Kamera, Sensoren und Lidar - so lautet für viele die technische Grundrezeptur für das autonome Fahren. Gerade bei Lidar haben nun deutsche Zulieferer sich zurückgezogen. Dafür drehen die chinesischen Lieferanten und OEM hier gerade auf.
Während Bosch und ZF bei der Lidar-Technologie ausgestiegen sind und sich internationale OEMs wie Nissan (hier im Bild) erst daran versuchen, wird in China Lidar zunehmend schon in den Volumenmarkt überführt.
(Bild: Nissan)
Bosch ist ausgestiegen, aber chinesische Hersteller setzen weiter stark auf Lidar. Über die Zukunft dieser Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren wird künftig vor allem in der Volksrepublik entschieden, wo Skalierungseffekte und starke Nachfrage die Preise schrittweise fallen lassen.
Mehrere neue Automodelle, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen, deuten diesen Trend bereits an. Der neue „Livan 7“ von Livan Motors, einem Joint-Venture von Geely und Lifan Motors, wird mit Lidar ausgestattet sein und „es wird erwartet, dass er für weniger als 200.000 Yuan verkauft wird“, berichtet das Technologieportal 36kr.
Im Vorverkauf verlangt der Hersteller momentan zwischen 133.700 und 163.700 Yuan für das neue E-Auto (etwa 17.300 bis 21.200 Euro). Damit ist die Lidar-Technologie, die bislang vorwiegend in teuren Luxusversionen von Elektrofahrzeugen angeboten worden war, endgültig auch im günstigen Massenmarkt angekommen. Auch Xpeng und NETA arbeiten daran, ihre günstigsten E-Autos mit Lidar auszurüsten.
Ein Sprecher von Bosch hatte „die Komplexität“ und die „Markteinführungszeiten“ im Handelsblatt als Gründe genannt, warum der Zulieferer die weitere Entwicklung von Lidar-Sensoren in diesem Sommer eingestellt hat.
Anschluss verloren
Die Zeitung kommentierte diese Entscheidung durchaus negativ: „Bosch ist klammheimlich aus der Entwicklung von Lidar-Sensoren ausgestiegen, die zentral für den Durchbruch des autonomen Fahrens gelten.” Und, weil zuvor auch schon ZF beim Lidar aufgegeben hatte, urteilte das Medium: „Die deutschen Autozulieferer verlieren bei einer Zukunftstechnologie den Anschluss.”
Zur Realität gehört aber, dass die Geräte wohl nur in China in ausreichenden Stückgrößen produziert werden können, damit sie nach und nach für eine größere Zahl von Autobauern interessant und für Zulieferer lukrativ werden.
„Bosch war in diesem Bereich einem gewaltigen Konkurrenzdruck durch chinesische Lidar-Hersteller ausgesetzt,“ kommentiert das chinesische Nachrichtenportal Autolab auf WeChat. Hesai Technology etwa beherrscht bereits 50 Prozent des globalen Marktes für Lidar. Innovusion, das NIO beliefert, und RoboSense sind weitere starke Konkurrenten.
Lidar, eine Abkürzung für „Light Detection and Ranging“, nutzt genau wie ein Radar elektromagnetische Wellen, um Abstände zu Objekten oder Geschwindigkeiten zu messen. Allerdings geschieht dies in einer anderen Wellenlänge als das in Autos ebenfalls immer populärer werdende Millimeterwellen-Radar.
Verdrängungswettbewerb in China
Wegen der höheren Resolution, die es liefern kann, gilt Lidar als eine besonders sichere Sensorik. Das gilt insbesondere für das autonome Fahren ab Level 3, wo der Fahrer das Lenkrad bereits mehrere Sekunden lang völlig allein lassen darf.
Selbst Bosch hatte auf Nachfrage betont, die Lidar-Technik nach wie vor als wichtig für die weitere Entwicklung von autonomen Fahrfunktionen zu betrachten. Man wolle weiterhin in der Lage sein, Lidar in Lösungen für Autopiloten zu integrieren, äußerte eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem Handelsblatt.
Doch der knallharte Verdrängungswettbewerb in China war wohl zu viel für Bosch und ZF. Selbst wenn künftig Bestellungen in höheren Stückzahlen eingegangen wären, hätte man wohl preislich nicht mit chinesischen Herstellern konkurrieren können.
„Ausländische Hersteller in der Autoindustrie können es nicht bewerkstelligen, weil Lidar im wesentlichen ein Spiel sind, wo die Kosten durch die Skalierung reduziert werden,“ schreibt Autolab.
Es ist ein aktuelles Beispiel für den enormen Konkurrenzdruck, der deutschen Zulieferern künftig wohl immer häufiger drohen wird. Das gilt auch für die E-Mobilität, wo China zum globalen Marktführer geworden ist und diesen Vorsprung derzeit immer weiter ausbaut.
Preiskriege erwartet
Momentan kosten Lidar-Sensoren in China noch bis zu 10.000 Yuan (rund 1.300 Euro), während die neuen 4D-Millimeterwellen-Radare schon ab einem Zehntel dieses Preises zu haben sind. Doch dieser Abstand verringert sich bereits Schritt für Schritt.
Chinesische Hersteller seien daran gewöhnt, dass Preiskriege zum Geschäft gehören, schreibt 36kr zum Thema Lidar. „Die schrittweise Reduzierung von Lidar-Preisen ist unausweichlich,“ so das Techportal.
In der chinesischen Autoindustrie ist der Optimismus in Sachen Lidar daher ungebrochen. Das Modell P5 des E-Auto-Startups Xpeng ist mit zwei Lidar-Sensoren ausgerüstet. Es ist im mittleren Preissegment positioniert. Der „Yangwang U8” von BYD hat drei. Die Limousine „Mecha Dragon“ von Great Wall Motor hat vier.
Stand: 08.12.2025
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In der zweiten Hälfte dieses Jahres wird auch der AITO M7 erwartet - ein weiteres relativ günstiges E-Auto mit Lidar. „Falls man höhere Sicherheit will, ist es für Autos am besten, mit Lidar ausgestattet zu sein,“ schreibt 36kr. Und zwar am besten in Kombination mit anderer Sensorik. Kameras sind billig und gut für die Objekterkennung bei Tageslicht. Ultraschall-Radar ist bei geringen Distanzen akkurater. Und 4D-Millimeterwellen sind den Lidar-Sensoren bei unbewegten Objekten unterlegen, können daher nicht als billige Alternative zu Lidar gelten.
Ausländische Hersteller wie Bosch hätten es sehr schwer in diesem Markt, resümiert Autolab in seiner Analyse. „Doch das heißt keinesfalls, dass Lidar unwichtig geworden sind.”