Alternative Antriebe Die Brennstoffzelle feiert in China ihr Comeback

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Die Stadt Guangzhou hat Mitte Dezember 450 Busse mit Brennstoffzelle geordert. Diese enorme Bestellung von Bussen mit Brennstoffzelle wäre allein schon eine Schlagzeile wert. Noch beeindruckender ist allerdings der landesweite „Laborversuch“, den Chinas Regierung für die alternative Antriebstechnologie durchführt.

Hyundai konnte über HTWO Guangzhou, den chinesischen Ableger seiner Wasserstoffmarke HTWO, im Dezember 2025 einen Großauftrag an Brennstoffzellenbussen in China verzeichnen. Das Wasserstoff über den Pkw-Bereich hinaus eine wichtige Rolle für das Unternehmen spielt, verdeutlichte es auch Anfang Dezember 2025 auf der World Hydrogen Expo.(Bild:  Hyundai Motor Group)
Hyundai konnte über HTWO Guangzhou, den chinesischen Ableger seiner Wasserstoffmarke HTWO, im Dezember 2025 einen Großauftrag an Brennstoffzellenbussen in China verzeichnen. Das Wasserstoff über den Pkw-Bereich hinaus eine wichtige Rolle für das Unternehmen spielt, verdeutlichte es auch Anfang Dezember 2025 auf der World Hydrogen Expo.
(Bild: Hyundai Motor Group)

Guangzhou, mit knapp 19 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Chinas, hat Mitte Dezember 450 Busse mit Brennstoffzelle bei zwei verschiedenen Herstellern bestellt. Einer davon ist ein Tochterunternehmen des südkoreanischen Konzerns Hyundai. Das sei die „größte öffentliche Auftragsvergabe, die je weltweit für Busse mit Brennstoffzelle“ stattgefunden habe, schreibt Hydrogen Insights.

Die öffentlichen Verkehrsbetriebe von Guangzhou, namentlich die „Guangzhou Public Transport Group (GPTG)" geben 268,7 Millionen Yuan, was etwa 32,5 Millionen Euro entspricht für die Anschaffung der Busse aus. 249 Busse werden die Kaiwo Group und HTWO Guangzhou liefern, ein in China aktives Tochterunternehmen von Hyundai. Der Rest kommt von dem chinesischen Hersteller King Long in der ostchinesischen Küstenstadt Xiamen.

44 Städte beteiligen sich am Großversuch

Diese Zahlen verblassen allerdings vor den Dimensionen des landesweiten Experiments, dass die Zentralregierung in Peking gerade durchführt, um den Nutzen von Wasserstoff im Transportwesen und in anderen Industrien empirisch zu untersuchen. Es läuft seit 2021 und ist gerade noch einmal erneut beschleunigt worden. Dieser Großversuch findet in massiven „China Hydrogen City Clustern“ statt. Der „Guangdong-Cluster“ in der bevölkerungsreichen und wirtschaftlich fortgeschrittenen Region im Süden Chinas ist nur einer davon. Die anderen vier sind der Beijing-Tianjin-Hebei-Cluster, der Shanghai-Cluster, der Hebei-Cluster und der Henan-Cluster.

Insgesamt sind 44 chinesische Städte Teil dieser fünf Wasserstoff-Städtecluster. Der Einsatz von Bussen und anderen Fahrzeugen mit Brennstoffzelle ist ein wichtiger Teil des Experiments. Es werden aber auch Pipelines zum Transport des Wasserstoffs und Tankstellen dafür gebaut.

Chinesische Regierung pusht die Brennstoffzelle

China verwandele gerade „ganze Regionen in lebende, wasserstoffbetriebene Versuchslabore", kommentiert Intelligent Living. Es sei das größte Experiment zum Thema Wasserstoff in der Wirtschaft, das jemals weltweit durchgeführt worden sei.

Die Zentralregierung in Peking setzt aus verschiedenen Gründen auf die Brennstoffzelle und insgesamt auf den Aufbau einer umfassenden Wasserstoffwirtschaft. Im neuen Fünf-Jahresplan Chinas, der von 2026 bis 2030 gilt, werden Lokalregierungen explizit dazu angehalten „proaktiv für Zukunftsindustrien zu planen, eine Vielzahl technologischer Entwicklungspfade, typischer Anwendungsszenarien, tragfähiger Geschäftsmodelle sowie marktbezogener Regulierungsregeln zu erkunden, um unter anderem die Wasserstoffenergie voranzubringen.“

China sieht in der Technologie eine von mehreren Möglichkeiten, die selbst gesteckten Klimaziele und die dafür erforderliche rasche Dekarbonisierung der Volkswirtschaft zu erreichen. Des Weiteren soll mit einem steigenden Anteil von Wasserstoff im Energiemix des Landes eine weitere Reduzierung der „Energieabhängigkeit“ von anderen Ländern erreicht werden.

Aus diesen Gründen lässt Peking gerade die 44 Städte in fünf City-Clustern gegeneinander antreten. Sie sollen beweisen, ob Wasserstoff und die Brennstoffzelle langfristig zu Erfolgen führen. Die Vergabe von Subventionen ist dabei an das Erreichen bestimmter Zielvorgaben gekoppelt.

Wie realistisch sind die Wasserstoffaktionen?

Aus einer Reihe von Gründen, unter anderem weil der Bau von Wasserstoff-Pipelines und -tankstellen langsamer vorangeht als ursprünglich geplant, ist der Anteil von Fahrzeugen mit Brennstoffzelle am gesamten Fuhrpark in China bislang gering geblieben.

Zwischen 2015 und 2024 sind in der Volksrepublik insgesamt nur 23.501 Fuell Cell Vehicles verkauft worden, zeigen Statistiken des automobilen Herstellerverbandes CAAM. Im laufenden Jahr scheint sich dieses Volumen nach bislang vorliegenden Zahlen weiter zu reduzieren.

Allerdings plant die chinesische Regierung sehr langfristig und scheint entschlossen, Wasserstoff in bestimmten Anwendungsszenarien fest im Energiemix des Landes zu verankern. Dazu zählt der Einsatz als Energiequelle in der Chemie- und Stahlindustrie als auch der Gebrauch der Brennstoffzelle im Transportwesen, insbesondere die öffentlichen Verkehrsbetriebe des Landes.

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Wie die Großbestellung in Guangzhou jetzt wieder bewiesen hat, ist das landesweite Mega-Experiment mit Wasserstoff-City-Clustern noch längst nicht ad acta gelegt worden. Die Beteiligung eines südkoreanischen Unternehmens zeigt dabei gleichzeitig, dass auch für ausländische Anbieter von Cleantech im weitesten Sinn in China weiter gute Marktchancen existieren.

Von Skepsis zum Massenmarkt?

Deutsche und auch europäische Unternehmen, die Technologien in den Bereichen Brennstoffzelle, oder beispielsweise auch Präzisionskomponenten für die Speicherung, die Verflüssigung oder den Transport von Wasserstoff herstellen, werden in China in den kommenden Jahren offene Türen für ihre Produkte und Dienstleistungen finden.

Vergleichbare Entwicklungskurven – beispielsweise für Elektromobilität und Windenergie – haben in China in der Vergangenheit gezeigt, dass anfangs die Skepsis zu neuen Technologien überwog, dass diese dann aber nach dem Beginn der Skalierung im chinesischen Massenmarkt und der damit verbundenen Preissenkung weder in China noch global aufzuhalten waren. (se)

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