Off-Road-Anwendungen bauma 2025 – die Messe der Superlative

Von Stefanie Eckardt 14 min Lesedauer

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Bereits vor ihrer Eröffnung am 07. April 2025 versprach die bauma mit einer imposanten Silhouette neue Impulse für die Baumaschinenbranche zu setzen. Am 13. April 2025 schloss die Messe nun ihre Pforten und die rund 600.000 Besucher wurden nicht enttäuscht: die bauma war wieder einmal der „Herzschlag der Branche“, wie Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München betonte. Thematisch beschäftigte sich das Branchen-Event des Jahres mit Klimaneutralität, alternativen Antriebskonzepten, vernetztem und nachhaltigem Bauen sowie Mining.

Herzschlag der Baubranche: Vom 07. bis 13. April 2025 fand die bauma statt. (Bild:  Messe München GmbH)
Herzschlag der Baubranche: Vom 07. bis 13. April 2025 fand die bauma statt.
(Bild: Messe München GmbH)

Hoch, höher, am höchsten – damit im April 2025 die weltgrößte Baumaschinenmesse ihre Pforten öffnen konnte, starteten die Aufbauarbeiten für einige Aussteller bereits im Oktober 2024. Getreu dem Motto: Nach dem Oktoberfest ist vor der bauma. Dieses Motto gibt es natürlich nicht, aber Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zog den Vergleich zum größten Volksfest der Welt: „Die bauma ist die Wiesn der Baubranche“. Allerdings schlug die bauma die Wiesn nicht nur bei der höchsten Maschine. Der Bayern Tower ist mit 90 Metern 15 Meter niedriger als der Gittermast-Raupenkran der Firma Tadano Faun. Der ragt mit einer Höhe von 105 Metern inmitten der rund 50 Kräne auf dem Freigelände heraus. Darüber hinaus ist er mit 996 Tonnen ein echtes Schwergewicht.

Baustellen als Zeichen des Fortschritts

„In München gibt es rund 12.000 Baustellen. Auch wenn die Begeisterung der Menschen, die täglich diese Baustellen passieren und oftmals im Stau stehen überschaubar ist – Baustellen zeigen, dass kein Stillstand da ist“, erklärt Reiter. Staatsminister Dr. Florian Herrmann, der den in Berlin weilenden Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vertrat, ergänzte: „Damit zeigt sich, dass etwas vorwärts geht. Die Baubranche ist der Kern unseres Wohlstands und in einem Umfeld multipler Unsicherheiten sendet die bauma einen wichtigen Impuls.“ Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München, unterstrich wiederum: „Die bauma ist der Herzschlag der Branche und hat erneut gezeigt, wie entscheidend die persönlichen Begegnungen und der Austausch für Fortschritt und den globalen Handel sind. Vom Messegelände in München geht ein starkes Signal der Zuversicht für die gesamte Branche aus.“

bauma 2025
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Dem Signal der 34. Weltleitmesse für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte versprach, kamen rund 600.000 Besucher aus mehr als 200 Ländern nach. 3.601 Aussteller aus 57 Nationen zeigten ihre Produkte und Lösungen auf einer Hallenfläche von 200.000 m2 und einer Freifläche von 414.000 m2. Im Mittelpunkt standen Trendthemen wie CO₂-Reduktion und alternative Antriebe sowie Autonomie. Nachfolgend stellt einige wenige Highlights vor, denn leider reichten Zeit und Manpower nicht aus, um die gesamte Messe abzugehen.

