Von der Fahrzeugvernetzung zur generativen KI Caravan-Industrie im Wandel: Wie digitale Innovationen nachhaltiges Wachstum fördern

Von Josepha Gehrke und Jan Kristof Arndt * 4 min Lesedauer

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Die Nachfrage nach Wohnmobilen ist seit der Covid-19-Pandemie ungebrochen. Allerdings konkurriert eine Vielzahl an Marken und Modellen um die Gunst der Kunden. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Hersteller neue, digitale Technologien nutzen, um sich durch ein einzigartiges Nutzererlebnis zu differenzieren. Nachhaltigkeit, Connected Services und generative künstliche Intelligenz stehen im Fokus.

Die Caravan- und Wohnwagen-Branche befindet sich ebenso wie die Automobilindustrie in einem Transformationsprozess. (Bild:  Visual composition with images from DALL-E and Unsplash/Pawel Nolbert)
Die Caravan- und Wohnwagen-Branche befindet sich ebenso wie die Automobilindustrie in einem Transformationsprozess.
(Bild: Visual composition with images from DALL-E and Unsplash/Pawel Nolbert)

Seit der Covid-19-Pandemie erlebt der Caravan- und Wohnmobilmarkt einen Boom, der bis heute anhält. Allein im Jahr 2023 erzielte die deutsche Caravaning-Branche einen Jahresumsatz von 15,3 Milliarden Euro, ein Plus von 8,8 Prozent gegenüber dem Rekordvorjahr und das zehnte Umsatzwachstum in Folge. Doch auch wenn die Nachfrage hoch ist, der Wettbewerb ist es auch – diverse Marken und Modelle versuchen den Kunden für sich zu gewinnen. Hier gilt es, den veränderten Kundenerwartungen gerecht zu werden und wichtige Themen wie Nachhaltigkeit zu besetzen.

Digitale Transformationsinitiativen entlang der Customer Journey sind der Schlüssel zum Erfolg. Doch die Branche steht sich selbst im Weg. Der Markt ist nach wie vor stark fragmentiert. Die Hersteller halten sich bei der Standardisierung von Hard- und Software sowie bei der Bereitstellung von Connected Services zurück. Das Smart Home auf Rädern ist mehr Wunsch als Wirklichkeit, denn die digitale Transformation wird nicht konsequent vorangetrieben.

Veränderte Kundenrealitäten

Die Erwartungen der Menschen haben sich grundlegend verändert und digitale Services entlang aller Phasen der Kundenreise massiv an Bedeutung gewonnen. Den Maßstab setzen indirekte Konkurrenten wie Uber und Airbnb mit ihren Kundenerlebnissen. Die „Last Best Experience“ wird heute zur minimalen Erwartungshaltung.

Innovative Ansätze sind gefragt, um sich als Hersteller nachhaltig zu differenzieren und Kunden zu begeistern. Es reicht nicht mehr aus, einen neuen Bezugsstoff oder praktische Schubladeneinteilungen als Neuheit zu präsentieren. Die Lebensstile und Bedürfnisse der Menschen ändern sich ständig, die Ansprüche sind diverser denn je. Das Ideal des klassischen „Campings“ früherer Generationen ist passé. Der Nutzer von heute will Natur pur, Selbstverwirklichung und Abenteuer, aber auch Community, Social Media und Smart Tech.

Die Vielfalt der Kundenbedürfnisse begreifen

Zur Differenzierung ist es unabdingbar, nach neuen Lösungen zu suchen und neue Technologien einzusetzen, um auf die diversen Ansprüche der Nutzer einzugehen. Der Digitale Nomade erwartet beispielsweise die gleichen Arbeitsplatz–Standards im Camper wie im Home-Office: stabile Internetverbindung, ergonomische Sitze, kalibrierte Bildschirme auf der richtigen Höhe und mit optimalem Lese-Abstand, ausreichend Lademöglichkeiten und ein angenehmes Raumklima. Die Firma Fendt ist mit dem Modell Adfendture Vorreiter in dem Segment.

