Rostock erneuert seine Straßenbahnflotte. Das erste von 29 Fahrzeugen des Typs TINA von Stadler ist in der Hansestadt eingetroffen und wurde dort offiziell vorgestellt. Ab Ende 2025 geht die neue Generation der Straßenbahnen dann in den Fahrgastbetrieb.
Die erste von 29 bestellten Straßenbahnen des Stadler Typs TINA ist in Rostock eingetroffen.
(Bild: Stadler)
Den ersten Zug der neuen Straßenbahngeneration hat die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) am 19. Februar 2025 erstmals Stadtvertretern, Mitarbeitenden, Repräsentanten der Politik und der Presse präsentiert. Den Vertrag zur Lieferung von zunächst 28 Zügen des Typs Total Integrierter Niederflur-Antrieb, kurz TINA, unterschrieben der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler und die RSAG bereits am 24. Juni 2022, später wurde der Auftrag auf 29 Fahrzeuge erweitert. Im Februar 2024 nahm Stadler die Fertigung der Züge in seinem auf Bau und Lackierung von Straßenbahnwagenkästen aus Stahl spezialisierten Werk Środa Wielkopolska in Polen auf. Nach Abnahme des ersten Rohbaus im Juni 2024 kam dieser zum Ausbau und zur Endmontage in das ebenfalls in Polen gelegene Stadler-Werk Siedlce, wo Anfang Januar 2025 auch die Werksabnahme stattfand. Anschließend überführte der Hersteller das Fahrzeug auf einem Tieflader nach Rostock. Bis Mitte des Jahres sollen zwei weitere Trambahnen folgen, die Restlichen bis Mitte 2027.
Für den ersten Zug beginnt nun die für Neufahrzeuge in Deutschland vorgeschriebene Inbetriebnahmephase. Dazu ist der Zug zu Testzwecken und zur Vorbereitung der technischen Abnahme zunächst noch ohne Reisende zu Testzwecken auf den sechs Straßenbahnlinien in der Hanse- und Universitätsstadt unterwegs. Anschließend startet die Schulung der Fahrer. „Unsere Fahrgäste können sich auf topmoderne barrierefreie Straßenbahnen mit umweltverträglichen Klimaanlagen, WLAN und einem großzügigen Innenraum freuen. Wir beginnen jetzt mit den weiteren Maßnahmen für die Inbetriebnahme im Rostocker Streckennetz, damit wir zum Jahresende die erste Bahn in den Linienverkehr schicken können“, betonen die RSAG-Vorstände Yvette Hartmann und Jan Bleis.
Freuen sich bei der Vorstellung über das neue Fahrzeug: Stefan Wiedmer (Geschäftsführer VVW GmbH), Sabine Krüger (AR-Vorsitzende der RSAG), Martin Alge (Leiter Auftragsabwicklung Vollbahnen Stadler), Yvette Hartmann (Vorstand RSAG), Eva-Maria Kröger (Oberbürgermeisterin Rostock), Ines Jesse (Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit), Jan Bleis (Vorstand RSAG) (von links).
(Bild: Stadler)
Große Innenräume und hoher Komfort
Die dreiteiligen Fahrzeuge der neuen Straßenbahngeneration sind als Einrichtungsfahrzeug ausgeführt, vollklimatisiert und maximal 70 km/h schnell. Bei einer Länge von 32.250 mm und einer Breite von 2650 mm bieten sie Platz für 216 Reisende, 75 davon auf Sitzplätzen mit viel Beinfreiheit. Der großzügig gestaltete Innenraum der stufenlos begehbaren Züge verfügt über vier Mehrzweckbereiche für Kinderwagen oder Fahrräder.