Fahrzeugelektrifizierung im Fokus

Eines der Messe-Highlights stellte Nutzfahrzeughersteller Mercedes-Benz Trucks mit dem neuen eArocs 400 vor, denn dabei handelte es sich um die erste batterieelektrische Variante des Lkws. Das Nutzfahrzeug für den Bauverkehr soll als Kleinserie von 150 Fahrzeugen pro Jahr auf den Markt kommen. Es wird zunächst als 32- und 41-Tonner in der Achsformel 8x4 mit vier verschiedenen Radständen verfügbar sein und kann als Fahrmischer oder Kipper aufgebaut werden. Es deckt somit wesentliche Anwendungen für den straßennahen Bauverkehr ab. Durch seine im Fahrbetrieb lokale CO2-Freiheit darf der eArocs 400 in innerstädtische Low- und Zero-Emission-Zonen einfahren und eignet sich aufgrund der geringen Geräuschemissionen auch für lärmsensible Umgebungen wie Wohngebiete, das Umfeld von Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten sowie für Nachtbaustellen. Der Verkaufsstart soll ab dem 1. Quartal 2026 erfolgen, die Erstauslieferung im 3. Quartal 2026. „Mit dem neuen eArocs 400 bringen wir die Elektrifizierung bei Mercedes-Benz Trucks jetzt auch in das Baugewerbe, das für unsere Wirtschaft und Gesellschaft von besonderer Bedeutung ist“, freut sich Achim Puchert, CEO Mercedes-Benz Trucks auf der bauma-Pressekonferenz und betont: „Nach dem Verteiler- und Fernverkehr setzen wir damit die Erweiterung unseres Produktangebots mit batterieelektrischen Lkw weiter fort. Entscheidend ist jetzt, dass die Politik den Ausbau der Ladeinfrastruktur voranbringt sowie die Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Betrieb dieser Fahrzeuge schafft.“

Für den neuen eArocs 400 übernimmt Mercedes-Benz Trucks wesentliche Komponenten aus dem eActros 600. Hierzu gehören neben der Frontbox und dem Power Take-Off (PTO) beziehungsweise Nebenabtrieb auch die auf der Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie (LFP) basierenden Batterien.

Aufgrund seines deutlich höheren Wirkungsgrads ist der eArocs 400 im Vergleich zu einem vergleichbaren Diesel-Lkw um mindestens 50 Prozent energieeffizienter. Er verfügt über eine Betriebsspannung von 800 Volt und zwei im Batterieturm direkt hinter dem Fahrerhaus untergebrachte Batteriepakete mit einer installierten Batteriekapazität von 414 kWh. Die Reichweite beträgt als Fahrmischer bis zu 200 Kilometer ohne Zwischenladen. In der Regel wird er im Ein-Schicht-Betrieb gefahren und durchschnittliche Tagesrouten von unter 100 Kilometern zurückgelegt. Bei der Kippervariante steigt die Reichweite auf bis zu 240 Kilometer ohne Zwischenladen. Geladen werden kann das Fahrzeug mit bis zu 400 kW über die serienmäßige, auf beiden Seiten des Fahrzeugs angebrachte CCS2-Ladebuchse. Die zwei Batteriepakete benötigen circa 45 Minuten, um von 20 auf 80 Prozent zu laden, wie der Hersteller erklärte.

Der Nutzfahrzeughersteller hat im Fahrzeug ein Zentralmotor mit 3-Gang-Getriebe und einer Dauerleistung von 380 kW sowie einer Spitzenleistung von 450 kW verbaut. In Kombination mit dieser technischen Antriebslösung können die bewährten Außenplanetenachsen des Arocs genutzt werden, um auch weiterhin die für den Baustelleneinsatz benötigte Bodenfreiheit und Geländegängigkeit zu bieten. Integriert wird der elektrische Antriebsstrang in das in Wörth produzierte Fahrzeug durch die Paul Group.

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Darüber hinaus punktet das Fahrzeug mit dem Multimedia Cockpit Interactive. Das 12-Zoll-Instrumenten-Display und der verbesserte Touchscreen sorgen für intuitive Bedienung – auch auf unebenem Gelände. Weiteres Plus: Viele Funktionen lassen sich nun per Sprachsteuerung sicher und schnell aktivieren. Das neue Favoriten-Menü ermöglicht zudem den direkten Zugriff auf bauspezifische Funktionen wie etwa Nebenantriebe.

