Autonomes Fahren Chinas Hersteller verlagern das teilautomatisierte Fahren in die Städte

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Die Hoffnungen der chinesischen Hersteller sind groß, dass sie mit Level-2-Anwendungen im städtischen Umfeld noch mehr Kunden für das autonome Fahren begeistern. Vier Metropolen sind ganz oder teilweise schon dafür bereit.

XPeng hat als erstes Unternehmen mit dem SUV G9 die Erlaubnis erhalten, automatisierte Testfahrten in der Metropole Guangzhou duchzuführen.  (Bild:  XPeng)
XPeng hat als erstes Unternehmen mit dem SUV G9 die Erlaubnis erhalten, automatisierte Testfahrten in der Metropole Guangzhou duchzuführen.
(Bild: XPeng)

In China soll 2023 das Jahr werden, in dem der Autopilot den Sprung von der Autobahn in die Stadt schafft. NOA oder „Navigate on Autopilot“ wird in diesem Jahr von mehreren Herstellern in der Volksrepublik schon in mindestens drei Innenstädten angeboten, berichtet die chinesische Autozeitung Zhongguo Qiche Bao.

Die OEM verwenden verschiedene Abkürzungen, doch „NOA“ - in Anlehnung an die Bezeichnung, die Tesla verwendet – hat sich als allgemein verwendeter Name in den Medien durchgesetzt. Es handelt sich dabei um autonomes Fahren auf dem „Level 2“: Das Auto kann beim so genannten teilautomatisierten Fahren manche Aufgaben zeitweilig selbst ausführen – ganz ohne Eingriff eines Menschen. Zum Beispiel kann der Pkw auf der Autobahn gleichzeitig die Spur halten, bremsen und beschleunigen. Fahrer können beim Level-2 die Hände kurz vom Steuer nehmen, wenn der Wagen im teilautomatisierten Modus unterwegs ist. Allerdings müssen sie die Assistenzsysteme permanent überwachen und mögliche Fehler korrigieren.

Das E-Auto-Startup Xpeng nennt die NOA-Funktion lieber „NGP“ und hat sie zuerst im September vergangenen Jahres in Guangzhou, später dann auch in Shenzhen freigeschaltet. Shanghai soll nun bald dazukommen. In der chinesischen Hauptstadt Peking wird „City NOA“, wie es zur Unterscheidung zum Autopiloten auf Autobahnen auch genannt wird, auf einem Teil des Straßennetzes möglich sein.

Mehr als ein nice to have

Unter Autoherstellern in China gilt es als sicher, dass die Funktion sehr schnell viele Nutzer haben wird. Viele andere Funktionen in den smarten Cockpits der neuen Generation von E-Autos sind demnach „nice to have“. Bei den NOA-Funktionen hätten sich die Testfahrer laut der Hersteller hingegen sehr schnell an den städtischen Autopiloten gewöhnt.

Daher ist ein scharfer Wettbewerb unter den OEM ausgebrochen und das autonome Fahren breitet sich schneller als erwartet aus. „Tesla, Xpeng, Arcfox, Jidu, Avatr, NIO, Li Auto und viele andere Autofirmen beschleunigen die Einführung und Optimierung von City-NOA-Funktionen,“ schreibt das Auto-Fachportal.

Das Wettrennen hatte mit der NOA-Einführung von Xpeng am 17. September vergangenen Jahres in der südchinesischen Metropole Guangzhou begonnen. Kaum eine Woche später, am 23. September, war die Funktion dann auch in der neuen „Hi”-Version des Arcfox Alpha S verfügbar, ebenfalls in Guangzhou - wenn auch auf das Akronym „NCA“ getauft. Im Dezember folgte für den Arcfox dann auch Shanghai.

Um die Autopilot-Funktion in Chinas oft chaotischen Großstädten zu realisieren, verlassen sich die meisten Hersteller inzwischen nicht mehr auf Hochpräzisions-Karten, sondern setzen fast ausschließlich auf das visuelle Erkennen von Hindernissen.

Anders als auf Autobahnen, wo Karten relativ lange aktuell bleiben, verändern sich die Straßen in Chinas Städten sehr häufig. Wichtig waren daher technische Verbesserungen bei der visuellen, von Karten unabhängigen Objekterkennung, sowohl bei den eingesetzten Lidar-Geräten, als auch durch immer präziserer Algorithmen.

Immer mehr Marken integrieren die Technik

Auch Marken, die bislang eher vorsichtig waren, haben nun NOA für sich entdeckt: Li Auto hat angekündigt, seine Kunden noch im vierten Quartal dieses Jahres an Beta-Tests für City-NOA teilnehmen zu lassen. Sein „AD Max“-Fahrsystem wird von einem Lidar und zwei „Orin X Smart Driving Chips“ von Nvidia unterstützt.

Die E-Autos der Marke „WEY“ von Great Wall Motor sind auch schon mit einem „städtischen NOH-System“ ausgerüstet, was wiederum ein anderes Kürzel für NOA ist. SAIC Zhiji hat mit internen Tests für sein „NOAbeta“ begonnen. Jidu will NOA in seinen neuen Modellen ebenfalls noch in diesem Jahr innerhalb von Städten anbieten.

Auch unabhängige Anbieter von autonomen Fahrlösungen haben Produkte für den Autopiloten in der Innenstadt. Das chinesische Unternehmen QCraft hat im März seine NOA-Lösung auf den Markt gebracht, das an einen einzelnen „Journey 5“-Chip von Horizon gekoppelt ist. Der Konkurrent Deep Route hat „Driver 3.0“ entwickelt.

Alle Anbieter wollen durch den Autopilot in der Stadt die Einstellung der Autofahrer zu solchen Angeboten ändern. Bislang war die Resonanz für die Autobahnlösung noch zurückhaltend. Doch „gutes NOA sei wirklich eine Funktion, die die Wahrnehmung der Konsumenten bezüglich ihrer Autos komplett verändern kann“, zitiert das chinesische Autoportal einen Experten.

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