Die vier 1300 mm breiten Türen ermöglichen zusammen mit den beiden einflügeligen Türen an den Zugenden einen raschen Fahrgastwechsel. Dazu trägt auch die Fußbodenhöhe von 290 mm im Einstiegsbereich bei, während ansonsten die Fußbodenhöhe 350 mm beträgt. Maximale Durchgangshöhen und Panoramafenster sorgen für ein offenes Raumgefühl und freien Ausblick. USB-Anschlüsse zum Laden von Mobilgeräten sind ebenso vorhanden wie ein Fahrgast-WLAN, die Information der Reisenden erfolgt über Doppel-TFT-Monitore. Wie alle Fahrzeuge der RSAG verfügen die neuen Bahnen über eine Videoüberwachung und einen bargeldlosen Fahrscheinautomaten.
Hoch und licht ist der Innenraum der neuen Züge gestaltet. Der Fußboden ist durchgehend stufenfrei.
(Bild: Stadler)
Die für die TINA-Familie neu entwickelten Drehgestelle bieten große Raddurchmesser und durch ein neuartiges Federungssystem einen hohen Fahrkomfort. Sie ermöglichen auch bei voller Ausdrehung eine große Gangbreite, sind mit einer einzigen Schraube am Wagenkasten befestigt und besitzen keine Hydraulikleitungen zu diesem – alles ist im Drehgestell verbaut. Zudem ist ein neuer Radverschleißausgleich ohne Ausgleichsscheiben in der Primärfederung vorhanden. Für die Fahrer ist das von Stadler als Uniboard bezeichnete, vollständig digitale Armaturenbrett die zentrale Informations- und Bedienungseinheit. Dieses stellt die Daten situationsbedingt dar und ermöglicht eine intuitive Bedienung.
Assistenzsysteme entlasten das Fahrpersonal
Die Fahrzeuge verfügen zudem über mehrere Assistenzsysteme wie Verkehrsschildererkennung, Totwinkelkameras, einen automatischen Notbremseingriff und ein Kollisionsschutzsystem, das als Sensorik ein Radar und ein Lidar aufweist.
Die TINA-Plattform besteht aus einem einzigen Drehgestelltyp und einer Zusammenstellung weniger, gleicher Wagenelemente. So ist der Mittelteil des Rostocker Zuges nur an den beiden Endwagen eingehängt, die jeweils über zwei Drehgestelle verfügen. Stadler bietet TINA in verschiedenen Varianten an: So kann das Fahrzeug wahlweise, wie in Rostock, rein über die Oberleitung versorgt werden, es sind aber auch Ausführungen möglich, bei dem die Energieversorgung des Antriebs in oberleitungslosen Abschnitten über eine Batterie erfolgt, die unter der Fahrleitung dann nachgeladen wird. Die Züge können für Spannungssysteme von 600 V bis 700 V Gleichstrom und Spurweiten von Meter- bis Breitspur als Ein- oder Zweirichtungsfahrzeuge gebaut werden. Neben Rostock setzen bereits Darmstadt und Basel Straßenbahnen dieses Typs ein. Halle erhielt im Dezember seine erste TINA und Den Haag und Gera werden ab 2026 beliefert.
Stand: 08.12.2025
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Die neuen Rostocker Züge sollen die zwischen 1994 und 1996 gelieferten Bahnen der Baureihe 6N1 ersetzen. Diese werden – bis auf zehn Fahrzeuge, die derzeit in Leipzig saniert werden – ausgemustert. Die fabrikneuen Straßenbahnen können grundsätzlich auf dem gesamten RSAG-Streckennetz eingesetzt werden, sind aber vorzugsweise für die Hauptlinien 1 und 5 vorgesehen.
Unterstützt wird die Beschaffung der Rostocker Züge von der Landesregierung mit 9,45 Millionen Euro. Das geschieht im Rahmen der Mobilitätsoffensive Mecklenburg-Vorpommern aus Regionalisierungsmitteln, die den Ländern zur Finanzierung eines ausreichenden ÖPNV-Angebots zur Verfügung stehen. Das Gesamtauftragsvolumen der 29 Straßenbahnen liegt bei 98,2 Millionen Euro. Der restliche Finanzbedarf wird durch ein Konsortium gedeckt, das aus institutionellen Investoren und Banken besteht. (se)