Darüber hinaus sind im eArocs 400 verschiedene Sicherheitsassistenzsysteme wie der Active Brake Assist 6, der Active Sideguard Assist 2 oder der Front Guard Assist integriert, so dass die Fahrer Gefahren rechtzeitig erkennen, frühzeitig abbremsen und den Überblick über das Verkehrsgeschehen behalten können. Die elektronischen Helfer können insbesondere dazu beitragen, dass Momente der Unachtsamkeit etwa aufgrund von Übermüdung, Stress oder Ablenkung für alle Beteiligten möglichst ohne schwere Folgen bleiben.

Elektro-Kettenbagger

Mit dem Cat 320 Electric haben Caterpillar und Zeppelin auf der bauma einen vollelektrischen Kettenbagger präsentiert. Diese Neuentwicklung basiert auf dem dieselbetriebenen Cat 320 und bietet entsprechend in Sachen Assistenzsysteme und Kabine die bewährten Merkmale der neuen Generation. Mit einer 750-V-Batterie, die eine Kapazität von 387 kWh hat, ist er für einen Acht-Stunden-Arbeitstag gerüstet. Bevorzugte Einsatzgebiete des neuen Cat Stromers sind vor allem Arbeiten im stationären Betrieb, wie in Steinbrüchen oder bei großen Bauprojekten im innerstädtischen Bereich, in emissions- und lärmsensiblen Umgebungen.

Der Cat Kettenbagger 320 Electric steht mit seinem Einsatzgewicht von rund 25,6 t seinem dieselbetriebenen Pendant in Hinsicht auf Grabkraft und Ladeleistung in nichts nach. Mit seinem Löffelvolumen von 1,3 m3 und dem großen Arbeitsbereich ermöglicht die Baumaschine Graben, Heben und Bewegen von Materialien. Zusätzlich verfügt der Kettenbagger über diverse Technologien, die die Betriebsleistung und Sicherheit weiter verbessern. Intelligente Assistenzsysteme, wie die 2D-Maschinensteuerung, die Kontrollwaage sowie die Hub-Schwenkbegrenzung, unterstützen den Bediener bei präzisen Manövern und tragen zur Arbeitssicherheit auf der Baustelle bei.

Punkten kann der Stromer laut Herstellerangaben darüber hinaus mit geringerem Wartungsaufwand und niedrigen Betriebskosten. Der Elektromotor sorgt für eine schnelle und präzise Leistungsabgabe, was die Produktivität auf der Baustelle steigert. Seine Lithium-Ionen-Batterie mit 750 Volt und 387 kWh Kapazität ermöglicht eine Schicht von bis zu acht Stunden bei normaler Belastung. Das Onboard-Ladegerät mit 62 kW Ladeleistung eignet sich für eine nächtliche Aufladung, ein Offboard-Ladegerät für noch schnelleres Laden wird ebenfalls verfügbar sein. Kabelgebunden kann der Cat 320 Electric mit bis zu 110 kW betrieben werden.

Der Kettenbagger soll zunächst in einem Leasing-/Mietmodell angeboten werden.

Elektrisch angetriebenes Mienenfahrzeug

70 Exponate und eine Vielzahl maßgeschneiderter Lösungskonzepte brachte Liebherr nach München mit. Eines davon war der Mining-Truck T 264 Battery Electric, der – wie es der Name bereits verrät – von einer Batterie statt eines Verbrennungsmotors angetrieben wird. Die 3,2 MW-Batterie wurde von Fortescue Zero entwickelt. Bevor Fortescue Zero 2022 ein Teil von Fortescue wurde, adaptierte das zuvor als Williams Advanced Engineering bekannte Unternehmen für das Williams Racing Formula One Team entwickelte Technologien für andere Industriezweige.

