte in diesem Bereich wird. Und wir müssen drittens den Mut haben, Entwicklung und Ausprobieren möglich zu machen“, ist sich Müller sicher. Regulierung sei der zweite Schritt. Sie dürfe auf keinen Fall der erste sein.

Fokus auf Elektromobilität, automatisiertes Fahren und Digitalisierung

Hildegard Müller ist überzeugt, dass insbesondere in den jetzigen Zeiten der Unsicherheit Zuversicht notwendig ist: „Wir sind erfolgreich und weltweit führend – sei es zum Beispiel beim automatisierten Fahren oder in Sachen Kreislaufwirtschaft – und sprechen zu wenig darüber. Wir können Innovation: Nicht umsonst liegen unsere Unternehmen bei Patentanmeldungen für Zukunftstechnologien international auf den vordersten Plätzen. Erfolgsgeschichten sind so wichtig für die Stimmung in unserem Land – und motivieren zum Anpacken. Denn für das Gelingen der gewaltigen Transformation braucht es jeden Einzelnen.“ Die VDA-Präsidentin erklärt weiter: „Deutsche Autos, Nutzfahrzeuge und auch Zulieferer genießen hohes Ansehen, weltweit. Unsere Marken stehen für Tradition und innovative Technologieführerschaft. Die deutschen Autokonzerne wie auch der automobile Mittelstand stehen für Pioniergeist, Qualität, herausragende Marken und jahrzehntelange Erfahrungen und Erfolge. Wir werden alles dafür tun, damit das so bleibt und tätigen dazu immense Investitionen. Es ist unser Leitmotiv, den Weg zur Klimaneutralität engagiert voranzutreiben. Wir nehmen unsere Verantwortung zum Gelingen der Transformation an.“

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So werden die Hersteller und Zulieferer der deutschen Automobilindustrie bis 2028 weltweit rund 280 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Der Fokus liegt dabei auf der Transformation, insbesondere der Elektromobilität inklusive Batterietechnik, dem automatisierten Fahren sowie der Digitalisierung. Damit investieren die Hersteller und Zulieferer jährlich weltweit 56 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

Was bringt 2024?

Im Rahmen der Pressekonferenz prognostiziert VDA-Chefvolkswirt Dr. Manuel Kallweit: „Für den deutschen Markt rechnen wir 2024 mit einem Rückgang von einem Prozent auf weiterhin 2,8 Millionen. Einheiten. Das ist etwa ein Viertel weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Dabei gehen wir von einem niedrigeren Absatz von Elektro-Pkw aus, nämlich minus 9 Prozent auf 635.000 Einheiten. Während der Absatz von Plug-In-Hybriden (PHEV) um 5 Prozent auf 185.000 Einheiten steigen dürfte, gehen wir bei den rein batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) von einem Rückgang von 14 Prozent auf 451.000 Einheiten aus. Die Märkte in Europa und den USA dürften 2024 aufgrund des schwachen Vorjahresniveaus etwas stärker wachsen als der chinesische Markt. Für den globalen Pkw-Markt erwarten wir einen moderaten Anstieg um 2 Prozent. Damit wäre das Niveau des Jahres 2019 fast wieder erreicht.“

Bei der Pkw-Inlandsproduktion erwartet der VDA für dieses Jahr eine Seitwärtsbewegung, vor allem auf Grund der gesamtwirtschaftlichen Schwäche. „Eine erfreuliche Entwicklung erwarten wir bei der inländischen Produktion von Elektro-Pkw. Diese dürfte 2024 weiter steigen. Wir erwarten hier ein deutliches Plus in Höhe von 19 Prozent. Die Auslandsproduktion deutscher Konzernmarken dürfte mit der Fertigung von 10,6 Millionen Pkw um 4 Prozent zulegen“, so Dr. Kallweit.

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