Chancen und Risiken des Autonomen Fahrens in der Logistik

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Geringe Gewinnspannen und ein erheblich anwachsender Fahrermangel setzen deutsche Logistik-Unternehmen seit Jahren unter Druck. Im Projekt „ATLaS“ wurden deshalb Potenziale und Auswirkungen autonomer LKW-Transporte untersucht.

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Automatisiert fahrende Lkw könnten den Logistikmarkt revolutionieren.
Automatisiert fahrende Lkw könnten den Logistikmarkt revolutionieren.
(Bild: Daimler)

Die Verkehrsforscher befragten für die Studie Logistikfirmen aus dem Raum Berlin und Brandenburg, welche Anforderungen und Erwartungen sie an automatisiert fahrende LKW haben. Gleichzeitig untersuchten sie die Potenziale und Auswirkungen dieser Technologie für die Branche und das gesamte Verkehrssystem. „Die von uns befragten Unternehmen sehen in autonom fahrenden LKW vor allem eine Lösung für den stetig wachsenden Fahrermangel. Dafür muss die Technologie allerdings spätestens in zehn Jahren verlässlich einsatzbereit sein und sich eng an den Anforderungen der Nutzer orientieren“, fasst Dr. Stephan Müller zusammen.

Zudem schätzen die Befragten, dass sich durch fahrerlose Transporte 30 bis 40 Prozent der Kosten sparen und sich so die Margen erhöhen lassen. Zwei Anwendungsszenarien der Fahrzeughersteller sind für die Logistikunternehmen hingegen wenig relevant: Automatisierte LKW können sicher in Konvois fahren, also mit einem deutlich kleineren Abstand als bisher. So verringern sich der Luftwiderstand und damit der Kraftstoffverbrauch. Auch die Idee des automatisierten Transporters als „mobiles Büro“ – das dem Fahrer die Möglichkeit bietet, während der Fahrt zum Beispiel Termine zu verwalten oder mit Kunden zu sprechen – trifft in der Branche auf wenig Resonanz.

Hohe Investitionskosten als Hürde für den Mittelstand

Bei komplexen Innovationen wie dem automatisierten und vernetzten Fahren ist vor allem zu Beginn damit zu rechnen, dass die Technik einige „Kinderkrankheiten“ haben wird. „Vor allem die mittelständischen Logistikunternehmen sind jedoch auf sehr robuste und zuverlässige Fahrzeuge angewiesen. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wollen und können diese Unternehmen keine millionenschweren Investitionen in eine aktuell noch relativ unsichere Technologie tätigen“, beschreibt Stephan Müller.

Nur die großen, global agierenden Unternehmen könnten diese Innovationsleistung erbringen und davon profitieren. „Es könnte also zu einer einschneidenden Marktkonsolidierung in der Logistikbranche zum Vorteil der Global Player kommen. Will die Politik dem etwas entgegensetzen, gilt es, die mittelständischen Unternehmen gezielt zu unterstützen. Nur so können diese den technologischen Wandel ebenfalls mitgehen und für sich nutzen“, bilanziert Müller.

Weitere Verlagerung von der Schiene auf die Straße?

Im Rahmen der Studie wurden zudem Szenarien für die Einführung der diversen Technologien erarbeitet. Eine zentrale Erkenntnis: Automatisiert fahrende LKW werden die Verlagerung des Transports von der Schiene auf die Straße weiter deutlich vorantreiben. Fahrerlose Transporte auf Autobahnen werden wesentlich günstiger sein als der Schienenverkehr. Bis zu zwei Drittel des Güterverkehrs könnten sich deshalb von der Schiene auf die Straße verlagern. „Neben strikt marktwirtschaftlichen Argumenten müssen deshalb die Aspekte Umweltschutz und die Belastung durch Staus auf unseren Straßen bei der gesellschaftlichen Diskussion eine wichtige Rolle spielen“, sagt Stephan Müller.

Deshalb wollen die Mobilitätsspezialisten im nächsten Schritt die verkehrspolitischen Rahmenbedingungen und Konsequenzen der Einführung von automatisierten LKW untersuchen, um Akteure in Wirtschaft, Politik und Administration besser beraten und begleiten zu können. Um den Güterverkehr auf der Schiene zu stärken, regt DLR-Wissenschaftler Müller die Forcierung einer Innovationsstrategie für diesen Sektor an. Im Zuge des Projekts Next Generation Train (NGT) arbeiten die DLR-Verkehrsforschenden bereits an neuartigen Cargo-Konzepten für den Schienengüterverkehr der Zukunft.

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