Laden lässt sich das Fahrzeug statisch oder dynamisch. Für beide Varianten zeigte das Unternehmen auf der bauma entsprechende Möglichkeiten. Mit einer Leistung von 6 MW kann die statische Ladelösung den T 264 Battery Electric in weniger als einer Stunde vollständig laden. Das dynamische Konzept Power Rail basiert auf der Trolley-Technologie von Liebherr. Anders als bei herkömmlichen Oberleitungen ermöglicht Power Rail das seitliche Anschließen der Trucks an den Stromleitungen. Diese seitliche Verbindung vereinfacht nicht nur die Installation und Wartung der Ladeinfrastruktur, sondern ermöglicht es den Muldenkippern auch, Kurven sicher zu durchfahren. Dynamisches Laden erhöht darüber hinaus auch die Geschwindigkeit von batterieelektrischen Trucks an Steigungen, sodass diese schneller bergauf fahren können.

Der neue Mining-Truck ist mit der Autonomous Haulage Solution (AHS) ausgestattet, mit der das Fahrzeug auch ohne Fahrer betrieben werden kann. Diese Technologie wird von Liebherr und Fortescue im Rahmen ihrer Partnerschaft zur Entwicklung eines emissionsfreien Ökosystems für Mining gemeinsam vorangetrieben. Die AHS ist sowohl für die batterieelektrische Variante als auch für ihr Pendant mit Verbrennungsmotor anwendbar. AHS verfügt über ein Energiemanagementsystem, das die stationären Ladevorgänge für die Muldenkipper koordiniert und die optimale Auslastung der Ladeeinrichtung ohne Wartezeiten vor Ort sicherstellt. Die AHS wird nach Herstelleraussagen in der Lage sein, die Routen und Geschwindigkeiten der Trucks zu optimieren, um den Kraftstoff- und Energieverbrauch zu reduzieren und sicherzustellen, dass die Trucks so effizient wie möglich eingesetzt werden können.

Made in China

Effizienz, Nachhaltigkeit und Leistung, insbesondere für Europa – das hat sich das chinesische Unternehmen LiuGong auf die Fahnen geschrieben. Der Hersteller zeigte auf der bauma 13 Modelle aus fünf Produktlinien – Radlader, Bagger, Muldenkipper, Planierraupen und Grader – darunter fünf neue batteriebetriebene Elektromodelle. Die Maschinen wurden auf die Anwendungsbereiche Steinbruch und Bergbau sowie Abbruch und Recycling ausgerüstet. Zu diesen BEV-Modellen zählt beispielsweise der 4280DE Elektro-Motor-Grader. Dabei handelt es sich um einen vollelektrischen 24-Tonnen-Motor-Grader, der für die Instandhaltung von Steinbrüchen mit einer Laufzeit von 8 bis 10 Stunden mit seiner 423-kWh-Batterie entwickelt wurde. Ein weiteres Beispiel ist das 870HE Elektro-Radlader für nachhaltige Heavy-Line-Maschinen. Mit der 423-kWh-Batterie kann der Fahrer 7 bis 9 Stunden lang ununterbrochen emissionsfrei arbeiten. Die Schnell-Ladetechnologie ermöglicht das Aufladen von 20 bis 100 Prozent in 90 Minuten. Neu ist darüber hinaus der 924FE Elektro-Bagger. Im Gegensatz zu kabelgebundenen Systemen liefert dieser batterie-elektrische Bagger 7 bis 10 Stunden emissionsfreie Leistung pro Ladung und eignet sich somit für Müllsortieranlagen und umweltsensible Standorte.

Der Muldenkipper DR50CE bietet mit seinem direkt angetriebenen Elektromotor eine hohe Effizienz, die Getriebeverluste und Wartungskosten reduziert und gleichzeitig die Produktivität maximiert. Mit einer Nutzlast von 45.000 kg und einem Fassungsvermögen von 35 m³ gewährleistet er dank der regenerativen Energierückgewinnung einen Energieverbrauch von nahezu null beim Bergabtransport und einem Gefälle von 6 bis 8 Prozent. Des Weiteren hatte das Unternehmen mit dem 9018FE einen Elektro-Minibagger im Gepäck, der für Abbrucharbeiten im Innenbereich und für Einsätze in urbaner Umgebung entwickelt wurde. Das Fahrzeug ist mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie ausgestattet, die bis zu 4,5 Stunden Betriebszeit im Normalbetrieb ermöglicht.