Die Glamper wiederum sind auf der Suche nach analogem und digitalem Luxus und wollen auf keinen Komfort verzichten. Bei diesem Kundensegment können Hersteller mit Smart-Home-Anwendungen, Social Shopping und Social-Media-Integration, Influencer-Aktivierung oder auch GenAI-Tools punkten. Eine spannende Entwicklung in diesem Bereich: Das deutsche Start-up Revotion macht Wohnmobile zu Smart Homes. Zum Nachrüsten bietet das Unternehmen eine All-in-One-Lösung an, mit der sich alle Geräte im Camper steuern lassen – auch per App.

Die aktive Outdoor-Familie kann durch proaktive Vorschläge für neue Touren, Ausflüge, Orte etc. begeistert werden. Durch die Reduzierung des Planungsaufwands und die Konzentration auf die individuellen Bedürfnisse können sich die Anbieter von der Konkurrenz abheben. Volkswagen geht mit seinem Campervan California einen Schritt in diese Richtung und plant, ein digitales Service-Paket rund um das Freizeitmobil zu etablieren. Über die California-App sollen Kunden beispielsweise Touren planen, Campingplätze buchen oder Camping-Zubehör und Ersatzteile bestellen können.

Anwendungen für integrierte digitale Services

Neue technologische Entwicklungen, zum Beispiel in den Bereichen Connected Car, Smart Home oder GenAI, bieten großes Potenzial, das Kundenerlebnis nachhaltig zu verbessern und damit die Kundenbindung und – Service-abhängig - auch -monetarisierung zu stärken. Die möglichen Anwendungen für integrierte digitale Services sind mannigfaltig, wie:

  • Ein KI-gestützter Sales Concierge wird als digitaler Verkaufs- und Serviceassistent eingesetzt, der den Händler entlastet und dem Kunden ein optimiertes und personalisiertes Einkaufs- und Serviceerlebnis bietet. Der Kunde findet damit leichter das für ihn perfekte Freizeitmobil oder die individuell passende Dienstleistung.
  • Ein kontextsensitives, sprachgesteuertes Handbuch entlastet den Kundendienst und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Ob ein Reifen Druck verliert oder Warnleuchten im Cockpit eine schnelle Reaktion erfordern, die digitale Anwendung hilft bei der Problemlösung und schafft Vertrauen. Ein barrierefreies Dashboard und KI-gestützter Chat-Support optimieren das Kundenerlebnis.
  • Durch die proaktive Vernetzung der Community werden Mehrwerte für Kunden geschaffen und neue Wertschöpfungspotenziale für Hersteller generiert. Auf einer digitalen Community-Plattform treffen sich Gleichgesinnte, um z.B. Events zu entdecken, Checklisten auszutauschen und personalisierte Tipps zu erhalten. Marken vernetzen sich in diesem integrierten Ansatz nahtlos mit den Interessengruppen und erschließen durch die Integration von Funktionalitäten wie Social Commerce und Affiliate Marketing neue Erlösquellen.
  • Ein KI-gestützter Reiseassistent unterstützt den Nutzer umfassend in allen Phasen der Travel Journey, von der Planung über die Durchführung bis hin zur Nachbereitung. Anspruch und Ziel muss sein, jede Empfehlung zu jedem Zeitpunkt auf die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen des Reisenden abzustimmen.

Die Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle bei der Transformation der Caravaning-Industrie. Digitale Services bieten ein hohes Potenzial, das Kundenerlebnis zu bereichern und neue Wertschöpfungspools zu erschließen. Zukunftsfähige Geschäftsmodelle und neue Infrastrukturen sind entscheidend, um das technologische Potenzial auszuschöpfen und effiziente Lösungen zu entwickeln. Die Hersteller sollten hier jetzt ihre Agenda schärfen und unbeirrt umsetzen, um ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.  (se)

* Josepha Gehrke, Experience Lead, & Jan Kristof Arndt, Senior Manager Customer Experience & Innovation Consulting, beim Beratungshaus Publicis Sapient

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