China Market Insider Chinas Space-X-Konkurrenten schicken Raketen mit Methan-Antrieb ins All

Von Henrik Bork

Elon Musk macht es mit SpaceX vor: Die Erkundung des Weltraums braucht kommerzielles Engagement. In China eifern finanziell gut ausgestattete Start-ups dem nach. Nicht immer erfolgreich. Aber mit neuen technologischen Ansätzen.

SpaceX ist derzeit das erfolgreichste Privatunternehmen bei Flügen ins All. Allerdings wollen chinesische Start-ups nun nachziehen. Und das soll nun auch mit einem anderen Antriebskonzept geschehen. (Bild:  NASA)
SpaceX ist derzeit das erfolgreichste Privatunternehmen bei Flügen ins All. Allerdings wollen chinesische Start-ups nun nachziehen. Und das soll nun auch mit einem anderen Antriebskonzept geschehen.
(Bild: NASA)

In der Welt der kommerziellen Raumfahrt kann selbst ein fehlgeschlagener Raketenstart ein Fortschritt sein. So scheiterte am 14. Dezember in der Wüste Gobi der weltweit ersten Launch einer kommerziellen Trägerrakete mit Methan: Um 8:30 Uhr GMT hob an diesem Tag eine Rakete vom Typ „Zhuque-2“ des privaten Unternehmens Landspace vom Pad 96 des Satelliten-Start-Zentrums Jiuquan ab. An Bord waren 14 Satelliten, die in die Umlaufbahn befördert werden sollten.

Zhuque heißt übersetzt Paradiesvogel. Doch etwa fünf Minuten nach dem Liftoff endete der Flug des Vogels: Etwa in dem Moment, wo der Hauptantrieb an vier Steuertriebwerke übergeben sollte, verfehlte die Rakete die nötige Geschwindigkeit für ihre Umlaufbahn und musste abgeschrieben werden. Die 14 Satelliten gingen ebenfalls verloren. Die Rakete mitsamt ihrer teuren Nutzlast versank im Indischen Ozean.

Erfolg trotz Fehlversuchs

Obwohl die Zhuque-2-Mission gescheitert ist, hat sie Raumfahrtgeschichte geschrieben: Es war der erste Versuch einer kommerziellen Rakete, den Orbit mit Methan als Brennstoff zu erreichen.Wäre der Start gelungen, hätten Landspace und sein Gründer Zhang Changwu diesmal sogar SpaceX und Elon Musk geschlagen, der ähnliche Pläne hat. Jetzt geht das Rennen weiter.

Die „Methalox“-Triebwerke des Paradiesvogels verbrennen eine Mischung aus flüssigem Methan und flüssigem Sauerstoff. Solche und ähnliche Treibstoffe auf Methan-Basis gelten als die Zukunft des Raketentreibstoffs, weil Methan umweltfreundlicher und billiger ist als alle momentan genutzten Treibstoffvarianten Noch dazu soll Methan auf dem Mond und dem Mars zu finden oder relativ einfach zu produzieren sein, was der kommerziellen Raumfahrt potenziell neue Möglichkeiten des Wiederauftankens im All eröffnet.

Während Elon Musk seine Raketen mit Kerosin fliegen lässt, sie aber bereits wiederverwendbar sind, hat Landspace nun versucht, als erstes Unternehmen die neue Generation von Treibstoffen zu verwenden. Das Start-up hat die Entwicklung von Treibwerken für die Rückkehr zur Erde auf künftige „Upgrades“ seiner Zhuque-Raketen verschoben. Es arbeitet aber schon daran. Letztlich verfolgen Landspace in Peking und SpaceX ähnliche Ziele.

Trotz des Scheiterns der Zhuque-2 habe „die Mission den rapiden Fortschritt demonstriert, den Chinas Weltraumprogramm gerade macht“, kommentierte das amerikanische Fachmedium Space.com. Das gelte sowohl für nationale wie für „kommerzielle Fähigkeiten“ privater Raumfahrtunternehmen.

60 Raketenstarts aus China in 2022

Chinas nationales Raumfahrtprogramm hat allein in diesem Jahr schon rund 60 erfolgreiche Raketenstarts verbucht. Und auch die privaten Anbieter in China schießen immer mehr Nutzlasten im Auftrag der staatlichen China Aerospace Science and Industry Corporation (CASIC) in die Erdumlaufbahn.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat 2014 private Investitionen in die Raumfahrtindustrie zugelassen. Mindestens 20 chinesische Startups arbeiten seither daran, günstige Trägerraketen zu entwickeln. An Geld für ihre teuren Startversuche mangelt es nicht.

Landspace allein soll bis jetzt 2,1 Milliarden Yuan (rund 280 Millionen Euro) von Chinas „SME Development Fund und privaten Investoren eingesammelt haben, unter anderem von Sequoia China und Matrix Partners. Auch das Startup „Beijing Interstellar Glory Space Technology Ltd.“, das den Markennamen „iSpace“ gewählt hat, hat Kapital von Sequoia China und Matrix Partners erhalten.

Genau wie Landspace hat auch iSpace bei seinen Raketenstarts bisher wenig Glück gehabt. Beide Unternehmen hatten fehlgeschlagene Startversuche mit Festtreibstoff hinter sich, als sie sich für den Versuch des „Leapfrogging“ mit Methan entschlossen.

Vertikales Landen nach dem SpaceX-Vorbild

Andere chinesische Konkurrenten von Landspace versuchen nicht, Elon Musk zu überholen, sondern wollen erst einmal zu ihm aufschließen. Im Mai hat das Unternehmen Deep Blue Aerospace eine Kerosin-getriebene Rakete in eine Höhe von acht Kilometern geschossen, um es dann wieder vertikal und sicher auf der Erde landen zu lassen.

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„Wir folgen dem Weg von SpaceX und wollen wiederholen, was der Pionier unserer Industrie erreicht hat,“ zitiert Bloomberg Huo Liang, den Gründer von Deep Blue Aerospace.

Gescheiterte Raketenstarts wie der jüngste von Landspace am 14. Dezember sind nicht ungewöhnlich. Doch angesichts der politischen Unterstützung seitens der Zentralregierung in Peking und dem großen Interesse von Investoren ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis eine kommerzielle chinesische Rakete mit einem Methan-Gemisch ins All geschossen wird - und zurück kommt, um erneut mit Nutzlasten beladen zu werden. Preislich werden die Chinesen dann eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Elon Musk und sein SpaceX sein.

Über den Autor

Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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