Partnerschaften: Das Beste aus zwei Welten

Die Putzmeister iOntron Produktfamilie soll den Weg zu einer umweltfreundlichen Baustelle frei machen. Dafür ist sie bewusst technologieoffen gehalten und kompatibel zu Elektro-Lkws verschiedener Hersteller, wie das Unternehmen am Beispiel eines Volvo eTrucks zeigt. Das seit etwa eineinhalb Jahren laufende Pilotprojekt ist Ergebnis einer engen Zusammenarbeit der beiden Hersteller und dem schwedischen Unternehmen Swerock, einem Kunder von Putzmeister. zu verdanken.

Der vollelektrische Volvo Lkw FM Battery-Electric 8x4 Tridem auf vier Achsen mit einem Gesamtgewicht von 32 t verbraucht durchschnittlich während des Fahrens 1,6 bis 2,0 kWh je Kilometer. Die Elektromotoren des Fahrzeugs kommen auf eine Dauerleistung von 330 kW bei einer nutzbaren Batteriekapazität von 250 kWh. Ein eigens dafür entwickeltes Energiespeichersystem stellt insgesamt 360 kWh Leistung zur Verfügung.

Die Batteriekapazität ist wie bei allen E-Fahrzeugen der begrenzende Faktor. Doch das Putzmeister Ladekonzept ist so durchdacht, dass dennoch zuverlässig Energie für einen langen Arbeitstag bereitgestellt wird. Der Lkw verfügt nicht nur über eine Schnellladefunktion, sondern der Akku kann auch geladen werden, während die Maschine pumpt (Stichwort ‚work while charge‘ kurz: WWC). Natürlich sind die Vorzüge der vollelektrischen Betonpumpe abhängig von den unterschiedlichen Parametern und Bedingungen auf der Baustelle. Was die Betonpumpe betrifft, liefert die iOntron-Technologie bis zu 150 m3/h.

Die Kombination aus der Putzmeister-Technologie und dem Elektro-Nutzfahrzeug ermöglicht es, Geräuschemissionen und damit den Lärm zu minimieren, was insbesondere für Baustellen im städtischen Bereich und in Wohngebieten von Vorteil ist. Weniger Lärm verbessert auch die Arbeitsbedingungen der Maschinisten und des Baustellenpersonals.

Alternative Antriebe: Von Batterietechnik bis Wasserstoffmotor

John Deere und seine Tochter Kreisel Electric präsentierten eine Batterielösung, die für die nahtlose Integration in Off-Highway-Maschinen entwickelt wurde. „Diese neuen Hochleistungs-Batterien, die 2026/2027 verfügbar sind, zeichnen sich durch eine flexible, modulare Architektur aus, um eine individuelle Platzierung der Batterien im meist sehr knappen Bauraum zu ermöglichen. Und unsere patentierte Immersionskühlung sorgt gemeinsam mit dem BMS für ein aktives Wärmemanagement um optimale Leistung, Sicherheit und Lebensdauer zu bieten“, unterstreicht Markus Kreisel, Managing Director Sales and Marketing des österreichischen Unternehmens. Die Batterietechnologie der John-Deere-Tochter wird aktiv in einer Reihe von Anwendungen und Branchen eingesetzt, darunter Landwirtschaft, Bauwesen, Straßenbau und Schifffahrt.

Am Wirtgen-Stand im Freigelände wurde neben den laufenden elektrifizierten Baumaschinen auch ein KBP63-Batteriepack von Kreisel ausgestellt. Zusätzlich zu den Batterien entwickelt John Deere auch ein umfassendes Lade-Ökosystem mit der Batterietechnologie seines Tochterunternehmens, um vielseitige Ladeoptionen mit sowohl stationären als auch mobilen Lösungen für eine Vielzahl von Einsatzorten bereitzustellen. Besucher konnten eine mobile Ladelösung und die batterieintegrierte Kreisel Chimero-Ladestation ebenfalls auf dem Wirtgen-Stand im Außenbereich anschauen.

Das finnische Unternehmen Proventia hat in München seine neuen in Europa gefertigten Lithium-Eisenphosphat-Batteriepakete vorgestellt. Die neue Energy-Batterie sind kompatibel mit verschiedenen Off-Road-Anwendungen wie Radladern, Baggern oder Materialtransportgeräten. Sie kann entweder für den rein elektrischen Betrieb oder als emissionsfreie Energiequelle in hybriden Systemen zum Einsatz kommen.

Proventia hat die LFP-Batterien zusammen mit dem norwegischen Batteriezellen-Hersteller Morrow Batteries entwickelt. LFP-Batterietechnologie ist für ihre umweltfreundlichen Vorteile bekannt, weil sie auf den Einsatz von Nickel und Kobalt verzichtet – Materialien, die häufig mit Umwelt- und ethischen Problemen in Verbindung gebracht werden. Stattdessen nutzen LFP-Batterien Eisen und Phosphat, die reichlich vorhanden, ungiftig und leicht recycelbar sind.

Das standardmäßige Energy-Batteriepaket hat eine Breite von 750 mm und eine Höhe von 170 mm – die Länge variiert je nach Anzahl der Module. Diese Standardbatterien sind in Ausführungen mit 5, 6 oder 8 Modulen verfügbar, die in Reihe geschaltet werden können, um die gewünschte Systemspannung zu erreichen. Die Batteriepakete können auf einen Spannungsbereich von 190 bis 1000 V ausgelegt werden, was Flexibilität für verschiedene Spannungsanforderungen bietet. Zudem unterstützt das Technologiezentrum des finnischen Unternehmens dabei die Eignung, Integration und Steuerung der Batterien während der Maschinenkonstruktionsphase zu prüfen und zu leiten. Zusätzlich bietet es Tests für Batterie- und Hybridsysteme an.

Wasserstoffmotor nutzt bewährte Basis

Für den Wasserstoffmotor von Bosch können deutsche Hersteller und Zulieferer im Bereich Motorentechnologie auf jahrzehntelange Expertise zurückgreifen: Etwa 80 bis 90 Prozent der Technologie kann von klassischen Verbrennern übernommen werden. Wird der Energieträger Wasserstoff regenerativ erzeugt, kann mit Wasserstoffmotoren ein großer Schritt für das Klima gemacht werden. Baumaschinen werden häufig stationär unter hoher Last betrieben „Genau hier glänzt der Wasserstoffmotor mit hohem Wirkungsgrad und seiner Robustheit“, unterstreicht Jan-Oliver Roehrl, Vorstand im Bosch-Geschäftsbereich Power Solutions und Leiter der Nutzfahrzeugaktivitäten des Zulieferers. Noch in diesem Jahr sollen erste Anwendungen von Wasserstoffmotoren mit Bosch-Einspritztechnik auf den Markt kommen. Des Weiteren ist der Wasserstoffmotor auch im Großmotorenbereich, beispielsweise als Antrieb bei Muldenkippern im Bergbau, eine Option.

Darüber hinaus ist für bestimmte Anwendungsfälle bei Baumaschinen auch die Elektrifizierung der Fahr- und Arbeitsfunktionen eine effiziente und klimafreundliche Option. Hier bietet die Tochtergesellschaft Bosch Rexroth mit ihrem Elektrifizierungsportfolio eLion ein breites Angebot an Motoren, Wechselrichtern, Getrieben, Software und Zubehör bis hin zur passenden Hydraulik. Aktuell wird es um Komponenten für 96-Volt-Bordnetze erweitert sowie Ende 2025 um eine einheitliche Software-Plattform für alle Spannungsklassen. Die Tochtergesellschaft Bosch Engineering wiederum präsentierte eine neuentwickelte Hochleistungslösung für Batteriespannungen bis 800 V. Dieses neue elektrische Antriebssystem ist kompakt und bietet hohe Leistungsdichte und hohen Wirkungsgrad. Auch Baumaschinen mit großem Leistungsbedarf und beschränktem Bauraum, beispielsweise Radlader, lassen sich damit ausrüsten.

Auch ABB stellte dieses Jahr Lösungen zur Emissionsminderung in der Bau- und Bergbauindustrie vor. Zu den wichtigsten Produkteinführungen gehören der mobile Umrichter HES580, der Motor AMXE160 und die Traktionsbatterien der Pro-Serie für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Der HES580 ist ein 3-Level-Wechselrichter für Arbeitsmaschinenanwendungen. Er erhöht den Wirkungsgrad von Motoren, indem er deren Oberwellenverluste um bis zu 75 Prozent reduziert. Der Umrichter trägt auch zu einer längeren Lebensdauer des Motors bei, weil die Motorwicklung weniger belastet wird. Das AMXE-Portfolio, zu dem jetzt auch der neue AMXE160-Motor gehört, bietet eine hohe Konfigurationsfähigkeit mit verschiedenen Baugrößen und Leistungsoptionen von 30 kW bis über 600 kW. Das komplette Portfolio bietet Hochleistungsmotoren mit verbesserter Leistungsdichte und Effizienz für anspruchsvolle Umgebungen.

Retro statt Hightech

100 Jahre Caterpillar und dieses Jubiläum feierte das Unternehmen auf der bauma. „Unser Erfolg der letzten 100 Jahre ist auf harte Arbeit und das Engagement unserer Mitarbeiter, das anhaltende Vertrauen unserer Kunden und die Unterstützung unserer Händler und Geschäftspartner zurückzuführen“, betonte Jim Umpleby, Vorstandsvorsitzender und CEO von Caterpillar unter anderem beim Eröffnungspresserundgang. „Ich bin stolz darauf, solch ein starkes Team zu leiten, und bin mir ganz sicher, dass Caterpillar unseren Kunden auch in den nächsten 100 Jahren dabei zur Seite stehen wird, eine bessere und nachhaltigere Welt zu erschaffen.“

In der Caterpillar-Halle B6 präsentierte der Hersteller mit dem Vintage Cat Sixty der Schweizer Firma Eberhard ein Stück Geschichte. Neben den eigenen Bauprojekten betreiben die Schweizer auch ein Museum für historische Schwermaschinen wie den Cat Sixty. Der Cat Sixty verkörpert beispielhaft die hohe Zuverlässigkeit und Haltbarkeit der Caterpillar-Maschinen.

Ein etwas kleineres Retro-Highlight als der bereits vorgestellte Caterpillar Sixty brachte b-plus mit nach München. Mit der Kleinsteuerung b-CANCubeRetro zeigte das Unternehmen ein „Meisterwerk der Technikgeschichte“, das es allen Nostalgikern und Liebhabern ermöglicht, in die Welt der veralteten Schnittstellen einzutauchen. Mit einer Reihe von bewusst „vintage“ gehaltenen, veralteten Schnittstellen bietet das Gerät die Gelegenheit, Maschinen in einem nostalgischen Glanz der frühen 90er Jahre zu steuern. Kein ISOBUS, kein CANopen, nur Anschlüsse. PS/2, VGA, S-Video, BNC Netzwerk, USB 1.0 und SCSI lassen Retro-Herzen höherschlagen. Der Speicher kann sogar extern noch mit 5,25-Zoll-Disketten erweitert werden. „Wir haben die besten Eigenschaften von veralteten Steuerungen in den b-CANCubeRetro integriert: zähe mechanische Tasten, Drehschalter und alte Ports, die Ihnen das Gefühl geben, etwas wirklich Handgemachtes zu bedienen“, erklärt Stefan Zellner, Produktmanager bei b-plus.

Die nächste bauma findet vom 3. bis 9. April 2028 auf dem Messegelände in München statt.

 (se)

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